Deutsch als Zweitsprache: Kein Grund zur Panik

Laut Bundesfamilienminsterium spricht jedes fünfte Kita-Kind zu Hause kein Deutsch. Doch darauf kommt es gar nicht an, sondern auf die Förderung.

Erhobene Kinderhände

Damit sie in der Schule besser mithalten können, fordert die FDP Sprachförderung schon in der Kita Foto: Jens Büttner/ap

Die Deutschen und Fremdsprachen, das ist schon immer heikel gewesen. Der grüne Außenminister und frühere Taxifahrer Joschka Fischer erwarb im Crashkurs die erforderlichen Englischkenntnisse. Gerhard Schröder konnte Bundeskanzler werden ohne verhandlungssicheres Englisch. Er konnte seine Sprachkenntnisse im Laufe seiner Amtsperioden erfreulich aufbessern. Also: Sprachen kann man lernen.

Daher ist Vorsicht angebracht, wenn jetzt wieder gemahnt und gewarnt wird angesichts von Zahlen des Bundesfamilienministeriums. Danach spricht jedes fünfte Kita-Kind zu Hause kaum deutsch. In Städten wie Bremen und Berlin ist es sogar jedes dritte Kita-Kind, in dessen Familie zu Hause nicht deutsch gesprochen wird, sondern vielleicht arabisch, türkisch, polnisch oder auch englisch.

Anstatt aber jetzt festzustellen, dass es Hunderttausende von Kindern gibt, die von Hause aus eine bemerkenswerte Leistung erbringen, nämlich die Integration der Familiensprache einerseits mit der deutschen Sprache in Kita, Schule und im sonstigen Leben andererseits, anstatt also diese Integrationsleistung zu würdigen, wird Alarm geschlagen. Diese Kinder haben später schlechtere Chancen, heißt es.

Dann müssten die östlichen Bundesländer die High Potentials von morgen hervorbringen, dort wird in fast 90 Prozent der Haushalte deutsch gesprochen. Vielsprachigkeit ist ein Zeichen der Globalisierung, und es kommt auf die Sprachförderung in Kitas und Schulen und auf die soziale Durchmischung an, damit Kinder genug Deutsch üben, in Wort und Schrift, um später damit in einer beruflichen Ausbildung, im Studium und im Geschäftsleben zu bestehen.

Es ist richtig, wenn die FDP darauf besteht, die Sprachförderung in Kitas auszuweiten. Parallel dazu sollte man aber den Katastrophendiskurs überdenken, wenn es um die Zweisprachigkeit von Kindern geht. Oder steht dahinter eine soziokulturelle Abwertung bestimmter Herkunftssprachen? Der Verdacht kommt auf.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Redakteurin für Sozialpolitik und Gesellschaft im Inlandsressort der taz. Schwerpunkte: Arbeit, soziale Sicherung, Psychologie, Alter. Bücher: "Schattwald", Roman (Piper, August 2016). "Können Falten Freunde sein?" (Goldmann 2015, Taschenbuch).

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben