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Deutsche Bahn und NS-WiderstandWer war Fritz Kittel?

Die Deutsche Bahn löst eine Ausstellung zu Widerstand im Nationalsozialismus auf. Dabei wäre es möglich gewesen, die Schau privat weiterzuführen.

Die Deutsche Bahn AG will eine Wanderausstellung über den Retter zweier Jüdinnen im Nationalsozialismus auflösen. Die Künstlerin, die an der Konzeption der Schau beteiligt war, protestiert gegen diese Entscheidung. Es gebe eine ganze Reihe von Institutionen, die an einer Präsentation der Schau „Wer war Fritz Kittel?“ interessiert seien, sagte Esther Dischereit der taz. Darunter befänden sich so renommierte wie das Leo Baeck Institut in New York oder das Goethe-Institut in Boston. Dirscheit ist die Tochter und Schwester der beiden damals geretteten Jüdinnen.

Die Schau über Fritz Kittel war erstmals vor zwei Jahren im Berliner Technikmuseum präsentiert worden und ist seitdem an fünf weiteren Orten gezeigt worden, darunter dem Jüdischen Museum in Frankfurt am Main und dem DB-Museum in Nürnberg. Susanne Kill, die die historische Sammlung der DB betreut und für Konzerngeschichte zuständig ist, begründete die Auflösung der derzeit eingelagerten Ausstellung mit finanziellen Problemen. Es stünden „keine finanziellen Mittel mehr“ zur Verfügung, sagte sie der taz. Sie habe kein Bugdet mehr und keine Personal zum Erhalt.

Die Ausstellung thematisiert die Rettung zweier Jüdinnen durch einen Arbeiter der Deutschen Reichsbahn. Hella und Hannelore Zacharias lebten seit 1942 auf der Flucht vor den Nazis untergetaucht in Berlin und kamen 1944 nach Sorau in der Niederlausitz, wo Kittel als Ladeschaffner arbeitete. Er besorgten den Verfolgten nicht nur falsche Papiere und versteckte sie. Als sich die Rote Armee näherte, nahm er beide mit ins hessische Heringen und gab sie als Ehefrau und Tochter aus. Dort wurden die Jüdinnen durch die Alliierten befreit.

Die mutige Tat Kittels ist ein Lehrstück über individuellen Widerstand im Nationalsozialismus und die Hilfe für verfolgte Juden. Kittel gehörte offenbar keiner Widerstandsgruppe an. Seine Hilfe geschah offenbar aus purer Menschlichkeit. Viele der wenigen Jüdinnen und Juden, die dank der Hilfe von Deutschen überlebten, profitierten von solchen Helfern.

Esther Dischereit ist enttäuscht

Zur Eröffnung der Schau in Berlin vor zwei Jahren war auch DB-Chef Richard Lutz erschienen. Damals erklärter er: „Für uns als Deutsche Bahn ist es ein zentrales Anliegen – auch aufgrund unserer Geschichte – das Gedenken an die Opfer wach zu halten und uns für eine Gesellschaft und eine Zukunft ohne Hass und Extremismus einzusetzen!“

Die Schau war von der Schriftstellerin Esther Dischereit und der Historikerin Susanne Kill vom DB-Konzern gemeinsam konzipiert worden. „Es ist auch ein bisschen mein Baby. Ich bin auch traurig“, sagte Kill jetzt angesichts des geplanten Endes der Schau. Ihr Versuch, zwei Schränke, die den Kern der Ausstellung darstellen, leihweise Dirscheit zu überlassen, habe leider nicht realisiert werden können; die Möbelstücke gingen jetzt an das DB-Museum in Nürnberg.

Esther Dischereit wäre bereit gewesen, den Kern der Schau privat zu erhalten. Sie sei enttäuscht, dass dies nicht möglich gemacht werde, sagte sie.

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