Brief an Botschafterin in Pakistan : Von Frauen zu Frau
Afghanische Frauen aus dem Aufnahmeprogramm haben sich an die Botschafterin in Pakistan gewendet. Ein Hilferuf, um dem Taliban-Regime zu entgehen.
S eit August ist Ina Lepel deutsche Botschafterin in Islamabad, Pakistan. Kein einfaches Amt, vor allem jetzt. Am Dienstag bekam sie Post aus Kabul, Afghanistan: Frauen aus den humanitären Aufnahmeprogrammen des Bundes, die Mitte August von Pakistan nach Kabul abgeschoben wurden, haben ihr einen Brief geschrieben. Ärztinnen, Anwältinnen, Journalistinnen und andere, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit engagiert hatten und nun die Rache der Taliban fürchten. Viele der Frauen sind alleinstehend und damit in Afghanistan völlig rechtlos, da dort Frauen immer einen männlichen Begleiter brauchen.
Die Frauen in Kabul schreiben: Dieser Brief werde „aus einem Leben, das aller Menschenrechte beraubt ist, an eine mächtige Frau geschickt, deren Land, Gesetze und Rechte intakt sind. Es ist das Schreiben von Frauen aus dem Osten, deren Geschlecht an sich schon ein ‚Verbrechen‘ ist, an eine Frau aus dem Westen, für die Frausein nicht dieselbe Last der Diskriminierung bedeutet.“ Unterdrückte Frauen schreiben an eine Frau mit Macht – größer kann der Abstand zwischen ihnen nicht sein, und die Botschaft nicht dringlicher.
Im pakistanischen Abschiebelager waren die Afghaninnen körperlicher und verbaler Gewalt sowie endlosen Verhören ausgesetzt. In Afghanistan fürchten sie Verfolgung, Tod, Folter, sexuellen Missbrauch. Selbst in ihren Unterkünften fühlen sie sich nicht sicher und fürchten die Taliban und deren Macht. Sie fragen – sich und die Botschafterin –, ob das Schutzversprechen der Bundesregierung nichts mehr gilt. Aber sie drücken trotz allem die Hoffnung aus, nach Deutschland in Sicherheit gebracht zu werden. Oder anders gesagt: Der Brief ist ein Appell an die Frauensolidarität der Botschafterin. Ob Ina Lepel dafür empfänglich ist?
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Die Versicherung von Außenminister Johann Wadephul, bis Ende des Jahres würden keine Afghan*innen aus den deutschen Aufnahmeprogrammen von Pakistan nach Afghanistan abgeschoben, ist im Übrigen nichts wert. In Islamabad werden immer wieder Menschen aus den Gästehäusern festgenommen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert