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Berliner CDU-WahlkampfabschlussGeschichtsunterricht bei Papa Merz

Während über sein Kanzleramt diskutiert wird, besuchte Merz den Berliner Wahlkampfabschluss. Und verglich sich indirekt mit Adenauer.

Adam Schwedhelm

Aus Berlin

Adam Schwedhelm

Wie lange hält sich Merz noch im Kanzleramt? Nachdem viele in seiner Partei unzufrieden mit ihm sind, versucht er nun auf allen Ebenen, seine Par­tei­kol­le­g*in­nen milde zu stimmen. Dafür kam er auch zum Wahlkampfabschluss nach Berlin. Denn während die CDU in Mecklenburg-Vorpommern an der Fünf-Prozent-Hürde kratzt, gilt auch das Ergebnis bei der Berliner Wahl als bedrohlich für Merz' Kanzlerschaft.

„Gemeinsam“: Dieses Wort verwendeten CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann und der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers in ihren Reden am Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus besonders häufig. Hoppermann betonte nach den vergangenen Diskussionen um ihren Parteivorsitzenden, dass der Berliner Wahlkampf zeige, was „an einem Strang ziehen“ bedeute.

Evers Wahlargument: Antisemitismus verhindern

Stefan Evers nutzte auch zu seinem Wahlkampfabschluss eine seiner zentralen Strategien der vergangenen zehn Wochen: Die CDU verhindere den Einzug der Linken ins Rote Rathaus und somit eine von „Extremisten“ und „Israelhassern“ geführte Regierung. Die Debatten innerhalb der Berliner Linken über die Solidarität mit Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen und antisemitische Aussagen benutzte die CDU bereits während des Wahlkampfes als Argument für sich. Antisemitismus setzte Evers dann gleich mit dem größten Thema im Berliner Wahlkampf: die Frage um die Enteignung großer Wohnkonzerne. Die CDU unterscheide sich von „denen, die nichts kennen als Spaltung: Sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit“, so der Spitzenkandidat.

Außerdem versprach Evers Zuversicht und Optimismus und dass Berlin „auch in schwierigen Zeiten besser werden kann“. Berlin sieht er zukünftig mit Bayern auf einer Stufe: bei Raumfahrt und Start-ups.

Geschichtsunterricht bei Merz

Friedrich Merz hingegen benutzte seine Rede vor den Berliner Wahl­kämp­fe­r*in­nen als Geschichtsunterricht. Er erinnerte sich an Berlin als geteilte Stadt und gedachte auch der Wiedervereinigung. Dazu zog er eine Parallele zu heutiger Spaltung durch extremistische Kräfte. Zudem verwies er mit Hinblick auf die anstehenden Sozialreformen auf Ludwig Erhards Verdienste für die Marktwirtschaft. Auch hagelte es Büchertipps vom Kanzler, zuletzt Stefan Kolevs „Wohlstand für Junge“: einer von mehreren unbeholfenen Versuchen, auch junge Menschen anzusprechen, eine der wichtigsten Wählergruppen in Berlin.

Dann zog er Parallelen zwischen seiner Regierungszeit und dem Amtsantritt von Konrad Adenauer. Dieser jährte sich vor einigen Tagen zum 77. Mal. In der CDU-Bundeszentrale, die Adenauers Namen trägt, verglich sich Merz indirekt mit dem ersten Bundeskanzler: „Auch damals war die Zeit nicht einfach. Es gab erhebliche Widerstände.“ Adenauer habe einen Kompass geführt, um sich trotz des Vorwurfes, „Kanzler der Alliierten“ zu sein, dem sogenannten Westen zu verpflichten. „Ich wähle die Freiheit“, zitierte ihn Merz, weil auch er heute die Freiheit wählen möchte.

„Transatlantische Freundschaft wahrscheinlich vorbei“

Auch auf die Solidarität mit Kanada, für das seine Parteikollegin Ursula von der Leyen eine „assoziierte EU-Mitgliedschaft“ vorgeschlagen hatte, kam der Bundeskanzler indirekt zu sprechen: „Die Zeit der unbedingten transatlantischen Freundschaft ist wahrscheinlich vorbei“, sagte er. Laut dem Bundeskanzler habe man lange auf die „Arbeitsteilung“ vertraut: „Billige Produkte kommen aus China, Öl und Gas aus Russland, die Sicherheit aus den USA.“

Damit rechtfertigte er auch die Erhöhung der Militärausgaben. „Die Zeitenwende ist nun Realität geworden“, bezog sich Merz auf den Begriff, den sein Vorgänger Olaf Scholz (SPD) im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine geprägt hatte. Für Merz sei diese Zeitenwende „schon fast ein Epochenbruch“. „Wahrscheinlich verstehen wir erst in einigen Jahren, was wir gerade erleben“, sagte der Kanzler. Auch wie groß die Gefährdungen innen- und außenpolitisch seien, könne erst dann richtig eingeordnet werden. Damit appellierte Merz auch an die jungen Generationen. Laut Merz sagen zwei Drittel der jungen Menschen Ja zu Bundeswehr und einem freiwilligen Pflichtjahr. „Also tut auch was dafür. Macht mit!“, ermunterte Merz großväterlich.

