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Demo gegen EnergiepolitikFridays for Future rechnet mit Reiche ab

Hunderte Demonstrierende setzten in Berlin ein Zeichen gegen die deutsche Energiepolitik. Im Zentrum der Kritik: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.

Aus Berlin

Evke Bakker

Die Klimabewegung hat eine Rechnung offen mit der deutschen Energiepolitik. Das machten hunderte Demonstrierende am Freitagnachmittag auf über 60 friedlichen Fridays-for-Future(FFF)-Protestaktionen in ganz Deutschland deutlich.

Nach Angaben der Veranstaltenden beteiligten sich circa 900 Menschen an dem Demozug von dem Konrad-Adenauer-Haus beim Tiergarten Richtung SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus in Kreuzberg. Laut Polizei versammelten sich vor der CDU-Zentrale zunächst 350 Menschen. Die Bundespolizei war nach eigenen Angaben mit 150 Einsatzkräften vor Ort. Bereits am vergangenen Samstag hatten mehr als 80.000 Menschen an Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München teilgenommen.

Im Fokus der heutigen Demo stand Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Klimabewegung wirft der ehemaligen Managerin der Eon-Tochter Westenergie Klüngelei mit der Gaslobby vor. Ihre Energiepolitik würde Deutschland teuer zu stehen kommen, so eine FFF-Rednerin.

Um das zu veranschaulichen, wurde vor dem Konrad-Adenauer-Haus eine überdimensionale „Abrechnung von Reiches Energiepolitik“ ausgebreitet. Auf einem 14 Meter langen Banner waren Entscheidungen der Politikerin abgebildet, welche die Klimabewegung jeweils mit Beträgen in Milliardenhöhe quittiert. Zum Beispiel den Import fossil erzeugter Energien und Subventionen für Gas. Unterm Strich koste Reiches Politik „unsere Zukunft“.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer nannte die Ministerin „Deutschlands unbeliebteste Gaslobbyistin“ und verglich ihre Politik in einem Redebeitrag mit einer „dreifachen Rolle rückwärts zurück in die 80er Jahre“. Die fossilen Abhängigkeiten, an denen die Ministerin festhielte, seien unbezahlbar. „Wenn Reiche keine CDU-Ministerin wäre, würde die CDU gerade ihren Rücktritt fordern“, so Neubauer.

„Die Abgeordneten von SPD und Union müssen jetzt beweisen, dass sie nicht genauso wie Katherina Reiche mit der Gaslobby verbandelt sind und sich ihrem Gasrausch entgegenstellen“, sagte Carla Reemtsma von FFF.

Nach mehreren Redebeiträgen und einem musikalischen Auftritt zog die Demo Richtung SPD-Zentrale. Dort soll die große Rechnung laut FFF noch einmal ausgerollt werden. „Die SPD sollte die Rolle haben, soziale Gerechtigkeit voranzutreiben“, sagte eine Sprecherin der Klimabewegung. „Doch sie kommt ihrer Verantwortung nicht nach.“

Ein Hoffnungsschimmer während Deutschlands energiepolitischer Kehrtwende sei die erste internationale Konferenz im kolumbianischen Santa Marta, die heute startet. Dort treffen sich in den nächsten Tagen Vertreterinnen aus mehr als 50 Staaten, um sich gemeinsam für einen schnellen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einzusetzen.

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