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Basketball-Dauerstar LeBron JamesDer genetisch Auserwählte

LeBron James sticht auch im Alter von 41 Jahren in den Play-offs bei den LA Lakers noch heraus. Nun wartet der Titelverteidiger Oklahoma City Thunder.

Immer noch kaum aufzuhalten: LeBron James im Spiel gegen die Houston Rockets Foto: Erik Williams/Imagn Images

In den frühen Jahren seiner Karriere wurde LeBron James oft Hybris vorgeworfen. Da war das großflächige Tattoo auf dem er sich selbst, als den „Chosen One“, den Auserwählten, bezeichnete. Da war die einstündige Fernsehshow, die er seinerzeit alleine inszenierte, um die Entscheidung um seinen Mannschaftswechsel bekannt zu geben. Und entsprechend groß war dann auch die Schadenfreude, als er mit der angeblich besten Mannschaft aller Zeiten, den damaligen Miami Heat, das NBA Finale gegen die Dallas Mavericks von Dirk Nowitzki verlor.

Solche Häme hat James heute nicht mehr zu fürchten. Seine Lebensleistung als Basketballspieler und als Persönlichkeit ist 16 Jahre nach der „Decision“ unangefochten. James hat die Erwartungen, die er selbst geweckt hat, erfüllt, wenn nicht übertroffen. Alleine die eher akademische Debatte, ob er oder Michael Jordan als größter Spieler aller Zeiten zu gelten habe, bewegt noch die Leute. James selbst beantwortet sie stets diplomatisch damit, dass ihre Spielweisen nicht vergleichbar seien und man sie getrost beide als „groß“ bezeichnen dürfe.

Was James in diesen Tagen abliefert, ist aber in der Tat unvergleichbar. James führte in der ersten Runde der NBA Play-offs die Los Angeles Lakers zu einem dominanten Triumph gegen die Houston Rockets, obwohl weder die Buchmacher noch die Experten auch nur einen Cent auf die Lakers gesetzt hatten.

Der Triumph von Los Angeles (4:2) war schon deshalb so bemerkenswert und überraschend, weil die Lakers ohne ihren derzeitigen Superstar Luka Dončić in die Play-offs starten mussten. Der 27-Jährige ist der beste Werfer der Liga und sollte das Team anführen, James war mit seinen 41 Jahren in seiner 23ten NBA-Saison lediglich eine Nebenrolle zugedacht.

Stärkste Spieler der Serie

Doch James, der am vergangenen Wochenende sein 298. Play-off-Spiel absolvierte, konnte nahtlos in die Rolle des Anführers schlüpfen. Er brachte mit seinen vier Meistertiteln und zehn Finalteilnahmen die natürliche Autorität mit, das Team zu dirigieren. Ein ernster Blick hier, ein Kopfnicken da, reichte aus, um den jungen Kollegen, inklusive seines Sohnes, zu bedeuten, was sie zu tun haben.

Viel beeindruckender ist jedoch, dass James die Führungsposition auch spielerisch ausfüllte. Seine Statistiken wiesen ihn als den stärksten Spieler der Serie aus. Und er konnte nicht nur in Tempo und Aggressivität mit den Spielern mithalten, die halb so alt sind wie er. Er forcierte sogar beides und forderte die Kollegen heraus.

Wer gesehen hat, wie sich Dirk Nowitzki nach 21 Jahren in der Liga mit einem gründlich ramponierten Körper durch seine letzten beiden Spielzeiten quälte, der kann ermessen, wie außergewöhnlich es ist, dass James noch immer auf dem allerhöchsten Niveau spielt und das nicht nur für ein paar Minuten, sondern mindestens 35 Minuten pro Spiel. James erklärt seine Langlebigkeit damit, dass er sich, ähnlich wie sein Pendant im Football, Tom Brady, extrem viel Zeit dafür nimmt, sein Kapital, seinen Körper, zu pflegen. Das reicht von Kryotherapie über Infrarotsauna bis hin zu ausgiebiger Beweglichkeitsgymnastik. Anderthalb Millionen Dollar pro Jahr soll er alleine für Regeneration und Physiotherapie ausgeben. Auserwählt dürfte er aber insbesondere auch in einer Hinsicht sein – die Genetik hat es gut mit ihm gemeint.

Was seinen sportlichen Ehrgeiz angeht, ist der Graubart, wie man ihn in der Liga mittlerweile auch nennt, jedoch gelassen geworden. Einen fünften Titel anzustreben, wäre vermessen, zumal die Lakers in der zweiten Runde gegen Titelverteidiger Oklahoma spielen. James denkt von Spiel zu Spiel und versucht dabei, jeden Abend, an dem er noch auf dem Feld stehen kann, bewusst zu genießen. Er hat nichts mehr zu beweisen. Und die Debatte, ob er größer ist als Jordan, kann er ohnehin nicht gewinnen.

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1 Kommentar

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  • Wow. Kommentarspalte geöffnet für Debatte zwischen MJ und the King Fans.



    Beide haben ihre schwachen Seiten und wenn man da oben, ganz oben, mit spielen will, kommt man ohne Egoismen wohl nicht aus. Die Zahlen sprechen für James, eindeutig. Aber die Eleganz und die Aura hatte Michael.