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Bedrohte MinderheitsspracheNeuer Lehramts-Studiengang soll Sorbisch an Schulen fördern

Im brandenburgischen Senftenberg startet ein neuer Lehramts-Studiengang für das Fach Sorbisch/Wendisch. Das Land spricht auch von einem Experiment.

Sorben haben eine reiche kulturelle Tradition mit zahlreichen Bräuchen Foto: Robert Michael/dpa

dpa/bb | Das Land Brandenburg will erstmals Grundschullehrkräfte für das Fach Sorbisch/Wendisch ausbilden und die Minderheitensprache in der Niederlausitz vor dem Aussterben bewahren. Der neue Studiengang startet im Herbst an der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) in Senftenberg.

„Niedersorbisch/Wendisch ist eine vom Aussterben bedrohte Sprache, die dringend der Vermittlung in den Schulen bedarf“, sagte die bildungspolitische Sprecherin des Rats für Angelegenheiten der Sorben/Wenden, Delia E. Münch, angesichts der Vorstellung des Studiengangs im Landtag in Potsdam. Laut Hochschule sind zwölf Studienplätze jährlich geplant.

Neuer Studiengang ein „Experiment“

„Es ist ein Experiment, wo wir alles dafür tun, dass es gelingt“, sagte Kultur-Staatssekretär Tobias Dünow (SPD), der Beauftragter des Landes Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden ist. „Es kann aber sein, dass es nicht funktioniert.“

Aber selbst wenn die Nachfrage gering bleibe, sei der neue Studiengang sinnvoll, so Dünow. Er verwies darauf, dass es sich um einen klaren Verfassungsauftrag handelt, die sorbische/wendische Sprache und Kultur zu fördern. Aber nicht viele Menschen sprechen noch die alte westslawische Sprache.

Sprache der Minderheit wird an fast 30 Schulen unterrichtet

In Brandenburg lernen derzeit mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche regelmäßig die sorbische Sprache, wie es hieß. An sechs Schulen wird bilingualer Unterricht ermöglicht, die Sprache also auch in Fächern wie Mathematik, Sachkunde, Musik oder Kunst gesprochen. An 22 weiteren Schulen wird Sorbisch/Wendisch als Sprache unterrichtet. Bislang werden Lehrkräfte am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig ausgebildet.

Was hat es mit der Sprache auf sich?

Die Sorben sind eine anerkannte slawische Minderheit in Deutschland. In der Region Lausitz im Süden Brandenburgs und in Sachsen leben um die 60.000 Sorbinnen und Sorben. Sie haben eine reiche kulturelle Tradition mit zahlreichen Bräuchen. Im Spreewald etwa gibt es zweisprachige Ortsschilder und Wegweiser. Lübben heißt auf sorbisch „Lubin“ und Burg: „Bórkowy“.

Im Land Brandenburg werden die Begriffe „Sorben“ und „Wenden“ gleichrangig verwendet. Es handelt sich um dieselbe Volksgruppe. Die Bezeichnung „Wenden“ ist im Deutschen der ältere Name. Die Minderheitensprache ist mit Polnisch und Tschechisch verwandt.

Bewerbungen an Hochschule bald möglich

Das neue Lehramtsangebot der BTU am Standort Senftenberg im Kreis Oberspreewald-Lausitz sieht vor, dass Studierende zwischen den Fächerkombinationen Mathematik und Sorbisch/Wendisch oder Deutsch und Sorbisch/Wendisch wählen können.

Bewerbungen um einen Studienplatz sind ab 27. April möglich. Auch eine Juniorprofessur wird ausgeschrieben. „Wir müssen erst mal in Gang kommen und den Start gut hinkommen“, sagte BTU-Vizepräsident Peer Schmidt.

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