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Ausstellung „The Sound of Courage“Subtil und schwer einzuhegen

Eine Ausstellung in den Nordischen Botschaften in Berlin untersucht, wie es um Gleichberechtigung in der skandinavischen Musikwelt steht. Gar nicht mal so gut.

Skandinavien, du hast es besser – denkt man hierzulande gerne, wenn es um Gleichberechtigung geht. Eine Gelegenheit, diese Einschätzung zu überprüfen, bieten aktuell die Nordischen Botschaften in Berlin: mit einer kurzweiligen Ausstellung, die den etwas pathosträchtigen Titel „The Sound of Courage – Music and Equality in the Nordic Countries“ trägt und Geschlechtergerechtigkeit in der Musikwelt beleuchtet.

Ganz so rosarot sind die skandinavischen Realitäten dann nämlich doch nicht. Vor dem Hintergrund, dass Diskriminierung im Kulturbetrieb struktureller und subtiler ist als in anderen Bereichen der Arbeitswelt und damit auch schwerer einzuhegen, erstaunt das zwar nicht wirklich. In Anbetracht dessen, dass sich gerade diese Branche gern für progressiv hält, scheint das aber doch bemerkenswert.

In Dänemark zum Beispiel sorgte eine Studie, von mehreren Musikorganisationen in Auftrag gegeben, erst 2011 dafür, dass Bewegung in die Debatte kam. Bei der Erhebung kam nämlich heraus, dass in weiten Teilen der Musikindustrie 80 Prozent Männern gerade mal 20 Prozent Frauen gegenüberstehen, quer durch alle Bereiche: ob nun auf Festival-Lineups, bei der Ausschüttung von Tantiemen oder mit Blick auf die medialen Gatekeeper:innen. Immerhin sah man diese Schieflage in einem Land, das sich in Sachen Gleichberechtigung als Vorreiter begreift, als Problem an.

Die Ausstellung

„The Sound of Courage“. Nordische Botschaften, Berlin, bis 4. Oktober. „The Sound of Courage: Das Festival“, mit Lindy Fay & Veland, Vilma Jää, Sara Parkman, Ydegirl und Lúpína im Kesselhaus in der Kulturbrauerei, 27. September

Im Mittelpunkt der gemütlich gestalteten Ausstellung stehen jedoch nicht trockene Statistiken, sondern Lebensgeschichten. Auf Sitzsäcken lümmelnd lassen sich Videoclips gucken, unter Kopfhörern eröffnen sich Klangwelten. Dazu gibt es eine Limo von der Bar nebenan. Ein Rundgang liefert Hintergründe zu den 23 sehr unterschiedlichen Musikerinnen, die über die Bildschirme flimmern. Vor allem verbindet sie, dass sie sich mit den strukturellen Schieflagen ihrer Branche nicht arrangieren wollen.

Porträts von Sonja Eismann

Verfasst wurden die auf Leinwänden präsentierten Porträts von der Musikjournalistin Sonja Eismann. Sie hatte sich schon mit ihrem Buch mit „Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie“ (2025) ausführlich mit Strukturen beschäftigte, die weibliches Musikschaffen ausbremsen.

Erfreulich, dass die Ku­ra­to­r:in­nen nicht nur auf bekannte Namen wie Björk oder Karin Dreijer alias Fever Ray setzen. Zustande kam der musikalisch und ästhetisch bunte Mix durch die Re­fe­ren­t:in­nen in den fünf Botschaften, die sich das Felleshus („Gemeinschaftshaus“) teilen. Sie fragten einfach ihre Kontakte in den Heimatländern, wen die für relevant hielten. So bekommt etwa die hierzulande unbekannte 24-jährige Rapperin Parnaq aus Grönland ebenso viel Raum wie die Stars. Bei ihrem ersten Auftritt vor gerade mal zwei Jahren erhielt sie als erste Rapperin des Landes zwar reichlich Zuspruch, wurde aber auch angefeindet.

Das musikalische Spektrum der Ausstellung ist breit: Faszinierend klingen etwa die modernisierten Joik-Gesänge der samischen Musikerin Mari Boine. Die 69-Jährige hatte ihren Durchbruch bereits vor knapp 40 Jahren und engagiert sich seither nicht nur für Gleichberechtigung, sondern zudem gegen die kulturelle Assimilation ihrer Ethnie.

Der schwedische Dancepop-Star Zara Larsson hingegen hatte schon in Jugendjahren reichlich internationalen Fame gesammelt, doch offenbar auch genug negative Erfahrungen, um bereits als 17-Jährige eine Debatte zur Geschlechtergerechtigkeit anzustoßen – kommerziellen Risiken zum Trotz. Interessant auch die Geschichte von Marie Ulven: Die norwegische Indiepop-Musikerin machte ihr Alias Girl in Red zu einem weltweit popkulturellen Code für die queere Community – und beförderte damit gerade in repressiven Regimen einen Austausch in den sozialen Medien.

Minifestival in der Kulturbrauerei

Dieser Facettenreichtum bildet sich auch bei einem Minifestival im Rahmen der Ausstellung ab: Am 27. September bringen Lindy-Fay Hella und Sondre Veland aus Norwegen ihren perkussiven Dark-Pop zwischen Prog und Folk in die Berliner Kulturbrauerei und treffen auf vier weitere Künstlerinnen und ihre eigenwilligen Soundamalgame – etwa die Dänin Ydegirl, die poppigen R&B mit barocken Elementen grundiert.

Was sich von den skandinavischen Ländern lernen lässt? Darauf hält die Ausstellung auch ein paar erhellende Antworten bereit. Ein Nebenraum stellt Projekte vor, die dem sich nur langsam verändernden Status quo durch Vernetzung und Eigeninitiative entgegenwirken. Zumindest in diesem Punkt sind die Musikszenen skandinavischer Länder offenbar wirklich weiter als andere Teile Europas. Ein derartiger Pragmatismus wäre vielleicht auch in den hiesigen Debatten ein Gewinn. Schließlich schaffen die es allzu oft gar nicht aus ihren Nischen heraus.

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