: Eine muss es ja machen
Schwerin ist pleite, die AfD stark. Bei der OB-Wahl am Sonntag tritt Mandy Pfeifer als gemeinsame Kandidatin von SPD, Linken und Grünen an. Eine gute Strategie gegen rechts?
Aus Schwerin Lotte Laloire (Text) und Dan Petermann(Fotos)
Ich hätte aber hier gern ein Café“, grätscht die Dame im leuchtend roten Pullover dazwischen. Mit „hier“ meint sie den Großen Dreesch, eine Plattenbausiedlung im Süden von Schwerin. Mandy Pfeifer unterbricht ihre eigene Ausführung über eine neue Gaststätte in der Innenstadt. Das interessiert die Seniorin nicht. „Ins Zentrum schaffe ich es nicht mehr“, erklärt die 85-Jährige.
Pfeifer hört zu und nickt. Sie ist 48, seit 2015 in der SPD und seit 2021 Abgeordnete im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Wahl am Sonntag will sie Oberbürgermeisterin (OB) von Schwerin werden. An einem Märzmontag ist sie zum Wahlkampf in das Stadteilzentrum „Alte Post“ gekommen. Das liegt zentral und zugleich etwas verloren auf einer Freifläche zwischen einem unsanierten Plattenbauriegel und einem modernen Schulgebäude. Am Eingang des Bungalows werben bunte Plakate für Aktivitäten von Flohmarkt bis Dartturnier. Auf einer Art Theke steht selbstgebackener Karottenkuchen.
„Organisiert doch selbst ein Café, dafür sind die Räume hier gedacht“, schlägt eine Ehrenamtliche aus der Alten Post vor und blickt quer über die Tafel. „Da musst du mich gar nicht angucken“, feuert die Seniorin in Rot zurück, noch bevor jemand „Engagement“ oder „Eigeninitiative“ sagen kann. „Dafür bin ich zu alt“, quäkt sie. Auch die SPD-Politikerin Mandy Pfeifer – so sie zu Wort kommt – spricht an diesem Nachmittag mehrfach vom Beitrag, den jeder Einzelne in der Stadt leisten könne. „Dafür ist man nie zu alt“, betont sie und fügt hinzu, dass die Politik die Bedingungen dafür schaffen müsse.
Aufgestellt wurde die Politikerin von SPD, Linken und Grünen. Das kommt bundesweit bislang eher selten vor. Ist eine gemeinsame Kandidatin mehrerer Parteien eine gute Idee, um erstarkenden Rechten etwas entgegenzusetzen? Sollte Pfeifer gewinnen, müsste sie mit einem Stadtrat zusammenarbeiten, in dem das rechte Lager über eine stabile Mehrheit verfügt. Der letzte OB hatte das Amt hingeschmissen. Warum will Mandy Pfeifer sich das antun?
Sie ist in Güstrow geboren und auf dem Dreesch aufgewachsen. Als Kind seien ihre politischen Vorbilder Gregor Gysi und Regine Hildebrand gewesen. Gysi sitzt bis heute für die Linkspartei im Bundestag, Hildebrand war eine ostdeutsche SPD-Politikerin, unter anderem Frauenministerin in Brandenburg. Dass Pfeifer sich für die SPD entschieden hat, erklärt sie mit einer Anekdote:
Früher war sie Vorsitzende der Schulkonferenz ihrer Kinder. Damals ging es um einen Neubau für den Hort. „Die Linke hat das Anliegen nicht wahrgenommen, die SPD hat sich darum gekümmert“, sagt die gelernte Bürokauffrau, die später Sozialmanagement studiert hat. „Außerdem bin ich ein pragmatischer Mensch. Mir ist wichtig, Sachen tatsächlich umzusetzen.“ Die Chance darauf habe sie eher bei der SPD als bei der Linken gesehen.
Warum Linke Pfeifer unterstützen
Diese scheinen mit Mandy Pfeifer gut leben zu können. Angesichts der prekären Mehrheitsverhältnisse habe man nicht einmal über eine eigene Kandidatin nachgedacht, erklärt Salim Hemeed, Landesgeschäftsführer der Linken, auf Nachfrage.
