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Ebola-Ausbruch in der DR Kongo„Eine würdige und sichere Beerdigung ist wichtig“

Hans-Jörg Lang ist als Arzt im kongolesischen Ebolagebiet im Einsatz. Er versorgt infizierte Schwangere und Kinder. Ein täglicher Kampf ums Überleben.

Simone Schlindwein

Interview von

Simone Schlindwein

taz: Herr Lang, Sie arbeiten als Kinderarzt im kongolesischen Ebolagebiet. Inwiefern sind Kinder denn besonders vom Virus betroffen?

Hans-Jörg Lang: Ungefähr 20 bis 30 Prozent der Infizierten sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Vor allem Kleinkinder stecken sich meist über den Kontakt mit der Mutter an. Das Problem ist, dass ihre Symptome zu Beginn sehr unspezifisch sind. Erwachsene und Schulkinder haben Fieber, Muskelschmerzen, Kopfweh. Aber bei Kleinkindern äußert sich die Ebolainfektion unspezifisch: Sie fühlen sich unwohl, essen und trinken nicht richtig. Für Eltern ist es schwierig, zu unterscheiden, ob das jetzt Ebola oder doch Malaria ist. Da gibt es dann viele Verzögerungen. Je später die Patienten zur Behandlung kommen, desto eher erleiden sie multiples Organversagen, und das Sterberisiko ist deutlich höher.

Im Interview: Hans-Jörg Lang

ist ein deutscher Kinderarzt, der für die Alliance for International Medical Action arbeitet, derzeit in der Demokratischen Republik Kongo. Am Heidelberg Institute of Global Health leitet Lang den Bereich Kinder­gesundheit.

taz: Was passiert, wenn eine Mutter mit einem kranken Kind bei Ihnen ankommt und Hilfe sucht?

Lang: Den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge müssen wir eigentlich Mutter und Kind trennen und separat auf das Virus testen. In der Praxis ist das oft schwierig, weil wir gar nicht die Kapazität haben, das Kind Tag und Nacht zu betreuen. Vor allem am Anfang mussten wir improvisieren. Aber wir verbessern derzeit die Einrichtungen, indem wir transparente Plexiglaszelte haben, durch welche ich als Arzt – ohne in den Schutzanzug zu steigen – die Pa­ti­en­t*in­nen sehen und schneller reagieren kann, wenn sich ihre Lage verschlechtert. Damit kann man auch die Behandlung kindgerecht gestalten. Wenn die Kinder mich in diesem Schutzanzug sehen, dann haben sie oft zunächst sehr viel Angst. Aber ich bin unglaublich davon beeindruckt, dass diese Angst nach einer Zeit wegfällt. Die Kinder kommen, wenn sie wieder munter sind, auf einen zu und wollen in den Arm genommen werden. Das ist sehr berührend.

taz: Was passiert mit Kindern, die von ihren Eltern getrennt werden müssen? Oder deren Eltern schon gestorben sind?

Lang: Wir haben einige Kinder, die einen unkomplizierten Verlauf haben und in einem Zimmer gemeinsam untergebracht waren, als wir nicht viel Platz hatten. Im Zimmer war auch eine Mutter mit einem Kleinkind, und sie hat sich um sechs andere Kinder gekümmert. Nach einer Zeit waren die eigentlich ganz gut drauf. Die Kinder haben sich immer auf unseren Besuch gefreut, trotz der Schutzanzüge. Wir hoffen, dass wir in Zukunft mehr kindgerechte Einrichtungen aufbauen können. Unser Wunsch ist ein Kindergarten für Kinder, deren Angehörige bei uns behandelt werden, die aber selbst keine Symptome haben; aber auch für die Kinder, deren Eltern leider gestorben sind, oder für Kinder, die geheilt sind, aber sich noch erholen. Wie beim Ausbruch im Kongo von 2018 bis 2020 werden Überlebende, die geheilt sind, angeheuert, um sich um diese Kinder zu kümmern.

taz: Gegen diese Variante von Ebola gibt es keinen Impfstoff und keine zugelassenen Medikamente. Wie können Sie den Kindern überhaupt helfen?

