Bundesrat für „Nur Ja heißt Ja“: Hoffnung heißt unbequem bleiben
Die Länder fordern den Bund auf, das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Umgesetzt ist das zwar noch nicht, aber: Solche Erfolge zeigen, dass Protest wirkt.
Foto: Guido Schiefer/imago
A m Freitag hat der Bundesrat beschlossen: Nur Ja heißt Ja. Noch ist es kein Gesetz, die Bundesregierung ist am Zug. Aber zum ersten Mal seit Langem fühlt sich diese Debatte nach Bewegung an.
Es ist das Ergebnis feministischer Beharrlichkeit. Nichts davon kam von allein. Betroffene haben öffentlich über sexualisierte Gewalt gesprochen, wurden dafür beschimpft und infrage gestellt. Juristinnen haben ihre Stimmen erhoben und Gesetzeslücken aufgezeigt. Die Initiative „Nur Ja heißt Ja“, die Feminist Law Clinic und viele andere haben Petitionen gestartet, Demonstrationen organisiert und Druck aufgebaut. Immer wieder und über Jahre konstant, jeden Gegenwind aushaltend.
Das wird oft vergessen. Politische Veränderungen wirken im Rückblick oft selbstverständlich, aber tatsächlich stehen dahinter Menschen, die teilweise jahrelang gekämpft haben, ohne zu wissen, ob sie den Erfolg überhaupt noch erleben werden.
Auf die kleinen Siege blicken
Gerade in Zeiten, in denen viele das Gefühl haben, Protest bringe nichts mehr, in denen viele müde von den vielen Petitionen geworden sind, ist dieser Beschluss eine wichtige Erinnerung daran, dass sich eine Gesellschaft nicht über Nacht verändert. Systeme verändern sich, weil Menschen unbequem bleiben, widersprechen und sich organisieren. Weil sie nicht akzeptieren, dass Unrecht einfach so bestehen bleibt.
Natürlich ist der Beschluss des Bundesrates noch lange nicht das Ende des Kampfes. Die Bundesregierung ist jetzt gefragt. Und selbst ein gutes Sexualstrafrecht wird patriarchale Gewalt nicht verschwinden lassen. Dafür braucht es auch mehr Präventions- und Bildungsarbeit, Frauenhäuser, Beratung statt immer mehr Kürzungen, wie wir sie gerade erleben.
Aus Prinzip Hoffnung zu haben, bedeutet manchmal, auf die kleinen Siege zu schauen. Denn sie beweisen, dass Druck wirkt und dass Veränderung möglich ist. Dieser Teilerfolg macht Hoffnung, denn er zeigt, dass jeder Protest, jede Unterschrift auf einer Petition und jede Stimme Teil von etwas sein kann, das am Ende tatsächlich die Welt ein kleines Stück gerechter macht. Und diese Hoffnung brauchen wir gerade mehr denn je.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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