Im Stadtrat standen die Linken zuletzt vor dem Problem, fast ihren Fraktionsstatus zu verlieren, als ein Mitglied ausgetreten ist. Manche Schweriner sehen in dieser Schwäche das Motiv der Linken für das Bündnis bei der OB-Wahl. Ein Gewerkschafter findet, Pfeifer hätte mehr auf organisierte Arbeiter*innen zugehen sollen. Wählen werde er sie trotzdem. Wen auch sonst.
Hemeed formuliert es im Telefonat mit der taz so: „Mandy ist keine Sozialdemokratin, bei der man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt“. Ihr seien „soziale Themen wichtig „und sie habe „den Süden im Blick“ – womit er den Dreesch meint. „Die hängt sich echt rein für die Gegend“, bestätigt diesen Eindruck auch ein Ehrenamtlicher der Tafel auf dem Dreesch.
Dort, in der Alten Post, hat inzwischen ein Mann frischen Kaffee aufgesetzt. Er geht um die Tafel und schenkt den Damen Kaffee aus einer Thermoskanne nach. Hinter ihnen an der Wand lehnt ein meterhohes Metallschild. „Pankow“ steht darauf. So hieß die letzte Gaststätte, die es hier im Viertel gab. Sie hat Ende 2023 geschlossen.
Nicht nur eine Kneipe, ein Café, auch einen Bäcker hätten die Seniorinnen hier gerne wieder. „Das Brot vom Supermarkt schmeckt nicht!“, beschwert sich eine Frau in einem Rollstuhl mit hoher Rückenlehne und einem Blümchen im Gepäckträger. „Das Wichtigste ist, dass hier wieder Leben reinkommt“, betont die 85-jährige Rädelsführerin der Seniorinnen-Gang. Die fast 100-Jährige neben ihr nickt energisch.
Sie wirken Pfeifer gegenüber aufgeschlossen – wobei zunächst nicht klar ist, ob sie inbrünstige SPD-Fans sind oder sich einfach über Besuch auf dem Dreesch freuen. Über die Siedlung kursieren viele Klischees, geschürt auch von der AfD. Was stimmt: viele Menschen hier sind arm – Deutsche und Ausländer. Der Rassismus ist stark – staatlich und gesellschaftlich. Viele Menschen, die hier leben, dürfen nicht wählen. Noch mehr wählen AfD.
Die rechte Konkurrenz
Die rechtsextreme Partei steht bei rund 34 Prozent, wenn man Prognosen für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Glauben schenkt. Wahlprognosen für die kommunale Ebene gibt es nicht, allerdings schließt in Schwerin niemand aus, dass es neben Pfeifer und dem CDU-Mann Sebastian Ehlers auch die Kandidatin der AfD in die Stichwahl schaffen kann.
Die heißt Petra Federau und war 2016 vor den Landtagswahlen selbst ihrer eigenen Partei zu wild. Nachdem der Nordkurier 2016 berichtet hatte, Federau habe mit einem Escortservice junge Frauen in arabische Staaten vermittelt, stoppte die AfD damals ihre Kandidatur. Heute scheint das für die Rechtsextremen kein Problem mehr zu sein. Und das, obwohl es große Zweifel an ihrer Verfassungstreue gibt.
Diese hätte vor der Wahl überprüft werden können. So wollte es etwa die Linke, bestätigt Salim Hemeed. Gescheitert ist die Überprüfung an einem SPD-Mann. Er enthielt sich der Stimme, was absehbar zu einem Patt führte. Im Nachhinein sagen manche aus der Partei, das sei Absicht gewesen, damit die AfD sich nicht wieder als Opfer darstellen könne, weil ihre Kandidatin als Einzige überprüft wird. Andere in der SPD sind unglücklich über das Ereignis, das kurz vor der Wahl für negative Schlagzeilen gesorgt hat.
Federau darf also antreten – und die Ironie der Geschichte: Während es ein SPD-Mann war, der die Kandidatur der rechtsextremen Politikerin nicht verhindert hat, ist mit Mandy Pfeifer zugleich eine SPD-Frau die einzige Chance, um ein rechtes Oberhaupt zu verhindern.