„Deutschland ist ein Einwanderungsland“, betonte Merz. Die Worte, die aus dem Mund des Kanzlers radikal anmuten, grenzte er jedoch wieder schnell ein: Um Krankenhäuser, Baustellen, Gaststätten und Hotels am Laufen halten, tue Migration gut. Deshalb habe Ausländerfeindlichkeit hierzulande keinen Platz. Die schlimmste Form der Ausländerfeindlichkeit sei für Merz wiederum Antisemitismus. Und um die jüdischen Mitmenschen zu schützen, sei es auch nötig, diejenigen abzuschieben, „die sich nicht an die Regeln halten“.

Veranstaltung spontan doch auf Youtube übertragen

Die Veranstaltung zum Berliner CDU-Wahlkampfabschluss war zunächst ausschließlich als internes Event geplant. Es schien also, als würde Merz noch vor der eigenen Partei Wahlkampf machen müssen. Im Laufe des Tages wurde aber doch noch ein öffentlich einsehbarer Youtube-Stream generiert, dem rund 175 Zu­schaue­r*in­nen folgten. Zuletzt hatten sich auch die CDU-Länderchefs zusammengerissen und sich hinter den Kanzler gestellt.

Merz durfte also – anders als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt – vorbeikommen. Auch für den Wahlabend am kommenden Sonntag lädt er das CDU-Präsidium zu einer formellen Sitzung ein. Dort sollen die Wahlergebnisse der Landtagswahlen und ihre Folgen für die CDU besprochen werden.

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5 Kommentare

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  • Martin Rees

    Die gekonnte Unterscheidung verschiedener Begriffe im Kontext von u.a. "Xenonphobie" ist nicht banal, zumal vor dem Fest Jom Kippur.



    Daher ein Hinweis:



    "Sie sagen: er ist ein Jude"



    Jakob Wassermanns autobiografische Schrift "Mein Weg als Deutscher und Jude"



    Von Wulf Segebrech (...)



    Besprochene Bücher / Literaturhinweise



    Als Wassermann 1921 seine autobiografische Schrift "Mein Weg als Deutscher und Jude" veröffentlichte, war er ein anerkannter und erfolgreicher Schriftsteller in Deutschland. Seine Romane "Caspar Hauser" (1908) und "Das Gänsemännchen" (1915) hatten ihm Ruhm und viel Zuspruch eingebracht. Dennoch wurde ihm - und das stellt Wassermann in seinem Buch in 24 kurzen Kapiteln in vielen Variationen dar - die gleichwertige Zugehörigkeit zu den Deutschen verweigert; von Kindheit an wurde ihm bedeutet, er sei andersartig, ein Außenstehender, nicht gleichberechtigt; und in vielen Lebenssituationen bekam er die Konsequenzen solcher Einschätzungen konkret zu spüren und erfuhr einen ausgesprochenen oder unausgesprochenen Antisemitismus."



    Quelle: literaturkritik.de/id/9022



    Wassermann:



    "Es ist vergeblich, für sie zu leben und für sie zu sterben. Sie sagen: er ist ein Jude."

    • Martin Rees

      @Martin Rees:

      Wehret den Anfängen:



      "Xenophobie und Antisemitismus als Herausforderung für den Sachunterricht"



      ekvv.uni-bielefeld...d=74849427&lang=de

  • Achsachbloß

    Äh, das Stadtbild hängt schief, frei nach Loriot, man kann auch sagen: das gesamte Gesellschaftsbild bei Merz hängt schief, das Geschichtsbild sowieso.



    Und jetzt? Wollen wir das alle gemeinsam wieder in Ordnung bringen, so wie Uropa Konrad Adenauer es getan hat? Der Konrad war halt ein erfahrener Fuchs und wenn sich Merz mit dem vergleicht, dann hinkt das in vielerlei Hinsicht.



    Adenauer hat Deutschland nach Diktatur und Krieg mit der Hilfe der USA halbwegs in demokratische Bahnen gelenkt, so dass mit dem Personal damals ging. Merz hingegen hat nur das Talent, in Fettnäpfchen zu treten, bei ihm läuft alles aus dem Ruder und die Demokratie bröckelt. Merz wunder sich anscheinend, dass kaum einer begreift, wie genial er ist. Aber das ist ja angeblich alles nur eine Frage der Kommunikation. Zum Glück möchte aktuell auch niemand das Amt des BK übernehmen, außer… ich spahne mir, den Namen zu nennen.



    Es wäre ja mal ein genialer Zug gewesen, zu sagen: Einwanderer sind als Fachkräfte und auch sonst als Personen mit ihrer ganzen Kultur hier in D herzlich willkommen, als Nachbarn, Freunde und Mitbürger.

  • Martin Rees

    "Zudem verwies er mit Hinblick auf die anstehenden Sozialreformen auf Ludwig Erhards Verdienste für die Marktwirtschaft."



    Auch ein kleiner Beitrag zur Geschichte, aus spiegel.de



    www.spiegel.de/pol...sein-a-479328.html



    Amüsante Petitesse?



    Mit etwas Phantasie könnte man sich vielleicht auch ein Déjà-vu ausmalen...

  • Lowandorder

    Ja wie? Adenauer postanal? Nix da



    Dr. 🪔 🥬 - "…der 🌖 …Gemeinsam…“



    “Gemeinsam“: Dieses Wort verwendeten CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann und der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers in ihren Reden am Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus besonders häufig.“



    Ach was! Vagel Bülow - Dieter laß gehn…



    www.youtube.com/watch?v=dnqKwGetjz4 -



    Dieter Hildebrandt - Dr. 🪔🥬 - Der 🌖 -