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DFB-Team vor Spiel gegen ParaguayDieses Mal ohne Ausreden

Defensive Teams wie der kommende Gegner Paraguay bereiten der DFB-Elf wohlbekannt Probleme. Vorne ist sie zu berechenbar, hinten zu verwundbar.

Es sollte eigentlich eine ruhigere WM werden für die Deutschen. Keine politischen Äußerungen mehr, keine Debatten um Mund-zu-Gesten oder Erdoğan-Fotos. Mit reinem Fokus auf Sport würde es besser laufen als 2018 und 2022, so in etwa wirkte die Losung des DFB. Doch vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay ist es schon wieder verdächtig unruhig ums deutsche Team.

Auf den souveränen Sieg gegen den Zwergstaat Curaçao folgte ein überaus glücklicher 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste, vor allem dank der eingewechselten Deniz Undav und Nadiem Amiri. Die Partie nahm bereits einige Schwächen vorweg, die dann bei der 1:2-Niederlage gegen Ecuador blank lagen. Zudem fehlt ein positives Narrativ ums Team. Neben dem Platz ist Deutschland nur mit dem Jesus-Gerede von Felix Nmecha aufgefallen. Auch unpolitisch ist eben nicht unpolitisch.

Einer der meist zitierten Sätze von Julian Nagelsmann vor dem K.o-Spiel gegen Paraguay dürfte jener sein: „Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Bis Montag werden wir uns nichts auftrainieren können im Oberkörperbereich“. Man müsse „den Ball früher spielen, um dem Zweikampf aus dem Weg zu gehen“.

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Es ist ein erstaunlich offenes Eingeständnis der Defizite der Deutschen, die unter Gegnern längst gut bekannt sind. Dass Sportdirektor Rudi Völler am Samstag „die enorme Leidenschaft und den Kampfgeist“ der Mannschaft lobte, wirkte ein wenig bemüht bei einem Team, das oft das Gegenteil ausstrahlt: Unsicherheit und Ratlosigkeit. Sollte die WM früh enden, ist den Deutschen also die nächste Haltungsdiskussion sicher. Diesmal eine, die nichts mit Armbinden zu tun hat.

Betrachtet man das deutsche Team, mag sich manche Zuschauerin in einer Zeitschleife gefangen fühlen. Gegen favorisierte Gegner tritt die DFB-Elf seit Jahren oft stark auf, besonders, wenn diese offensiv spielen und hinten Räume lassen. Den WM-Titelkandidaten Frankreich etwa besiegten die Deutschen in den letzten Jahren in zwei von drei Partien; auch gegen Spanien sah man beim knappen Ausscheiden bei der Heim-EM gut aus. Schlecht sehen die DFB-Spieler dagegen regelmäßig gegen taktisch kluge Teams aus, die das Spiel eng machen und ihnen auf den Füßen stehen. Wie es Elfenbeinküste und Ecuador taten, wie es auch von Paraguay zu erwarten ist.

Zu ähnliche Spielertypen

Eine „Charakterfrage“ wollte Mats Hummels dabei ausgemacht haben. Ganz falsch ist das nicht. Seit Jahren fehlt es an Spielertypen, die bei drohender Niederlage körperlich und mental dagegenhalten können. „Wir müssen uns mehr wehren“, forderte Deniz Undav. Aber viel mehr noch dürfte die Verunsicherung mit grundlegenden spielerischen Problemen zu tun haben. Die deutsche Offensive ist mit sehr ähnlichen Spielertypen besetzt. Havertz, Musiala und Wirtz sind allesamt Akteure, die das feine Spiel lieben und im Zweifel am liebsten mit fünf flachen Kurzpässen durch die Mitte gehen.

Bei ausreichend Raum sieht das sehr attraktiv aus. Aber ist das Zentrum dicht, wird das deutsche Spiel oft zu einem ermüdenden Geschiebe, das absehbar beim vierten Dribbling hängenbleibt, weil keine Tiefe entsteht und alles zu kompliziert und vorhersehbar ist. Die Debatte über stromlinienförmige Ausbildung in Nachwuchsleistungszentren wird jedenfalls nicht abebben.

Die bisherigen WM-Gewinner hießen Nathaniel Brown und Deniz Undav, ganz folgerichtig, weil sie mehr Explosivität und Dynamik mitbringen und mit ihren Läufen dringend benötigte Tiefe erzeugen. Doch oft schienen auch die einfachen Pässe nicht zu funktionieren. Die größte Schwäche bleibt diese Verwundbarkeit hinten, insbesondere mit Kimmich auf rechts und Neuer, der hier womöglich an seiner eigenen Legende sägt. Und gewiss spielt auch das Trauma der vielen Misserfolge in den letzten Jahren eine Rolle. Denn man mag nicht mehr das Spielerpotenzial haben wie 2014, aber die Elf ist nominell deutlich besser besetzt, als sie oft kickt. Wie man daraus Stabilität formt, damit hat Nagelsmann offenbar weiter Schwierigkeiten.

„Ich bin völlig relaxt“, gab Sportdirektor Rudi Völler nun vor dem Paraguay-Spiel zu Protokoll. Paraguay machte in der Gruppenphase keinen guten Eindruck, doch dass das Team in der Quali Brasilien und Argentinien besiegte, dürfte Warnung genug sein. Auch für Nagelsmann, für den diese WM, vor der er vom Titel sprach, einiges an Fallhöhe hat. 2018 und 2022 hat sich die deutsche Öffentlichkeit selbst ein wenig über das Ausmaß der Probleme hinweg getäuscht, indem man die Schuld erst bei Mesut Özil und dann bei den Katar-Protesten ablud. Und vielleicht hat auch der DFB das zu gern geglaubt. Ironischerweise sorgt gerade das politische Schweigen dafür, dass die Augen kritischer auf der sportlichen Leistung liegen. Vielleicht lohnt dieser unverstellte Blick.

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2 Kommentare

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  • Briegel muss wieder her? Oder gar ein "wilder" Schweinsteiger?



    Wer beim heute leider üblichen und selten gepfiffenen Umarmen oder Trikotzupfen während des Spiels sich komplett aus dem Spiel nehmen lässt, davon sollte man nicht gleich alle 11 Spieler haben. Doch bei den eigenen Stärken möglichst bleiben, kurzfristig, und dem Gegner das Spiel aufdrücken, könnte auch eine Lösung sein.

  • Heute gilt hoffentlich nicht:



    "Hochmut kommt vor dem Ball"



    Guter kompakter Artikel zur Einstimmung und für viele Auftakt auch zur Vorfreude auf einen Leistungsschub der "DFB-Adler".