Forscher hält Strategie für „ambivalent“
Salim Hemeed, Landesgeschäftsführer der Linken
Die Strategie der „Konsenskandidaten“ bezeichnen Fachleute als „ambivalent“. Der Rechtsextremismusforscher Holger Marcks weist darauf hin: Wenn eine Mehrheit der Menschen strikt gegen die AfD sei, wie es an vielen Orten der Fall ist, diese Wähler sich aber auf verschiedene Parteien verteilten, sodass am Ende die AfD gewinnt, entstehe eine „repräsentative Verzerrung“, erklärt er. Mit gemeinsamen Kandidaten ließe sich dieses „systemische Problem“ abfedern. Marcks ist Co-Autor des Buchs „Zurück nach vorn. Ein sozialrepublikanisches Panorama“, in dem er sich mit der Krise der linken und parlamentarischen Repräsentation befasst.
Konsenskandidaten seien aus seiner Sicht aber nur dann ein probates Mittel, wenn sie möglichst repräsentativ für den Durchschnitt sind. Hierzu passt, dass Mandy Pfeifer – obwohl sie Gleichstellungsbeauftragte war – im Wahlkampf auf Reizwörter wie „Feminismus“ verzichtet. Eine Person wie sie könnte tatsächlich glatt genug für den Mainstream sein.
Zugleich warnt der Forscher allerdings vor den neuen, mit Konsenskandidaten verbundene Fallstricke: „Zum einen gewinnt damit das AfD-Narrativ von den Blockparteien realen Gehalt. Zum anderen reduzieren Konsenskandidaten das programmatische Angebot. Das kann die Repräsentationslücke also noch vergrößern, die die extreme Rechte derzeit so erfolgreich füllt.“
Beim Kaffeeklatsch erkundigt sich eine der Seniorinnen nach ihren Alternativen: „Was würden die anderen Kandidaten für uns tun?“ Da möchte Pfeifer ungern für die anderen sprechen, sagt sie. „Von denen ist keiner zu uns gekommen“, wettert die Frau im Rollstuhl. „Wenn der Ehlers so interessiert wäre, an unserem Stadtteil, hätte er sich ja mal blicken lassen“, schimpft sie über den CDU-Kandidaten. „Die anderen haben wir auch nicht eingeladen“, belehrt die Dame in Rot ihre Mitstreiterin. „Stimmt“, sagt eine andere. Kichern am Tisch. „Die wollen wir hier nicht“, sagt eine andere und dann lachen alle aus vollem Hals.
„Doch, warte, der Steini war doch hier“, fällt einer ein, nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist. „Steini“, also Heiko Steinmüller, ist ein stadtbekannter Wirt, der parteilos als OB kandidiert. Der taz sagt er: „Ich bin der wahre Sozialdemokrat.“ Aus der SPD sei er ausgetreten, weil ihm das „elende Postengeschacher auf den Sack ging“. Nicht nur er bezeichnet die Partei als „Jobmaschine“ und bestätigt, was viele aus der Lokalpolitik kennen: „Die bekämpfen sich bis aufs Blut, selbst innerhalb der Fraktion, in der man doch eigentlich zusammenarbeiten sollte.“
Seine Strategie gegen rechts lautet: Klare Kante gegen rechte Einstellungen, aber nicht gegen Menschen. „In meine Kneipe kommen auch Rechte, sogar Mandatsträger.“ Das sei Steinmüller lieber, als wenn „der braune Dreck“ nur noch unter sich bliebe. „Bei mir können die sehen, dass ein Araber, ein Jude und ein Deutscher einen super Abend zusammen haben können.“ Über Politik sprechen dürften die AfDler – „die als Menschen herzlich willkommen sind“ – bei ihm im Laden aber nicht, betont Steinmüller. „Und daran halten die sich auch.“
Stabiler SPD-Vorgänger
Die extrem rechte AfD stellt im Stadtrat mit 12 Sitzen zurzeit die stärkste Fraktion, mit der CDU und einzelnen anderen Rechten kommt das Lager auf 25 Sitze. Dagegen verfügt die SPD nur über 9 Sitze. Mit Grünen, Linken und einem Fraktionslosen von der linken Gruppierung ASK macht das gerade einmal 19 Sitze.
