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Autobahn-Neubau in BerlinZahlen, Fakten und was zum Spielen

Eine Infobox zu den Bauprojekten an der westlichen A100 bietet überschaubare Ausblicke und frische Argumente für Autobahnfans.

Über 30 Jahre ist es her, da war der Potsdamer Platz noch eine Brache mit großer Zukunft, als ein roter Kubus auf Stelzen zwischen Baugruben und Kränen hochgezogen wurde. „Infobox“ hieß das Gebäude, das in seinen sechs Lebensjahren von unzähligen Schaulustigen besucht wurde, die etwas über die Transformation des Ortes erfahren wollten. Außer Ausstellungsräumen und einem Café gab es eine Aussichtsplattform auf 23 Metern Höhe. Noch höher und hässlicher war zehn Jahre später die „Humboldt-Box“ an der Baustelle der Preußenschloss-Kopie.

Jetzt gibt es endlich wieder eine Infobox in Berlin, allerdings eine fast schon rührend bescheidene: Gut versteckt am selten genutzten Ausgang des Umsteige-S-Bahnhofs Westkreuz stehen vier blaue Baucontainer, zwei unten, zwei oben. Auch eine Aussichtsplattform mit Fernrohr gibt es, zu der ungefähr zwei Dutzend Stufen führen. Den Blick von oben als atemberaubend zu bezeichnen, wäre eine Anmaßung, aber immerhin hat man gute Sicht auf das ICC und die Ringbahn sowie die neue Ringbahnbrücke der Stadtautobahn A100, die langsam Gestalt annimmt.

Gebaut wird der Ersatz für die marode Vorgängerbrücke von der Projektmanagementgesellschaft DEGES im Auftrag der Autobahn des Bundes GmbH, und die DEGES hat auch die Infobox aufgestellt. Zu informieren gibt es so einiges, denn wenn die Ringbahnbrücke und ihr nördlich außer Blickweite gelegenes Pendant, die Westendbrücke, im Sommer 2027 fertig sind (so heißt es), folgen in der näheren Umgebung noch umfangreichere Baumaßnahmen: Das Dreieck Funkturm wird komplett umgekrempelt, und dann steht der Neubau der fast einen Kilometer langen Rudolf-Wissell-Brücke an, die auch schon zu bröseln beginnt.

Und was erfährt man auf den großen Touchscreens in der Box? Zahlen, Daten, Fakten – zum Beispiel, dass der A100-Abschnitt zwischen Messedamm Süd und Ku’damm mit 196.000 Kfz täglich eines der deutschlandweit am dichtesten befahrenen Autobahnteilstücke ist, dass der heute verbaute „wetterfeste“ Stahl viel korrosionssicherer als früher ist, und dass die beim Abriss anfallenden gigantischen Mengen an Beton und Asphalt großenteils zerkleinert und dem frischen Material beigemischt werden: „Das zahlt auf die Nachhaltigkeit ein.“

So leise kann Autobahn sein

Natürlich ist das Ganze auch der Versuch, An­woh­ne­r:in­nen und Kri­ti­ke­r:in­nen – sollten sie sich denn hierher verirren – das Konzept Autobahn wieder schmackhaft zu machen. Zum Beispiel mit der Statistik, dass der Kfz-Verkehr in der Stadt ab-, auf der Stadtautobahn aber zunimmt: das Bündelungsprinzip, Antipode des bekannten Theorems „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“. Oder mit einer Audio-Versuchsanordnung, bei der man sich per Kopfhörer davon überzeugen soll, wie leise Schallschutzwände, Flüsterasphalt und Elektroautos den künftigen Verkehr machen.

Was zum Spielen gibt es auch noch: eine Miniaturbrücke, die per Knopfdruck eingehängt werden kann (bisher nicht funktionstüchtig), einen „Fahrsimulator“ in Form eines halben Pkws, vor dessen Windschutzscheibe eine Simulation der künftigen Verkehrsführung abläuft (bisschen basic, wie man heute sagt), und einen Fotoautomaten, in dem ein mit Joysticks bestückter Sessel steht. Das Bild, das aus dem Ausgabeschlitz kommt, zeigt die abgelichtete Person im luftigen Kranführerhäuschen. Wie gesagt: Fast schon rührend.

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