piwik no script img

CBS streicht Late-Night-ShowEine „rein finanzielle Entscheidung“

Moderator Stephen Colbert ist ein Kritiker von Donald Trump. Jetzt streicht CBS seine Show. Der Sender braucht das Wohlwollen der Regierung.

dpa | Der US-Sender CBS zieht seiner Late-Night-Sendung mit dem für seinen bissigen Humor bekannten Satiriker Stephen Colbert den Stecker. „The Late Show with Stephen Colbert“ werde im Mai 2026 enden. Da Colbert unersetzlich sei, werde die Sendung dann komplett eingestellt.

Es sei eine „rein finanzielle Entscheidung“ angesichts der harten Konkurrenz im Late-Night-TV, hieß es von CBS. Sie hänge nicht mit Zuschauerzahlen, Inhalten oder Vorgängen im Unternehmen zusammen, versicherte der Sender. Dass CBS dies extra betonen muss, hat Gründe: Colbert zieht in seiner Sendung oft über Donald Trump her – und der CBS-Mutterkonzern Paramount geriet in den vergangenen Monaten ins Visier des US-Präsidenten.

Paramount unter Druck

Trump warf der CBS-Sendung „60 Minutes“ vor, im vergangenen Jahr ein langes Interview mit Kamala Harris, seiner Rivalin im Rennen ums Weiße Haus, so geschnitten zu haben, dass dies eine schwache Antwort kaschiert habe. „60 Minutes“ bestritt dies und veröffentlichte auch ein Transkript, um die Vorwürfe zu widerlegen. Trump zog vor Gericht – und obwohl US-Medienrechtsexperten das Unternehmen in einer starken Position sahen, stimmte Paramount einem 16 Millionen Dollar schweren Vergleich zu.

Paramount braucht die Zustimmung der US-Regierung für einen schon länger ausgehandelten Eigentümerwechsel. Colbert hatte den Vergleich mit Trump in seiner Sendung diese Woche als „eine große fette Schmiergeldzahlung“ bezeichnet.

Der Moderator übernahm die 1993 gestartete „Late Show“ vor einem Jahrzehnt von David Letterman.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Stephen geht zuerst. Dann folgen Jon Stewart, Seth Meyers und John Oliver. Und dann ist Sense. Mit der Combo aus deren Sendungen (nicht zu vergessen Trevor Noah) konnte ich mir in den letzten Jahren zumindest einreden, die USA sind noch nicht völlig verloren. Jetzt kommt der Gegenbeweis. Business Daddy is angry and cancels show. Das werden aber vermutlich sehr gute Shows werden, wenn Stephen die Samthandschuhe auszieht. Und ähnlich wie Jon wird er aus den Schatten heraus weiterkämpfen. Oder er zieht nach NZ und mach als Elf Karriere. Inklusive Grillen mit Jacinda. Ist auch gesünder für ihn. Wer abstürzende Länder vor dem Aufschlag verlässt, kommt nicht ins KZ.

  • Ein großer Sender knickt ein und setzt eine Show ab, die preisgekrönte Satire macht. Eine Menge Amerikaner, die ansonsten Medien nicht trauen bekommen ihre Politik-Nachrichten von den Late Night Talkern. Passiert auch mit Anstand zu den Midterm-Wahlen, damit ja nix passieren kann. HBO steht hoffentlich schon in den Startlöchern. Oder Netflix. Oder Disney. Da sind Quoten abzugreifen.

  • Tschüss zum "Land of the free speech" oder so ähnlich. Hatte nicht JD das im Frühjahr für D angemahnt?



    Die indirekte Verfolgung von allem was nicht auf Linie ist, ist auf dem besten Wege beispiellos zu werden. Da war der direkte Kommunistenhass in den 50ern nichts dagegen.