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Eskalation in der Wagenknecht-ParteiZerbricht jetzt die BSW-Fraktion in Thüringen?

Die Brombeer-Koalition in Erfurt sei umgehend zu beenden, lautet ein neuer Befehl der BSW-Bundesspitze. Führende Thüringer Parteimitglieder verweigern sich.

Die Bundesspitze des Bündnis Sahra Wagenknecht setzt in Thüringen auf maximale Konfrontation. In einem neuen Beschluss wird die BSW-Fraktion im Erfurter Landtag jetzt aufgefordert, die sogenannte Brombeer-Koalition mit CDU und SPD zu verlassen. Am Montag trifft sich die 15-köpfige Fraktion, um über den Befehl aus Berlin zu beraten.

Be­ob­ach­te­r:in­nen schließen nicht aus, dass es dann zum Showdown zwischen den Prag­ma­ti­ke­r:in­nen um die thüringische BSW-Landesvorsitzende und -Finanzministerin Katja Wolf und der Wagenknecht-Garde kommt und die Fraktion auseinanderbricht. Rund ein Drittel der Abgeordneten gilt als dem Berliner Politbüro der Partei treu ergeben. Und dessen Beschluss ist unmissverständlich.

Der Aufhänger für das aktuelle Anstacheln der – seit langem gärenden – Konflikte im Thüringer BSW ist der Doktortitel von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt. Oder genauer: Voigts Nicht-mehr-Doktortitel. In dieser Woche hatte die TU Chemnitz bestätigt, einen Widerspruch Voigts gegen die Anfang des Jahres erfolgte Aberkennung zurückgewiesen zu haben.

Politbüro ist nicht zu bremsen

Seither sind der BSW-Bundesvorstand um die Vorsitzenden Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi, vor allem aber Parteigründerin Sahra Wagenknecht nicht mehr zu bremsen. An die eigenen Reihen in Thüringen gerichtet heißt es nun: „Das BSW darf sich nicht zum Mehrheitsbeschaffer eines Mannes machen, der seine persönlichen Interessen über das Wohl des Landes stellt.“

Man erwarte daher von der BSW-Fraktion im Thüringer Landtag, „dass sie Mario Voigt nicht weiter stützt und den Weg für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regiert, auch in Thüringen unterstützt“. Der „überparteiliche Ministerpräsident“ ist eine fixe Idee von Wagenknecht, die seit Ende vergangenen Jahres die BSW-Grundwertekommission leitet.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Thüringer BSW-Fraktion, Stefan Wogawa, nennt das Gremium „Sahras Wächterrat“. Das Konstrukt mit dem „überparteilichen Ministerpräsidenten“ verspottet er als „euren Volkspräsidenten“.

Außer den Wagenknecht-Ultras wollte aber bislang auch sonst niemand etwas von diesem Modell wissen, auch nicht die anderen Parteien. Das ist seit Freitag anders. Zumindest, wenn man ein Schreiben des thüringischen AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke ernst nehmen will.

Der Chef des gesichert rechtsextremen Landesverbandes setzte einen offenen Liebesbrief an die Thüringer BSW-Fraktion auf, in dem er die Abgeordneten aufforderte: „Lassen Sie uns gemeinsam nach einer unabhängigen Persönlichkeit suchen, die Autorität besitzt, das Land zusammenführen kann und im Thüringer Landtag eine Mehrheit hinter sich versammelt.“

Schütz und Wolf stehen zur Koalition

Niemanden werden wir suchen, heißt es dazu von Thüringens BSW-Infrastrukturminister Steffen Schütz. Er jedenfalls wolle von diesem „Angebot der Handreichung“ absehen.

Gegenüber dem ZDF verteidigte Schütz dann auch die Koalition aus CDU, BSW und SPD. Er erlebe die Regierung als „Team, das wirklich etwas zu Stande“ bringe. Den Beschluss der Parteioberen habe er „mit Fassungslosigkeit“ zur Kenntnis genommen.

