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Bremen stellt KI-Strategie vor Der Weltuntergang ist einen Stock tiefer

Kommentar von

Lotta Drügemöller

Wer künstliche Intelligenz hasst, wird überrascht: Die nun vorgestellte Bremer KI-Strategie ist erfreulich – und kann schlimmstenfalls milde langweilen.

D a sitze ich nun auf der Pressekonferenz, wie das Land Bremen künstliche Intelligenz (KI) strategisch in der Verwaltung nutzen will, und schon in den ersten drögen Minuten ist klar: Das hier ist nicht böse, es ist praktisch. Wahrscheinlich ist es sogar gut.

Dabei bin ich immer ein bisschen auf Weltuntergang eingestellt, wenn ich KI höre. Ich hasse die künstliche Intelligenz und scheue sie, wo immer es geht. Ich habe Angst davor, dass wir als Menschheit uns selbst überflüssig machen: im Job, im Sozialen, im Kreativen. Ich finde es absurd, dass die KI für uns Texte schreibt und Musik macht und Bilder erstellt. Ich sorge mich, dass wir Kulturtechniken verlieren – das Denken verlernen, um es pathetischer zu formulieren.

Es beunruhigt mich, dass es Milliardäre sind (und ein Billionär), die mit der Kontrolle über die KI unsere Welt gestalten können. Und dann auch noch die besonders megalomanen unter den Superreichen … Die KI, die ja vor allem Altes reproduziert, setzt Diskriminierung fort und stützt konservativ das Bestehende und Mächtige. Das kann nicht gut sein.

Angst habe ich aber auch, wenn sie dann doch eigene Ideen entwickelt: Wenn sie uns irgendwann in allem überflügelt und – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit – einfach abschafft. Aber das passiert bestimmt nicht, oder?

Die Anwendungen passen nicht zur Angst

Das ist ganz schön viel Angst und Unbehagen und klingt in der Masse ein bisschen spinnert; bestimmt überschätze ich manche Gefahr, irre mich bei anderen, und wiederhole Szenarien, die Angsthasen und Bremser seit Menschengedenken bei jeder neuen Technologie äußern. Schon mit fast 40 Jahren gehöre ich wohl zum technologiefeindlichen alten Eisen – ja, Kruzifix!

Vor allem passen die ganzen Gefühle so gar nicht zu dem, was Bremen da präsentiert als KI-Strategie. Da gibt es erst einmal viel Positives zu sagen: Es ist gut, wenn man sich ein paar Gedanken macht über KI. Es ist richtig gut, wenn die Verwaltung eine eigene datenschutzsensible KI nutzt: Die größenwahnsinnigen Superreichen hat man damit schon mal gebannt, soweit das eben geht.

Und möchte denn nicht auch ich, dass Wohngeldanträge schneller bearbeitet werden?

Und werde ich als Bürgerin den Unterschied merken, wenn Behördenbriefe in Zukunft vom Textassistenten „LL Moin“ formuliert wurden? Vermutlich ja: LL Moin soll verständlich und diskriminierungsfrei formulieren, hurra! Und möchte denn nicht auch ich, dass Wohngeldanträge schneller bearbeitet werden? Und wäre es nicht wirklich toll, wenn Finanzbeamte endlich wieder Zeit für die wichtigen Dinge hätten, für eine Steuerprüfung bei Superreichen zum Beispiel?

39 Projekte gibt es in einem ersten Aufschlag; nur gut die Hälfte davon bezieht sich auf konkrete KI-Anwendungen – die anderen sind eher begleitende Projekte: Etwa im Modul „KI verantwortungsvoll prüfen“, da kriegt man auch die KI-Kritikerin. Oder im „Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz“, damit die Beschäftigten abgeholt werden. Überhaupt, die Mitarbeiter: Die hat man vorab befragt, eine Zustimmung des Personalrats gibt es auch. Um seinen Arbeitsplatz muss sich niemand sorgen, sagt Finanzsenator Björn Fecker (Grüne).

Und die Arbeitsplätze der Zukunft? Na ja, wenn der demografische Wandel reinschlägt und die Babyboomer in Rente gehen, dann ist es für das Gemeinwesen vielleicht ganz gut, dass nicht alle Stellen in den Behörden wiederbesetzt werden müssen: Schon heute finden Verwaltungen landauf, landab, nicht genug Mitarbeitende. Nix für ungut also, Bremen! Mach mal KI. Ist auch nur ein Werkzeug. Und: muss ja.

Noch ein paar O-Töne fürs Fernsehen, dann ist sie aus, die PK im Rathaus. Gut so: Ein Stockwerk weiter unten beginnt nämlich nun das Mittagessen für besondere geladene Gäste der KI-Konferenz. Nein, nicht die Konferenz zur neuen Strategie, sondern die „IJCAI-ECAI 2026“, eine der „weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Konferenzen zu künstlicher Intelligenz“ mit 2.500 Teilnehmenden aus 40 Ländern. Serviert wird auch dort ganz, ganz viel Hilfreiches – und wer weiß, vielleicht auch eine Prise Menschheitsdämmerung. Guten Appetit!

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