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Chinas angekündigte Friedensinitiative Mit Vorsicht zu genießen

Fabian Kretschmer

Kommentar von

Fabian Kretschmer

Bei Chinas Vorstoß für Frieden in der Ukraine ist Skepsis angebracht. Bis heute lehnt Peking es ab, Wladimir Putin als Aggressor zu bezeichnen.

W enn Wang Yis Friedensinitiative von europäischen Staatschefs als Hoffnungsschimmer aufgenommen wird, dann ist dies eine nur allzu verständlich Reaktion: Natürlich müssen in diesem tragischen Krieg sämtliche Möglichkeiten ausgelotet werden, die einen baldigen Frieden herbeiführen könnten. Und wenn es einen Staat gibt, der Einfluss auf Russland haben könnte, dann ist dies allen voran der übermächtige Handelspartner China.

Rational betrachtet ist Pekings Vorstoß indes kaum mehr als der Versuch, als sich nach einem katastrophalen Imageverlust auf internationaler Bühne als verantwortliche Staatsmacht zu präsentieren. Denn auch nach knapp einem Jahr militärischer Auseinandersetzungen weigert sich die Regierung in Peking unverändert, Wladimir Putin überhaupt als Aggressor zu benennen. Mehr noch: Der Krieg wird in den chinesischen Staatsmedien meist nicht einmal als solcher bezeichnet.

Dass Peking zudem von der derzeitigen Situation profitiert, ist offensichtlich. Russland ist zunehmend abhängig von der chinesischen Wirtschaft. Und Peking erhält von Moskau preiswert Öl, moderne Kampfflugzeuge und politische Rückendeckung beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Beide Staaten eint zudem der Wille, die westliche Dominanz – angeführt von den USA – zu durchbrechen.

Doch die chinesische Staatsführung ist sich gleichzeitig sehr wohl darüber im Klaren, dass sie gewisse rote Linien nicht überschreiten darf. Waffenlieferungen nach Russland wären ein solches Tabu. Einen offenen Bruch mit dem Westen, und insbesondere mit Europa, kann sich China nicht erlauben. Die Europäische Union ist weiterhin Chinas wichtigster Handelspartner, zudem ist man abhängig von Halb­leitern aus Südkorea und Taiwan.

China hat sich zwar langfristig auf die Seite der Russen geschlagen, doch es möchte gleichzeitig nicht zum Ziel westlicher Sanktionen werden. Gute Voraussetzungen für eine neutrale Vermittlerrolle sind das nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fabian Kretschmer

Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea

Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.
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3 Kommentare

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  • Herry Kane

    "Bis heute lehnt Peking es ab, Wladimir Putin als Aggressor zu bezeichnen."



    Kein Zweifel, das ist er.



    Unter Diplomaten und gerade bei der Anbahnung von Friedensverhandlungen wäre es aber ziemlich dämlich, ihn als Agressor zu bezeichnen.



    Vielleicht will man ja gar nicht, dass die Chinesen sich einmischen.

  • Suryo

    Warum sollte man einem Verbündeten des Aggressors glauben? China muss erstmal vertrauensbildende Maßnahmen umsetzen. Eine echte Verurteilung des Angriffskrieges wäre zB ein Anfang.

  • Henni

    " ...gute Voraussetzungen für eine Vermittlerrolle sind das nicht"

    Ich finde, das sind gute Voraussetzungen für eine Vermittlerrolle. China sitzt zwischen den Stühlen.