Schärfer noch wurde Schütz im Tagesspiegel, dem er sagte: „Mit ihrem gefährlichen Kurs überschreiten Wagenknecht, De Masi und Mohamed Ali ohne jede innerparteiliche Diskussion und Willensbildung Grenzen, die ich nicht länger bereit bin zu tolerieren.“

Aufforderungen zur Parteisäuberung

Auf der anderen Seite kursieren unter den beinharten Ver­fech­te­r:in­nen von Wagenknechts Anti-Regierungs-Lehre seit langem Aufforderungen zur Parteisäuberung. Insbesondere Steffen Schütz und Finanzministerin Katja Wolf gelten als „Verräter“, die man aus dem BSW schmeißen müsste.

In diesem Sinne gab am Freitag auch Parteichef De Masi zu Protokoll, dass er beim Sturz von Ministerpräsident Mario Voigt auf ein Einlenken der Thü­rin­ge­r:in­nen baue, sich ansonsten aber weitere Maßnahmen vorbehalte: „Wir werden nicht länger hinnehmen, dass auf BSW-Ticket im Thüringer Landtag eine Politik gemacht wird, die die Glaubwürdigkeit der Partei untergräbt.“

Laut BSW-Parteisatzung sind die Landesverbände verpflichtet, „alles zu tun, um die Einheit der Partei zu sichern sowie alles zu unterlassen, was sich gegen die Grundsätze, die Ordnung oder das Ansehen der Partei richtet“. Als Ordnungsmaßnahme ist in letzter Konsequenz auch die „Auflösung und der Ausschluss der Gliederung sowie die Amtsenthebung des Vorstands derselben“ möglich.

Wie Brandenburg, nur anders

Doch erst einmal kommt die Fraktionssitzung am Montag. Es wäre nach dem Auseinanderbrechen des Brandenburger BSW Anfang des Jahres das zweite Mal, dass sich eine Fraktion der Wagenknecht-Partei selbst in die Luft sprengt. Anders als in Brandenburg ist ein Überlaufen der führenden Wagenknecht-Kritiker:innen zu einer der anderen Regierungsparteien nicht zu erwarten.

Auch auf den Bestand der Landesregierung dürfte sich ein Fraktionsbruch wohl zunächst nicht unmittelbar auswirken. Die Voigt-Regierung hat schon jetzt keine eigene Mehrheit im Parlament und ist für ihre größeren Projekte auf die Stimmen der oppositionellen Linksfraktion angewiesen. Auf die dürfte es dann allerdings umso mehr ankommen.

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15 Kommentare

 / 
  • kma

    Ich verstehe echt nicht mehr, worum es der Wagenknecht geht. Sie war schon immer ein bisschen schwierig, ich weiß. Vor 30 Jahren kannten wir uns persönlich. Aber allein ein kantiger Charakter begründet noch nicht die Probleme, die sie sich, ihrer Partei, den östlichen Bundesländern und Deutschland macht. Ihr muss doch bei klarer Analyse selbst auffallen, wie das aussieht und wohin das führt. Kann sich noch jemand an Jutta Ditfurth erinnern? Ihr Grünensplitter war nicht so rechtswirksam, wie das BSW aber die Personen haben Ähnlichkeiten, schien mir. Ich finde, wer soviel informelle Verantwortung mit einem hohen Intellekt verbindet, auch wenn durch Burnout u.ä. vielleicht einiges anders wurde, sollte erkennen können, was sie macht und entsprechend Konsequenzen ziehen.

  • Machiavelli

    SW ist halt keine Demokratin, kombiniert mit narzistischen Persönlichkeitszügen führen zu dem was man hier sieht.

  • Philippo1000

    Strategie?



    Es ist schon erstaunlich,



    wie eine Partei es zustande bringt, sich nach überraschenden Anfangserfolgen derart selbst zu zerlegen.



    Der Mißerfolg bei der Bundestagswahl sitzt offenbar so tief, dass eifersüchtig betrachtet wird, wer erfolgreich arbeitet.



