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Ermittlungen gegen SPD-Kandidaten Krach Mitten in den Wahlkampf gekracht

Erik Peter

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Erik Peter

Die Korruptionsermittlungen gegen ihren Spitzenkandidaten Steffen Krach kommen für die Berliner SPD zur Unzeit. Dennoch müssen die Vorwürfe aufgeklärt werden.

D as kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Wenn bei einem Politiker eineinhalb Wochen vor der Wahl die Polizei auf der Matte steht, dann müssen da doch andere Interessen im Spiel sein. Will da jemand dem Kandidaten bewusst schaden oder schlimmer noch: die AfD in ihrem Geraune von den korrupten Eliten stärken?

Derartige Zweifel liegen nahe angesichts der durch die Durchsuchungen bekannt ge­wordenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Steffen Krach, den Spitzen­kandidaten der Berliner SPD für die Abgeordnetenhauswahl. Für die in den Umfragen bereits dahin­siechende SPD, die unter Krach eher in ­Richtung einer ­Koalition mit der CDU als mit der ­Linken tendiert, könnten die Vorgänge der ­finale ­Knock-out sein, unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe am Ende bewahrheiten oder nicht.

Dennoch sollte man vorsichtig sein mit Kritik an den Ermittlungen zu einer möglichen Bestechung im Zusammenhang mit einem Vergabeverfahren für ein Gesundheitszentrum. Nichts spricht derzeit dafür, dass die Staatsanwaltschaft hier etwas anderes verfolgt, als den Verdacht einer mutmaßlichen Straftat aufzuklären. Eine bevorstehende Wahl darf für die Justiz dabei kein Kriterium sein. Man stelle sich vor, eine Durchsuchung, deren Ziel es ist, Beweise zu sichern, würde aus Rücksicht auf den Wahlkampf auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dann stünde die Unabhängigkeit der Justiz infrage.

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Das Vorgehen der Er­mitt­le­r:in­nen ist angesichts der vorliegenden Informationen nicht zu kritisieren, dafür ist auch die im Raum stehende Straftat zu ernst. Denn da, wo Po­li­ti­ke­r:in­nen zugunsten von Wirtschaftsinteressen Entscheidungen zu beeinflussen versuchen, wird die Demokratie ausgehöhlt. Statt die Gefahr durch Korruption zu unterschätzen und, wie so oft in Deutschland, zu exotisieren, gilt es sie ernst zu nehmen. Erst recht in Zeiten eines Aufstiegs der AfD.

Für Steffen Krach spricht: Er hat wohl veranlasst, dass eine Parteispende jenes Bieters in dem Vergabeverfahren, für den er sich vehement eingesetzt hatte, von der Berliner SPD umgehend zurücküberwiesen wurde. Eine Spende, die knapp unter der – unangemessen hohen – Veröffentlichungsgrenze von 10.000 Euro blieb. Doch aufgeklärt sind die Vorgänge damit nicht. Im Raum steht der Verdacht, dass das Unternehmen im Ringen um den öffentlichen Auftrag Insider-Infos hatte. Krach bestreitet, damit etwas zu tun gehabt zu haben.

Womöglich hat Steffen Krach korrekt gehandelt – oder er hat sich der Korruption schuldig gemacht. Derzeit weiß das niemand – und Spekulationen taugen nicht für Wahlentscheidungen. Berlins Wäh­le­r:in­nen sollten Krach daher nach seinem politischen Angebot bewerten.

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Erik Peter

Erik Peter Politik | Berlin

Leiter der Berlin-Redaktion und Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".
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3 Kommentare

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  • Anders Heister

    "Eine bevorstehende Wahl darf für die Justiz dabei kein Kriterium sein."

    Das ist aber eben auch genau das Argument, mit dem man die Justiz in einem Wahlkampf instrumentalisieren kann. Vor der Wahl mal schnell ein paar Hausdurchsuchungen, die Kandidaten schlecht dastehen lassen. Ein paar Wochen später fragt niemand mehr danach, ob das tatsächlich gerechtfertigt war.

    Wir haben in diesem Land demnächst vermutlich Staatsanwaltschaften, die einem AFD-Minister weisungsgebunden sind! Sieht der Autor das Thema unter diesem Aspekt auch noch so entspannt?

    Und der abschließende Appell an die Wähler, sich davon nicht beeinflussen zu lassen, ist einfach nur weltfremd...

  • Waldas

    Es scheint sehr naiv, in Betracht zu ziehen, dass dies unabhängig vom Wahlkampf geschieht. Zudem sind die Vorwürfe peanuts im Vergleich zu sonstiger Korruption hinsichtlich Auftragsvergaben, inoffiziellen Spenden etc...

  • Philippo1000

    Der Zeitpunkt ist schon sehr seltsam.



    Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es Kampagnenartiges Vorgehen gegen Teile der SPD gibt.



    So häufen sich Durchstechereien. Hier sei z.B. das Arbeitsblatt zum Thema Zuckersteuer genannt.



    "Ein Skandal" sei es, dass Klingbeil plane, zuckerfreie Getränke ebenfalls besteuern zu wollen.



    Klingbeil sagte dazu, dass es sich um ein internes Papier handele, dass er keineswegs abgesegnet hätte und auch nicht vor habe, das zu tun.



    Interessanterweise kommen aktuell Forderungen aus der Union, die Zuckersteuer gar nicht erst zu erheben. Im Vorfeld war seitens der Union gemutmaßt worden, "es solle Geld mit der Steuer verdient werden" (...).



    Der größte echte Justizskandal war aber natürlich das Vorgehen der Osnabrücker Staatsanwaltschaft gegen den damaligen Kanzlerkandidaten Scholz. Mitten im Wahlkampf ging man massiv gegen das Bundesfinanzamt vor, dessen Minister Scholz damals war. Am Ende - und zwar erst nach der Wahl- wurde das Vorgehen als gesetzeswidrig abgeurteilt. Eine Tatsache, die weit weniger Reichweite hatte, als die Maßnahme zur Unzeit.



    Es darf also, zu Recht, hinterfragt werden, ob hier von Seiten der Justiz politisch agiert wird.