Berentzen macht kaum Plus : Der Schnaps braucht eine Zukunft
Der börsennotierte Getränkehersteller Berentzen muss seine Gewinnerwartung korrigieren. Schuld hat der Verbraucher, nicht das Produkt oder seine Qualität.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
B ei uns hieß er immer nur Abfallkorn. Aber das sind halt so jugendliche Sauferfahrungen, die nichts mit der Realität gemein haben. In Wirklichkeit hat der 1758 im emsländischen Haselünne gegründete Fuselbrenner Berentzen – das ist keine Beschimpfung, das ist die historisch korrekte Benennung – gut 220 Jahre später mit der Parfümierung des Korns mit zuckrigem Apfelextrakt den Spirituosenmarkt revolutioniert.
Denn damit war der zum Likör downgegradete Schnaps plötzlich etwas für die hoffnungslose Jugend geworden. Und wer sich an die Herstellerempfehlung hält, den Absacker „gut gekühlt als Kurzen“ zu kredenzen, der hat auch nicht das Problem mit dem süßlichen Geruch, der boshaft mitunter als müllig beschrieben wird.
Mit der Qualität der Kernprodukte kann es also nichts zu tun haben, dass der börsennotierte Getränkehersteller ins Schwanken gerät: Schuld ist das gewachsene Gesundheitsbewusstsein. Mitfühlende Regionalfernsehsender beklagen, dass er unter einer allgemeinen Konsumflaute leide.
Dass weniger gesoffen wird, entspricht einem langjährigen Trend. Den hatte auch das Fuselbrennermanagement bereits bemerkt: „Die Dynamik der Marktentwicklungen ist aber deutlich ausgeprägter als erwartet“, sagte Berentzen-Vorstandschef Oliver Schwegmann der Deutschen Presse-Agentur bei einer Preview auf die Halbjahreszahlen, die Mitte August präsentiert werden. Demnach ist der Umsatz um mehr als elf Prozent auf 71 Millionen Euro geschrumpft, der Betriebsgewinn sogar um 80 Prozent auf gerade einmal 600.000 Euro eingebrochen.
Auch die Aktie, die vor zehn Jahren noch mit 12,50 Euro gehandelt wurde, torkelt gegenwärtig irgendwo zwischen 3,20 und 3,05 herum. Selbst die Korrektur der Jahresprognose von erwarteten siebeneinhalb bis neun Millionen auf dreieinhalb bis fünf Millionen Euro Profit vor Steuern wirkt da noch immer, als hätte sie sich jemand schöngesoffen.
Sofern man es nicht vergessen hat, ließe sich auch fragen, ob man sich mit der Festlegung der Dividende im Frühjahr auf elf Cent pro Aktie nicht sich und den seinen ein allzu billiges Rauschmittel eingeschenkt hat. Andererseits ist das ja offenbar die deutsche Managementschule, VW verfährt ja in größerem Maßstab ähnlich, und die machen immer alles richtig.
Kampf gegen die Konsumenten
„Berentzen kämpft mit Absatzflaute“, heißt es beim NDR über die Bemühungen des Traditionsunternehmens, und die Vokabel stimmt: Nicht das Produkt ist falsch. Sondern die Konsumenten, die sich ihm verweigern, gilt es zu besiegen. Ähnlich wie die Urabeños in Kolumbien gegen den Minustrend auf dem Koksmarkt, wenn auch nicht so brachial, geht daher die Leitung des operativen Geschäfts in Haselünne gegen das schwindende Interesse am Erwerb von Alkoholismus vor.
Das zeigt sich durch verheißungsvolle Produktentwicklungen, die bald zu einer Renaissance der Freude am Besinnungslossaufen führen müssen. So sind neu im Sortiment „echte Hingucker“ wie der mit 20 schnapsgefüllten Fläschchen bestückte Berentzen-Party-Hosenträger und der einem Patronengurt nachempfundene Berentzen-Party-Gürtel mit 24 Shots à 0,02 Liter.
Damit belegt die Marke Berentzen, dass sie weiterhin „Geselligkeit und Lebensfreude“ hochhält. Dass man mit ihr „nach Lust und Laune losfeiern“ kann, was doch gerade junge Menschen begeistern sollte. Auch hält sie die Werte des Miteinanders und des Teilens hoch. Und das ist doch allemal wichtiger, als irgendwelche Qualitätsfragen. Das muss einfach Erfolg haben. Sonst wäre das alles einfach nur zum Kotzen.
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