Dominik Krause gewinnt Münchner OB-Wahl : Grüne können gewinnen, ohne nach rechts zu rücken
Auch linke Grüne können also Wahlen gewinnen. Dominik Krause hat es ähnlich gemacht wie Cem Özdemir – aber ohne rechte Narrative zu bedienen.
Foto: Sven Hoppe/dpa
W as sie anstellen müssen, um wieder Wahlen zu gewinnen, ist für die Grünen eine knifflige Frage. Binnen zwei Wochen errangen sie jetzt zwar zwei wichtige Siege, erstmals seit Jahren. Aber auf den ersten Blick macht das die Suche nach dem Erfolgsrezept auch nicht leichter. Inhaltlich haben Cem Özdemir, bald Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Dominik Krause, bald Oberbürgermeister von München, schließlich wenig gemeinsam.
Das zeigt sich schon daran, wie die Grüne Jugend den jeweiligen Wahlabend beging: In Stuttgart wollte sie aus Frust über Özdemirs Ultra-Realo-Kurs dessen rechtsdrehenden Wahlhelfer Boris Palmer von der Wahlparty schmeißen. In München umringte sie den Wahlsieger – gekleidet in T-Shirts mit dessen Konterfei. Krauses linke Versprechen, eine Mietwucherstelle im OB-Büro zum Beispiel, kamen beim Parteinachwuchs gut an.
Auf den zweiten Blick gibt es zwar eine Gemeinsamkeit: Beide grünen Männer konnten ihre Wahlen nur durch gravierende Fehler ihrer Gegenkandidaten gewinnen. Aber auf der Suche nach der Erfolgsformel hilft den Grünen das ebenfalls nicht weiter, denn auf die Performance der Konkurrenz haben sie nur begrenzt Einfluss.
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Doch auch die schönste Vorlage lässt sich nur verwandeln, wenn man selbst etwas richtig macht. Und auf den dritten Blick offenbart sich hier schließlich eine weitere Parallele. Aus ihr könnte die Partei tatsächlich lernen.
Beide Kandidaten sprachen auf ihre Art Wählergruppen außerhalb grüner Kernmilieus an. Bei Özdemir ist das hinlänglich beschrieben. Krause hat jetzt gezeigt, dass es auch aus dem linken Parteiflügel heraus funktionieren kann. Durch die Ansprache statt durch inhaltliche Verschiebungen nach rechts.
Man kann das an Krauses Instagram-Account festmachen. Mit einer Mischung aus lässig und seriös trat er dort auf, als eine Art München-Mamdani, und wie der New Yorker gab er sich offen und wertschätzend für viele. In einem der letzten Videos vor der Wahl verteilte er Brezen am Taxistand. Die Taxler, keine urgrüne Berufsgruppe, dankten es. Eine Inszenierung, klar, aber eben eine gute.
In einem anderen Video pries Krause charismatisch einen neuen Radstreifen – zu Fuß. Er sei mit allen Verkehrsmitteln unterwegs, sagte er dazu, und von sicheren Wegen hätte jeder was. Falls er im Amt mit der Verkehrswende ernst macht, lassen sich zwar nicht mehr alle Konflikte in Harmonie ertränken. Für den Wahlkampf hat es aber funktioniert.
Besser als in Rheinland-Pfalz, wo die Grünen auf Social Media vor allem sich selbst zeigten. Zum Beispiel dabei, wie sie zusammen im Kreis radeln. Das gefiel der taz und wahrscheinlich auch einigen Leser*innen. Bei der Landtagswahl brachte es am Sonntag aber nicht mal 8 Prozent.
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