Dem bisherigen OB, Rico Badenschier, auch von der SPD, war das nach einigen Jahren zu anstrengend geworden. Immer wieder hat der Stadtrat Dinge beschlossen, mit denen er nicht einverstanden war: Der Migrationsbeirat wurde abgelehnt, Gelder für Jugend und Soziales gekürzt, die Naturfläche des Warnitzer Feldes versiegelt.
Dass Pfeifer es nun als gemeinsame Kandidatin des progressiven Lagers versucht, findet Rico Badenschier eine gute Idee. Er hält die Kollegin auch persönlich für geeignet. „Sie ist mehr Politikerin, als ich es war“, sagt er der taz am Telefon. Damit meint er zum Beispiel, sie habe Kontakte und Verhandlungsgeschick.
Badenschier, der oft mit dem Fahrrad unterwegs und von Beruf Arzt ist, hatte im September seinen Rücktritt erklärt, jetzt arbeitet er wieder im Krankenhaus. „Man kann hart am Wind segeln. Wenn man kreuzt, kommt man trotzdem voran. Aber nur langsam und es kostet eben sehr viel Energie“, erklärt er der taz seinen Entschluss.
Bundesweite Aufmerksamkeit hatte der SPD-Mann Anfang 2025 erlangt, als die AfD dort eine Arbeitspflicht für Bürgergeldberechtigte vorschlug und der von der CDU leicht veränderte Antrag beschlossen wurde. Dagegen hat Bodenschier als OB klar Haltung gezeigt. „Das ist verfassungswidrig und war wieder mal rein kontrafaktische Politik“, sagt er der taz. Die Zwangsarbeit ist inzwischen, auch dank Badenschier, wieder vom Tisch.
Ein anderer Zankapfel, den der Ex-OB – so wie jede Person, mit der die taz über den Dreesch spricht – von sich aus erwähnt, ist das neue Flüchtlingslager in der Siedlung. Die aktuelle Kandidatin Mandy Pfeifer sagt der taz dazu: „CDU und AfD haben die Debatte über das ‚Ob‘ geführt. Diese Entscheidung steht uns als Kommune gar nicht zu, wir sind verpflichtet, Menschen aufzunehmen. Rico Badenschier hat nur über das ‚Wo‘ gesprochen, weil das die Kompetenz der Stadt ist. Ich würde Vorlagen so vorbereiten, dass die Stadtvertretung zwar über das ‚Wo‘ entscheiden kann, ich ihnen aber auch schon sage, ‚wie‘ es funktionieren kann, also dass ich schon vorher Verbündete habe, bevor ich in den politischen Raum gehe.“
Seniorin, nicht SPD bietet Paroli
Holger Marcks, Rechtsextremismusforscher
Auch der Kaffeeklatsch in der Alten Post, an dem nur weiße Frauen teilnehmen, vergeht nicht ohne Seitenhiebe gegen Ausländer. Eine der Damen beschwert sich über die Ukrainer, deren Kinder im Bertha-Klingberg-Haus immer zur Toilette gingen, wenn sie dort beim Tanztee seien. „Das finde ich respektlos“, sagt sie. Im Flur hingen schließlich ihre Mäntel und Taschen. Was das Problem daran ist, erklärt sie nicht, aber – typisch für den aktuellen rassistischen Diskurs – deutet sie an, dass Ausländer stehlen könnten.
Sofort zückt eine ältere SPD-Frau aus dem Stadtteilrat vom Müßer Holz ihren Notizblock, notiert den Namen der zuständigen Person im Klingberg-Haus und verspricht, nachzuhaken, „was das soll“. Es ist schließlich eine der Seniorinnen, die Paroli bietet: „Mir sind die Kinder bei unserem Tanztee noch nie negativ aufgefallen. Das ist doch ein öffentliches Haus, oder? Dann dürfen da alle rein – auch die Ukrainer!“
„Ich wurde vor zwei Jahren überfallen“, berichtet eine andere. Mandy Pfeifer reagiert in diesen Momenten mit einer Art Spagat: Sie versucht, auf die „Sorgen der Bürgerinnen“ einzugehen und das Gespräch zugleich auf materielle Faktoren zu lenken: „Sicherheit ist ja vielschichtig“. Um diese zu erhöhen, nützten pauschale Aussagen über Abschiebung nichts. Am Tisch bricht zustimmendes Schnattern und Schnauben über Kanzler Merz aus.
