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Der Tanzbrunnen in FreiburgUnd am Abend noch ein Tänzchen

Mit dem Tanzbrunnen wurde in Freiburg ein öffentlicher Raum besetzt. Es ist ein Ort, um andere Menschen zu treffen oder einfach seine Runde zu drehen.

Aus Freiburg

Johanna Weinz

Wer nicht gerade auf sie achtet, könnte die alte Brunnenanlage glatt übersehen. Nur der Boden des großen Zementbeckens strahlt in kräftigem Blau. Doch Wasser ist hier keines mehr drin, das einstige Brunnendasein lässt sich nur noch erahnen. Zum Verweilen lädt das flache Relikt trotzdem ein. Gerade haben es sich an seinem Rand zwei Freundinnen bequem gemacht. Da sitzen sie nun und essen ihr Eis.

Hier, mitten in der Freiburger Innenstadt und nur wenige Meter von der Universitätsbibliothek entfernt, findet man umrahmt von etwas Wiese den Tanzbrunnen. Seit einigen Jahren wird er in Freiburg so genannt, und später am Abend versteht man warum. Jetzt drehen sich im Inneren des Beckens etwa 20 Paare ganz unterschiedlichen Alters zu einer Musik, die aus einer kleinen Box vom Brunnenrand kommt. Ganz ohne sich zu stoßen, finden sie dort Platz.

Fröhlich drehen im West Coast Swing

Da ist ein Vater, der sich selbst mit Kind auf dem Arm ganz gekonnt bewegt, und gleich daneben üben sich zwei junge Frauen in kompliziert aussehenden Drehfiguren. „West Coast Swing“, weiß eine Frau, die vom Rand aus auf die Szenerie schaut. Ob sie selbst auch tanzen wolle? Sie verneint, sie schaue gerne zu, zum Tanzen sei sie „viel zu schlecht“, sagt sie. Und dass das ältere Paar dort, das sich sehr langsam und doch im Rhythmus durch den Brunnen bewegt, „Fusion“ tanze, eine Variation verschiedener Styles also.

Die Besonderheit

Eine Open-Air-Tanzfläche mitten in der Stadt, kostenfrei zugänglich für alle, die abends das Tanzbein schwingen wollen.

Das Zielpublikum

Alle, die sowieso schon tanzen können oder die es dort erst mit freundlicher Unterstützung der Mittanzenden lernen wollen.

Hindernisse auf dem Weg

Manchmal ist abends der Ansturm so groß, dass man im Brunnen aufpassen muss, nicht aneinanderzustoßen beim Tanzen. Die meisten hier sind auch keine An­fän­ge­r:in­nen mehr. Außerdem werden an bestimmten Tagen nur bestimmte Stile getanzt. Wen das alles nicht abgeschreckt, muss damit rechnen, vom Brunnenrand beobachtet zu werden. Am Wochenende versammeln sich hier nicht wenige, um einfach zu schauen. Und manchmal auch, um die Tanzenden zu fotografieren und zu filmen.

Gebaut wurde diese nun doch festlich dreinschauende Brunnenanlage im 19. Jahrhundert. Damals besaß sie auch einen künstlichen Wasserfall und eine Figurengruppe, was im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Bis 2008 sei der Brunnen noch in Betrieb gewesen, teilt die Stadt auf taz-Anfrage mit. Erst danach begannen die Einheimischen, ihn als Tanzfläche zu nutzen. Ab wann genau das gewesen ist, das wisse die Stadt nicht. Ein Mann im Anzug, auch am Rande des Geschehens, sagt, dass er „anarchistisch gekapert“ worden sei. „Cool“ fände er, „dass alles so professionell“ sei, schließlich werde der Brunnen „selbst organisiert“.

Etwa 20 Ehrenamtliche kümmern sich um das Tanzen hier. An welchem Tag welcher Paartanzstil getanzt wird, ist fix, und am heutigen Abend stehen gleich drei Stile auf dem Programm. Dass es auch für diese einen bestimmten Tag gebe, dafür habe man – so ist es an dem Abend immer wieder zu hören – lange gekämpft. Während die Abende für die unterschiedlichsten Paartänze reserviert sind, beanspruchen tagsüber auch Hip-Hop-Gruppen den Platz.

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Getanzt wird im Brunnen zwischen März und Oktober und Informationen dazu gibt es bei einer öffentlichen Telegram-Gruppe. Manchmal werden früher am Abend Einsteigerworkshops auf Spendenbasis angeboten. Später ist dann alles kostenlos.

Manche der Tanzenden grüßen sich und immer wieder fragen sie auch die, die vom Beckenrand aus zuschauen, ob sie nicht Lust hätten zu tanzen. Wer sich hier mit seinem fehlenden Tanz-Know-how entschuldigt, darf gleich mit „Ich kann dir noch mal den Tanzschritt zeigen“ als Antwort rechnen. Ein Nein wird dann aber akzeptiert.

Sie sei an diesem Abend alleine gekommen, um tanzen zu lernen, sagt eine junge Frau. Und auch, weil sie neu in der Stadt sei. Den Tanzbrunnen kannte sie bisher nur vom Vorbeifahren: „Ich finde es toll, dass man hier einfach vorbeikommen kann, ohne sich vorher zu verabreden.“

Eine Tanzdemo als Protestaktion

Vor ein paar Jahren gab es Pläne von der Stadt, den Brunnen abzureißen und dort ein Fahrradparkhaus zu errichten. Dagegen protestierten die Frei­bur­ge­r:in­nen mit einer Tanzdemo. Die Stadt verwarf das Vorhaben – auch weil der Alleegarten, zu dem der Brunnen gehört, ein Kulturdenkmal ist. Die Grünanlage ist auf einer barocken Bastion errichtet worden, einer ehemaligen Befestigungsanlage.

Zeiten ändern sich, das zeigt der Boden des Beckens. Lange war er nur Zement und inzwischen ist er mit einer speziellen Schicht überzogen – einem Tanzboden. Die Gelder dafür sammelte die Szene über Spenden und auch Fördermittel.

An diesem Abend wird hier noch lange getanzt. Selbst als sich irgendwann die Person mit der Musikbox auf den Weg macht, findet sich schnell eine neue.

Dabei ist es gut für die Tanzenden, dass der Brunnen nicht in den Bereich des nächtlichen „Lautsprecherboxenverbots für Parks“ fällt, wie es die Stadt andernorts verhängt hat, damit es zu keinen „nächtlichen Ruhestörungen“ kommt. Aber auch im Tanzbrunnen, so die Stadt, seien „die geltenden Lärmwerte einzuhalten“. Zumindest in dieser Nacht ist das wohl so. Ganz leise ist jetzt die Musik. Zu hören ist sie nur von denen, die noch im Brunnen stehen oder sich dort bewegen.

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