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Bauern und verbotene „Artgemeinschaft“Marktbetreiber wollen keine rechten Bauern

Auf ihrem Hof treffen sich Rechtsextreme, in Berlin verkauft die „Schweinemeisterei Arenzhain Hof“ Wurstwaren. Marktbetreiber sind entsetzt.

Jahrelang galt die „Schweinemeisterei Arenzhain Hof“ von Heike und Dirk Kupke als geschätzter Händler auf Berliner Wochenmärkten. Nach taz-Recherchen über ihre Verstrickung in die verbotene Neonaziorganisation „Artgemeinschaft“ ziehen Marktverantwortliche nun Konsequenzen.

Im Marktwesen ist man per Du, sagt Nikolaus Fink. „Die Heike“ sei für ihn eine der zuverlässigsten Händlerinnen auf dem Neuen Markt am Südstern in Kreuzberg, den er verwaltet. „Sie ist für uns eine Koryphäe.“ Fink hat den Markt gemeinsam mit seiner Frau vor fast 15 Jahren gegründet und die Kupkes haben zu den ersten gehört, die sie für den Markt gewinnen konnten. Nun hat er von der taz-Recherche zur Involvierung der Kupkes in die verbotene Organisation erfahren. „Es haut mich ein Stück weit um“, sagt Fink.

Heike und Dirk Kupke betreiben im brandenburgischen Arenzhain eine Zucht seltener Wollschweine. Auf ihrem Hof konnte die taz am 2. Mai ein Treffen von Personen aus dem völkisch-rechtsextremen Spektrum dokumentieren. Viele der Anwesenden waren Mitglieder der Artgemeinschaft oder lassen sich ihrem Umfeld zuordnen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte nur drei Tage zuvor das Verbot der Gruppe höchstrichterlich bestätigt. Kupkes waren unter den Adres­sa­t*in­nen der Verbotsverfügung des Bundesinnenministeriums von 2023.

Bei der 1951 gegründeten Artgemeinschaft hatten sich vorgeblich zum Zwecke des gemeinsamen religiösen „Artglaubens“ völkisch orientierte Neonazis getroffen, darunter zahlreiche Kader neonazistischer Gruppen und Parteien. Zur Artgemeinschaft hatten auch Personen Bezüge, die im Zusammenhang mit rechtsterroristischen Taten bekannt wurden, darunter NSU-Unterstützer André Eminger und seine Frau sowie der Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Das Bundesverwaltungsgericht begründete seine Entscheidung über das Verbot unter anderem damit, dass die Artgemeinschaft „eine im Gegensatz zur Werteordnung des Grundgesetzes in Gestalt der Menschenwürde stehende Glaubenslehre“ vertrete. Sie zeige eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus und nehme eine „aggressiv-kämpferische Haltung gegenüber der verfassungsgemäßen Ordnung“ ein.

In das Dorf Arenzhain bei Doberlug-Kirchhain sind die Kupkes vor fast 20 Jahren gezogen. Fotos zeigen das Ehepaar mit ihren Schweinen inmitten von Stroh auf der großzügigen Auslauffläche. Ein anderes Bild zeigt eine große hölzerne Irminsul im Innenhof des über hundertjährigen Bauernguts. Das Symbol, das schon von der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ der SS verwendet wurde, prangte zentral im Logo der Artgemeinschaft.

Ihre Wurstwaren verkauft das Ehepaar Kupke in Direktvermarktung auf Berliner Märkten, wo sie als Delikatesse gelten. Zuletzt hatte es einen Stand auf dem Neuen Markt am Südstern sowie dem Wochenmarkt am Kollwitzplatz. Auch auf dem Wochenmarkt in Königs Wusterhausen haben sie einen Standplatz, der allerdings derzeit pausiert.

Wenn die eigene wirtschaftliche Tätigkeit bewusst mit den Aktivitäten rechtsextremer Strukturen verknüpft wird, ist nicht auszuschließen, dass die Be­su­che­r*in­nen von Wochenmärkten genau diese Strukturen unwissentlich mitfinanzieren

Simon Brost, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus

In all den Jahren habe es nie Probleme gegeben mit der Händlerin, so Nikolaus Fink. „Trachtenkleider hat sie getragen. Aber es gab nie politische Schriften, auch nie rassistische Sprüche. Vielleicht hätte ich sie mal auf ihrem Hof besuchen sollen.“ Nun will Fink das Gespräch suchen. Kupkes seien allerdings seit der taz-Anfrage im Mai nicht mehr aufgetaucht. „Für uns wäre es bitter, wenn sie nicht mehr bei uns stehen“, sagt Fink. Aber auch: „Wenn sie weitermachen wollen, dann muss die Basis stimmen.“

Eine solche Basis sah Steffi Hendewerk vom Markt am Kollwitzplatz nach Kenntnis der Recherche nicht mehr: „Ich habe Herrn Kupke angerufen und ihm gesagt, dass ich ihn hier nicht mehr sehen will“, so Hendewerk. „Unser Markt soll ein friedlicher Ort sein und da passt so etwas nicht hin“. Auch der Marktplaner des Wochenmarkts in Königs Wusterhausen zeigte sich erschrocken. Er wolle sich nun informieren und sich mit Anwälten in Verbindung setzen, um das Vertragsverhältnis zu prüfen. Heike und Dirk Kupke selbst antworteten nicht auf die Anfrage der taz.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin warnte der taz gegenüber vor der Normalisierung von Gruppierungen wie der Artgemeinschaft: „Wenn die eigene wirtschaftliche Tätigkeit bewusst mit den Aktivitäten rechtsextremer Strukturen verknüpft wird, ist nicht auszuschließen, dass die Be­su­che­r*in­nen von Wochenmärkten genau diese Strukturen unwissentlich mitfinanzieren – obwohl eben jene Be­su­che­r*in­nen in wesentlichen Teilen zu den erklärten Feindbildern nationalsozialistischer Ideologie zählen dürften“, so Mitarbeiter Simon Brost. „Neben einer kritischen Öffentlichkeit sind bei Wochenmärkten in erster Linie die Marktbetreiber und die Bezirksämter in der Verantwortung, einen Umgang mit den genannten Rechercheergebnissen zu finden.“

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