Lang: In der Behandlung der Symptome hat sich seit dem Ausbruch in Westafrika von 2011 bis 2014 sehr viel getan. Bei Atemproblemen können wir Sauerstoff geben. Der Flüssigkeitsausgleich ist essenziell, wenn Kinder sich erbrechen oder Durchfall haben. Wir geben auch Bluttransfusionen. Hinzu kommt, dass wir ja in einem Malariagebiet sind, sprich: Oft haben die Kinder noch Malaria oder andere Infektionen, die wir mitbehandeln. Wenn wir das optimal machen und wenn Patienten früh zu uns kommen, dann haben viele Kinder eben doch eine Überlebenschance.

taz: Was sind für Sie die größten Herausforderungen?

Lang: Schwangere Frauen haben ein relativ hohes Risiko, schwer zu erkranken, fast ein Drittel überlebt es nicht. Das Risiko einer Fehlgeburt ist enorm, ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby infiziert ist, wenn es lebend auf die Welt kommt. Oftmals sind das Frühgeburten. In den letzten Wochen haben in unseren Behandlungszentren aber einige Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht auf die Welt gebracht und auch die Mütter haben durch eine gute Behandlung überlebt – ein schönes Erlebnis für unser Team und ein Lichtblick.

taz: Dieser Einsatz fordert viel von Ihnen und Ihren Kol­le­g*in­nen …

Lang: Ich bin in der Millionenstadt Bunia in einem Hotel untergebracht. Meine Organisation Alima unterhält hier in einem der Krankenhäuser ein Ebolazentrum mit 60 Patient*innen, von denen die Hälfte positiv ist. Wenn ich da morgens ankomme, müssen wir als Team zunächst erst einmal viel organisieren: Gibt es genügend Schutzkleidung, Medikamente, gibt es Strom, um Sauerstoffgeräte einzusetzen? Und so weiter. Die Hauptarbeit wird von kongolesischen Kollegen durchgeführt. Ich bin als Arzt oft nur der Supervisor und Trainer. Ich schlüpfe dann in diesen Schutzanzug, um die Patienten zu begutachten, vor allem die schweren Fälle. Eigentlich sollte man sich darin nur eine Stunde aufhalten, aber oft werden es zwei oder drei. Seitdem wir die transparenten Zelte haben, kann ich aber die Patienten viel besser kontinuierlich im Blick behalten und bei Komplikationen reagieren. Das alles erhöht die Überlebenschancen.

wochentaz

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taz: Sie arbeiten in einem Kriegsgebiet. Wie macht sich das in Ihrem Alltag bemerkbar?

Lang: In den letzten Wochen war ich viel unterwegs, weil Alima auch in abgelegenen Orten wie nun in Nizi Zentren aufbaut, 30 Kilometer entfernt. Es gibt sehr viele Checkpoints des Militärs. Ich hatte bislang kein großes Unsicherheitsgefühl, und es ist uns glücklicherweise bislang nichts passiert.

taz: Wie reagiert die Bevölkerung, wenn Sie in einem Dorf ankommen?

Lang: Die Bevölkerung ist teilweise skeptisch. Aber wenn wir dann vor Ort mit den Familien in Kontakt kommen, dann ist der Empfang eigentlich sehr freundlich. Viele Familien übernachten in der Umgebung eines Behandlungszentrums, wenn sie Angehörige und vor allem Kinder bei uns haben. Sobald wir die transparenten Zelte aufgestellt haben, können die Familien die Kinder sehen und auch mit ihnen sprechen. Das verbessert den Zustand der Kinder ungemein. Wir wollen in Zukunft auch Zelte für die Familien aufbauen, damit sie in der Nähe untergebracht werden können.

taz: Was passiert, wenn Pa­ti­en­t*in­nen sterben?

Lang: Eine würdige und sichere Beerdigung ist ganz wichtig. Dafür haben wir Verfahren und Teams. Der Körper wird gewaschen und desinfiziert und dann aufgebahrt, damit die Familien sich durch das Plexiglas verabschieden können. Denn danach kommt er in einen Sack und wird verschnürt in einen Sarg gelegt. Die Teams gehen dann mit dem Sarg mit den Familien nach Hause, um die Bestattung nach ihren Ritualen, aber sicher durchzuführen.

taz: Wie lange werden Sie noch im Kongo bleiben?

Lang: Ich reise Ende Juli ab, wobei die Quarantänebestimmungen noch nicht ganz klar sind. Es ist Zeit für mich. Ich habe sechs Wochen durchgearbeitet und bin müde. Aber ich werde wiederkommen, denn die Prognosen sagen, dass der Ausbruch bis 2027 anhalten wird. Selbst wenn alles vorbei ist, müssen wir im Kongo das Gesundheitssystem unterstützen, um zukünftige Ausbrüche zu vermeiden.

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