piwik no script img

Beruf: KünstlerDie Kunst mit der Kunst

Von der Kunst zu leben ist schön, verlangt aber auch einiges an Flexibilität und Durchhaltevermögen. Erst recht in Zeiten drastischer Kulturkürzungen in Berlin.

G erade lese ich, es sei eine wirkliche Kunst, von der Kunst zu leben. Das tägliche Beschönigen des eigenen Lebensweges macht diesen Fakt nicht weniger wahr. Glücklicherweise ist gerade mal wieder eine Zeit, in der ich eine einigermaßen große Rechnung für einen fertigen Kunstauftrag habe schreiben können. Das ermöglicht Zeit für freies Arbeiten ohne ständigen Druck und bringt mich über die nächsten zwei Monate. Die dafür notwendige Flexibilität in Zeit- und Lebensplanung, das recht breit aufgestellt-Sein, macht so ein Arbeiten überhaupt erst möglich. Ausruhen ist nicht – ständiges Stattfinden. Machen, malen, zeichnen, bauen, organisieren, schreiben, kommunizieren. Hier und da bereit sein, Kompromisse einzugehen, ohne dabei jemals den künstlerischen Kern aller Arbeit aus den Augen zu lassen. Auch – und bei Möglichkeit gerade nicht – bei Aufträgen.

Es gibt diesen einigermaßen blöden Spruch „Kunst kommt von Können“, den man zumeist von künstlerisch recht unbeleckten Weggefährten zu hören oder lesen bekommt. Selbige Menschen sind dann aber sofort überfordert, wenn man sie nach einer allumfassenden Definition des Begriffs „Können“ fragt.

Sehr viel Arbeit, Glück, gutes Timing, Geduld und noch einmal viel Arbeit, neben einem gewachsenen Netzwerk, machen so einiges möglich. Können kommt mit dem Machen. Und Machen muss man können. Ein Kreislauf des Sich-leisten-Könnens. Zeitlich und finanziell.

Aktuell drastische Einsparungen im Berliner Kulturbereich machen es da keineswegs leichter – in der Kulturhauptstadt. Was haben wir denn sonst? Geschichte und Geschichten, Kultur und Lebensliebe. Berlin, du Großartige.

Und ich wache trotzdem oft mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf – weil es so unglaublich schön sein kann, das Leben mit der Kunst.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare