Ermittlungen gegen Boateng eingestellt: Manipulative Inszenierung
Jérôme Boateng feiert auf Instagram seine vermeintliche Unschuld. Damit führt der Fußballer seine 9,5 Millionen Follower:innen bewusst in die Irre.
J érôme Boateng hat sich am 26. März bei Instagram gefeiert. Er verkündet, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen Körperverletzung an seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt eingestellt hat. „All meine Aussagen waren richtig, und die Verdächtigungen gegen mich falsch.“ Der Fußballer fügte auch ein Zitat seines Anwalts an: „Jede Ermittlungshandlung im Verlauf des Verfahrens hat belegt, dass Herr Boateng die Taten nicht begangen hat und gar nicht begangen haben kann.“
Damit führt Jérôme Boateng ein beträchtliches Publikum – dem Star folgen auf der Plattform rund 9,5 Millionen Menschen – bewusst in die Irre. Denn die Ermittlungen wurden gar nicht wegen falscher Verdächtigungen eingestellt, wie hier suggeriert wird. Sie wurden eingestellt, weil Kasia Lenhardt, die nach massivem medialem Druck Boatengs Suizid beging, nicht mehr Zeugin sein kann und ihre Verletzungen zwar dokumentiert sind, aber nicht deren Entstehung belegen.
Kurz gesagt, ist es wie so oft in Fällen mutmaßlicher misogyner Gewalt: Weil es für eine Anklage nicht ausreichend Beweise gab. Im seinem Post aber spricht der Anwalt stattdessen von einer Bestätigung, dass die Vorwürfe falsch seien.
Es ist eine gute Nachricht, dass Jérôme Boateng gerade dafür scharf kritisiert wird. Das zeigt: Das Wissen rund um das Verfahren ist gewachsen. Doch die vielen Kommentare, die die vermeintlich erwiesene Unschuld des Stars bejubeln, sind auch ein ernüchterndes Zeugnis.
Sie zeigen, worauf beschuldigte Fußballprofis neben der hard power, nämlich teuren Anwälten und Macht durch ihren Überreichtum, auch noch bauen können: auf treue Fanscharen und riesige Reichweite für ihre Sicht der Dinge dank Social Media. Ein Statement der Staatsanwaltschaft wirkt klein daneben. Solcher Status ist ein bedrohliches Zeichen für eine Gesellschaft, nicht nur im Fußball.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Boateng fange als U19 Coach beim Linzer ASK an. Wie der Klub nun mitteilte, stimmt das nicht.
Richtigstellung: In einer Bildunterschrift haben wir behauptet, Jérôme Boateng habe (s)einen Freispruch auf Instagram gefeiert. Diese Behauptung ist falsch. Jérôme Boateng hat nicht seinen Freispruch auf Instagram gefeiert. Das Strafverfahren gegen Jerome Boateng wurde gem. § 170 II StPO eingestellt.
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