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Elektronische ReisegenehmigungNach Nigel Farages Pfeife

Die neuen Einreiseregeln Großbritanniens sind eine Reaktion auf die Stimmungsmache der Rechtspopulisten. Für den Tourismus könnte es bitter werden.

Big Ben, Doppeldeckerbusse und Regenwetter: Touristinnen in London machen ein Erinnerunngsfoto Foto: Isabel Infantes/epa

D ie neuen Maßnahmen bei der Einreise ins Vereinigte Königreich mit gebührenpflichtiger Vorregistrierung für runde 19 Euro lassen sich auch hinsichtlich rechtspopulistischer Antiimmigrationspolitik erklären. Vor zehn Jahren verschaffte sich der Rechtspopulist Nigel Farage mit seiner Hetzkampagne gegen Immigration und Kontrollverlust beim Brexitreferendum breites Gehör. Dennoch stieg die Zahl gerade unter der Regierung der Tories auf ein Einwanderungshoch von knapp einer Million Flüchtenden innerhalb eines Jahres.

Davon kamen erwartungsgemäß die allerwenigsten aus EU-Ländern. Die verbreitete Verärgerung über die ungebeten ins Land strömenden Menschen traf ausgerechnet die 2 Prozent der Verletzlichsten unter den Einwander:innen: Bootsflüchtlinge, die damals aufgrund des Brexits nicht mehr in EU-Staaten zurückgesendet werden konnten.

Die britische Regierung behauptet, dass die umstrittene ETA – die kostenpflichtige elektronische Reisegenehmigung – der Registrierung und Überprüfung dient, was wiederum eine irreguläre Migration verhindere. Dabei ist die Begründung vorgeschoben, denn tatsächlich werden persönliche und Sicherheitsdaten ohnehin zwischen der EU und GB ausgetauscht. Ein Verfahren, das auch mit zahlreichen anderen westlichen Ländern, die von den neuen Maßnahmen betroffen sind, praktiziert wird.

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Die konkreten Einwanderungszahlen liegen inzwischen bei nur noch etwas über 200.000 bei weiter abnehmender Tendenz. Im vergangenen Jahren verließen sogar einige Zigtausend EU-Bürger:innen mehr die Insel als zuzogen. Nigel Farages Reform UK und seinen An­hän­ge­r:in­nen ist das indes nicht genug. Sie verbreiten weiter Angst vor einer angeblichen Invasion Fremder.

Die neuen Einreisebestimmungen sind eine Reaktion der Labourregierung auf diese Stimmungsmache. Der Preis dafür könnte ein Einbruch in der Tourismusbranche sein. Immerhin brachten die 39 Millionen Be­su­che­r:in­nen im vergangenen Jahr rund 37,7 Milliarden Euro auf die Insel. Die Mehrheit kam aus Europa.

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Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
Auslandskorrespondent Großbritannien
Der geborene jüdische Münchner und Sohn eines Holocaustüberlebenden schreibt seit 2012 aus London für die taz. Der SOAS-Absolvent der Politik Afrikas und der Zeitgeschichte des globalen Südens und zwei weiteren Magistern arbeitete auch für DW, das Friedensdorf 'Wahat-al-Salam-Neve-Shalom' und als Pilateslehrer. 2025 veröffentlichte er seine zweiteilige Bücherserie 'Soll sein Schulem.'
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