Ex-Black-Panther-Mitglied Assata Shakur: Die nie gefasste Kämpferin ist tot
Assata Shakur war die einst meistgesuchte Frau der USA, Kämpferin für radikale Freiheit und Ikone im Exil. Nun ist sie in Kuba mit 78 Jahren gestorben.
In den USA der sechziger Jahre brodelte es. Martin Luther King sprach in Washington vom Traum einer gerechteren Gesellschaft, während die Polizei in Selma Demonstrierende mit Knüppeln niederprügelte. Während im Süden noch Schilder mit „Whites only“ hingen, politisierte sich die 1947 geborene Studentin und die Tante vom Rapper Tupac Shakur, Joanne Deborah Byron. Sie legte ihren, wie sie selbst sagte, „Sklavennamen“ ab und nannte sich Assata Shakur.
Als Mitglied der Black Panther Party, einer sozialrevolutionären, antirassistischen Gruppe, sprach sie über Befreiung und Würde, organisierte Frühstücke für Kinder und kümmerte sich um Communities, die der Staat benachteiligte. Doch je härter die Repression wurde, desto stärker wuchs in ihr die Überzeugung, dass all das nicht genügt – und sie schloss sich der Black Liberation Army an, einer schwarz-nationalistischen und marxistisch-leninistischen Organisation, die den bewaffneten Kampf als notwendige Antwort auf systemische Gewalt verstand.
Dieser Schritt in den Untergrund machte sie zur Zielscheibe. Die Behörden verschärften die Repression: Das FBI unter J. Edgar Hoover bezeichnete die Black Panthers als „größte Bedrohung der inneren Sicherheit“ und zerschlug sie mit dem COINTELPRO-Programm systematisch. Aus Demonstrationen wurden in den Akten „Aufstände“, aus Sozialprogrammen „subversive Aktionen“. In diesem Klima der Verfolgung eskalierte die Auseinandersetzung – bis zu jenem 2. Mai 1973, als die Polizei das Auto, in dem Shakur mit zwei Begleitern saß, auf dem New Jersey Turnpike stoppte. Grund war ein defektes Rücklicht.
Kurz darauf kommt es zu einer Schießerei: ein Beamter stirbt, ein weiterer wird schwer verletzt, Shakur selbst angeschossen. Sie beteuerte zeitlebens ihre Unschuld, versicherte, am Tatmorgen keine Waffe in der Hand gehalten zu haben – ihre Arme seien während der tödlichen Schüsse erhoben gewesen. 1977 sprach ein Gericht sie dennoch schuldig. Das Urteil lautete lebenslange Haft. „Ich bin eine politische Gefangene“, erklärte sie; Bürgerrechtlerin Angela Davis stellte sich an ihre Seite.
Seit 1984 war Shakur im Exil in Kuba
Was das Gericht zu einem Schlusspunkt erklärt hatte, wurde für ihre Unterstützer:innen erst zum Anfang: 1979 sprengten Genossen sie aus dem Gefängnis. Tausende feierten die Befreiung, während das FBI Jagd machte. 1984 erreichte sie Kuba und Fidel Castros Regierung gewährte ihr offiziell Asyl. Sie unterrichtete, schrieb ihre Autobiografie, trat in kubanischen Medien auf und wurde zu einer Symbolfigur für viele linke Bewegungen weltweit. „Ich will keine Superheldin sein“, schrieb sie allerdings in ihrer Autobiografie. „Ich will frei sein.“
Für die USA aber blieb sie Staatsfeindin: 2013 setzte das FBI sie als erste Frau auf die Liste der meistgesuchten Terrorist:innen, zwei Millionen Dollar Kopfgeld. Kuba verweigerte jede Auslieferung – und machte damit klar, dass Shakur im Exil bleiben würde. Gleichzeitig gewannen ihre Schriften mit Black Lives Matter neue Popularität – für manche Manifest der Befreiung, für andere bloß marxistische Pamphlete.
Selbst ihr Tod löst die Fronten nicht: Während ein republikanischer Abgeordneter Gerechtigkeit für den getöteten Polizisten vermisst, kündigt New Jerseys Gouverneur an, selbst ihre sterblichen Überreste nicht in die USA zurückkehren zu lassen.
Assata Shakur aus Queens wurde 78 Jahre alt. Am 25. September ist sie in Havanna verstorben. Bis zuletzt war sie Projektionsfläche: für staatliche Dämonisierung – und für die Sehnsucht nach radikaler Freiheit.
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