Elon Musks Milliardenwette: Träume und Schäume
Es wäre harmlos, wenn der Kurseinbruch von Elon Musks SpaceX-Konzern nur Millionäre treffen würde. Doch was ist mit den Kleinanlegern?
Foto: Jeenah Moon/reuters
D er Börsengang von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX ist die Wirtschaftsnachricht des Monats. Der Ausgabekurs lag bei 135 Dollar pro Aktie, Donnerstagabend hatte er 153 Dollar erreicht. Die Anleger haben also bisher nicht verloren, sondern ordentlich gewonnen.
Trotzdem stellt sich die Frage, warum die SpaceX-Aktien so begehrt sind. Denn ein solides Geschäftsmodell ist nicht zu erkennen, wie Börsenexperten betonen. Die Zahlen sind geradezu erschütternd: Ein Aktienkurs von 153 Dollar bedeutet, dass SpaceX insgesamt 2,015 Billionen Dollar wert ist. Im Jahr 2025 machte das Unternehmen aber nur einen Umsatz von 18,5 Milliarden Dollar. Und Gewinne gab es gar nicht, stattdessen wurde ein Verlust von fast 5 Milliarden Dollar verbucht.
Nun ist es eine alte Börsenweisheit, dass es bei Aktien nicht um die Gegenwart, sondern um die Zukunft geht. Es werden Erwartungen gehandelt. Allerdings wurde längst ausgerechnet, dass die neuen SpaceX-Aktionäre übertrieben optimistisch sind: Um ein normales Verhältnis zwischen Börsenkurs und Umsatz zu erzielen, müsste SpaceX in den nächsten zehn Jahren um das 680-Fache wachsen. Das gab es noch nie bei einem Unternehmen.
Oder anders gesagt: Musk müsste tatsächlich auf dem Mars landen, und zwar sehr bald, damit die Rechnung der SpaceX-Spekulanten noch aufgeht. Voraussetzung dafür ist, dass er Leute findet, die tatsächlich auf dem Mars leben wollen – und dafür ganz viel Geld bezahlen. Vielleicht gibt es einzelne Spinner, die ein extraterrestrisches Dasein anstreben, aber es dürften niemals genug sein, damit SpaceX um das 680-Fache wächst.
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Die Realität ist immer stärker als die Fantasie
Die Börse hat sich erkennbar von der Realität entkoppelt, was sich „Blase“ nennt. Und irgendwann wird diese Blase platzen, denn die Realität ist immer stärker als die Fantasie. Bleibt die Frage, wer dann dafür zahlt.
Recht harmlos wäre es, wenn nur Millionäre geschädigt würden. Doch die Gefahr besteht, dass auch Kleinaktionäre in den SpaceX-Strudel hineingezogen werden. Der Mechanismus nennt sich ETF, Exchange Traded Fund. Diese Fonds sind sehr beliebt, weil sie passiv die Börsenentwicklung widerspiegeln und damit die Kosten für teure Fondsmanager sparen.
In vielen ETFs wird nun auch SpaceX vertreten sein. Die Kleinanleger haben gar keine Wahl: Entweder bilden die Fonds, wie etwa der MSCI, sowieso jeden großen Börsengang ab, oder sie haben extra ihre Regeln geändert, um SpaceX schnell ins Portfolio aufzunehmen. Dies gilt etwa für den Nasdaq 100.
Wie groß wäre also der Schaden für die ETF-Anleger, wenn der Kurs für SpaceX zusammenbricht? Zunächst einmal: ETFs machen nur 25 Prozent des gesamten Anlagevolumens an den Börsen aus. Dieser eher geringe Anteil macht deutlich, wie ungerecht die Welt ist. Die Reichen besitzen fast alles.
Umgekehrt folgt daraus aber: Wenn es zum Crash kommt, bluten vor allem Vermögende.
Nun dürfte es die Kleinanleger jedoch nicht trösten, dass sie im Gesamtbild kaum eine Rolle spielen. Viel wichtiger ist für sie, wie groß der Anteil von SpaceX am Fonds-Portfolio ist – wie stark also die ETFs einbrechen, sobald alle erkennen, dass Musks Träume nur Schäume sind. Auch da kann Entwarnung gegeben werden. Momentan macht SpaceX etwa 0,2 bis 0,7 Prozent in den ETFs aus.
Musk hält sich für das größte Genie auf Erden. Zum Glück ist sein ökonomischer Einfluss trotzdem klein.
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