Fragt man die Kandidatin, warum Rassismusbetroffene sie wählen sollen und was sie der rechten Gewalt entgegensetzen will, antwortet Pfeifer, wichtig seien „klare Haltung“ und „gute Bildung“. Hält Bildung gewaltbereite Neonazis vom Schlagen ab? Natürlich brauche es auch Polizei, betont sie. Auf den Einwand, dass die Polizei selbst ein Rassismusproblem hat, reagiert die Kandidatin mit einer Gegenfrage: Was denn aus Sicht der Reporterin zu tun sei.
Bildung, Begegnung und Beleuchtung
Um das Sicherheitsgefühl der Seniorinnen zu erhöhen, regt Pfeifer beim Kaffeeklatsch unter anderem „mehr Begegnung“ an. Sie erwähnt ein Gartenprojekt, dessen Schirmherrin sie sei und in dem Dutzende Nationen zusammenkämen. „Auch Begegnung sorgt dafür, dass man sich sicher fühlt“. Außerdem brauche die Siedlung dringend mehr Straßenlaternen. „Auch Beleuchtung erhöht die Sicherheit“, betont sie.
Einige Seniorinnen nicken. Nicht alle scheinen überzeugt. „Ich sehe nachts immer das Arbeitsamt hell leuchten, für wen machen die das denn?“, fragt eine. „Das blendet mich“, beschwert sie sich. „Das Amt wird beleuchtet, aber für Straßenlaternen ist kein Geld da?“, das verstehe sie nicht. Nicht vor den Damen, aber später beim Fototermin mit der taz, nennt die Kandidatin als Grund die klammen Kassen. Warum also will Pfeifer OB einer Stadt werden, die noch dazu pleite ist? „Weil ich Verwaltung kann“, sagt sie nach dem Termin in der Frühlingssonne.
Ob sie damit die Herzen der Schweriner erobern kann? Der Mitarbeiter des Dönerladens am Bahnhof sagt: „Die Frau kenne ich nicht.“ Ein SPD-Mitglied weist darauf hin, dass es zu Pfeifer kaum Alternativen gäbe, der SPD fehle in der Gegend der Nachwuchs. Eine Rentnerin in der Straßenbahn sagt der taz: „Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben CDU wählen“. Denn die Finanzlage der Stadt bereite ihr Sorgen. Den Konservativen spricht sie mehr Wirtschaftskompetenz zu.
Die Finanzen einer Stadt kann eine Bürgermeisterin allein nicht ändern. Verantwortlich dafür sind auch Bundes- und Landesregierung, an beiden ist die SPD beteiligt. Viele, auch Sozialdemokrtaten, besonders linke, stört das Spardiktat – trotz aufgeweichter Schuldenbremse und Sondervermögen –, doch sie schaffen es weder, ihre Partei auf einen anderen Kurs zu bringen, noch auszutreten. Wenn deren Sinkflug bis zur Landtagswahl im September anhält, ist der Einzug selbst für Direktkandidierende wie Pfeifer alles andere als sicher. Nach aktuellen Vorhersagen würden SPD und Linke zusammen weniger Stimmen bekommen als die AfD.
Ist das Parteilogo auf Pfeifers Plakaten für die OB-Wahl deshalb so klein? „Eine OB-Wahl ist eine Personenwahl“, antwortet sie schmallippig. Gründe, warum ihre Partei so schlecht dasteht, erwähnt sie an diesem Nachmittag ebenso wenig, wie ihre eigene Meinung über das gerade von der SPD abgeschaffte Bürgergeld, worunter die Menschen – vor allem hier in der Platte – leiden. Dazu erklärt sie der Reporterin bloß, dies seien bundespolitische Themen.
Die Damen vom Dreesch beteuern beim Abschied dennoch: „Wir wählen dich, Mandy.“ Die Seniorinnen sind sich längst nicht bei allem einig, doch sie verbindet die Hoffnung, dass die SPDlerin etwas für ihr Viertel tut. Und während sie ihre Rollatoren satteln, fragt eine – zur Sicherheit – noch einmal nach: „Unterstützt Du uns auch wirklich nach der Wahl weiter?“
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