    Diese Aktion des BSW Bundesvorstands wird die Wähler mit dem Kopf schütteln lassen und besiegelt das Ende jeglicher Aussichten der Partei bei den kommenden Wahlen eine Rolle zu spielen.



    Sarah Wagenknecht hat ihre Fähigkeit zum strategischen Handeln verloren.



    Auf einer Ebene wie Kubicki sieht man*frau zwei Figuren, deren Selbstverliebtheit eine politische Idee ins Nichts münden lässt.

    • kma

      @Philippo1000:

      Wahrscheinlich ist es nicht unnormal, dass neue Parteien sich erst finden müssen. Die früheren Richtungsstreits in der Parteien aus denen Die Linke hervorging, die Cuts in der AfD-Ausrichtung aber auch die früheren Probleme der Grünen zeigen das. Die Gründe sind vielfältig und oft auch persönlich. Was nicht heißt, dass Wagenknecht keine unangenehme Person ist.

    • Flix

      @Philippo1000:

      Wagenknechts Strategie bestand immer nur aus dem Wort „ICH,“ und diese verfolgt sie konsequent weiter.

  • tom-pex

    Was haben denn alle? S.W. hat nie etwas Anderes gesagt - also was soll der Zwergenaufstand? Soll sie wie alle Anderen ständig ihr Mäntelchen in den Wind hängen, je nachdem wer gerade kommentiert? Bei ihr weiß man woran man ist - ob's einem passt oder nicht. So what??

    • kma

      @tom-pex:

      Wen bezeichnest Du hier arrogant als Zwerg? Und vor allem von welchem Ross herunter nimmst Du Dir die Größe? Darauf hätte ich gern mal eine Antwort?

    • Perkele

      @tom-pex:

      Bei ihr weiß man woran man ist? Ja: Selbstdarstellung, Machtwille, Unredlichkeit. Ihr Mäntelchen wird vom Wind geradezu zerfetzt....

  • pumble

    Den gewählten Abgeordneten von oben her "Befehle" zu geben, zeugt von einem mangelhaften Demokratieverständnis. Aber das ist ja bei Frau Wagenknecht nichts neues.

  • shitstormcowboy

    Wagenknechts autoritäres Gehabe ist aus der Zeit gefallen. So gehen Demokraten nicht miteinander um. Aber ach, Wagenknecht ist ja gar keine Demokratin. Na dann, fröhliches stalinistisches Treiben.

  • Flix

    Wagenknecht ist die „Tullia Destructiva“ der deutschen Politik. Streit, Zwietracht allenthalben, ansonsten gähnende Leere.

    • shark49

      @Flix:

      Es ist einfach nur traurig...

      Zum Glück sind wir die alt SED ler in der linken endlich los

    • Pico

      @Flix:

      Na ja, anderen die Stiefel zu lecken und sonst nicht zustande bringen, kann nicht das Anliegen vom BSW sein. Wenn’s nicht passt, ist die Trennung immer der beste Weg. Wie bei einer Ehe. Da ist die Trennung oft der beste Weg ein langes Leiden frühzeitig zu beenden. Insofern ist Sahra Wagenknecht nur konsequent.

      • Selbstauslöser

        @Pico :

        Koalitionsarbeit = Kompromiss = „anderen die Stiefel lecken“? Wie bei einer Ehe? Uiuiuiui.



        Ist es nicht eher S.W., die Unterwerfung verlangt?



        Die Trennung als bester Weg, die reine Lehre konsequent rein zu halten, bewahrt am Ende nur die reine Leere. In diesem Fall das leere Stiefelchen.



        Der Vergleich mit der Ehe vergißt etwas Wesentliches: das Gemeinsame Dritte, ohne das eine Partnerschaft nicht von Dauer sein kann (z.B. Kinder). Das fehlt dem BSW.



        Im Übrigen: wenn man ein Leiden frühzeitig beendet, kann es doch nur ein kurzes Leiden gewesen sein ... und ein Zeichen geringer Belastbarkeit.

      • Nordischbynature

        @Pico :

        Es passt vor Ort, es passt nur der Fürstin der Finsternis nicht.