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Atomwaffenausgaben auf RekordhochDas Ende der atomaren Illusion

Andreas Zumach

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Andreas Zumach

Noch nie wurde so viel Geld für Atomwaffen ausgegeben wie derzeit. Und noch nie war die Gefahr so hoch, dass sie erneut eingesetzt werden.

O hne den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki hätte Japan im Zweiten Weltkrieg nicht kapituliert.“ Mit dieser längst widerlegten Lüge der damaligen US-Regierung begann im August 1945 das Atomwaffenzeitalter. Es folgten 80 Jahre der gefährlichen Illusion, mit gegenseitiger atomarer Vernichtungsdrohung zwischen den USA und der Sowjetunion beziehungsweise Russland lasse sich Sicherheit zwischen den beiden Großmächten und in Europa garantieren.

Dabei ist es lediglich eine durch nichts belegte Behauptung, dass es ohne die Existenz atomarer Abschreckungswaffen zu einem konventionellen Krieg in Europa zwischen den Staaten der Nato und denen des Warschauer Pakts gekommen wäre.

Doch all diese falschen Gewissheiten der letzten acht Jahrzehnte lassen sich nicht länger aufrechterhalten. Mit seit Ende des alten Kalten Krieges rekordhohen finanziellen Ausgaben für Massenvernichtungswaffen boomt in allen neun Atomwaffenstaaten die zumeist als „Modernisierung“ verbrämte Aufrüstung. Das Ziel: Sie auch mit der Verwendung von künstlicher Intelligenz noch zerstörerischer, zielgenauer, schneller sowie flexibler einsetzbar zu machen – und damit noch gefährlicher und unberechenbarer für den Gegner.

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Hinzu kommt, dass sämtliche seit Anfang der 1970er Jahre zwischen Washington und Moskau vereinbarten bilateralen Verträge zur Rüstungskontrolle und Abrüstung von Atomwaffen aufgekündigt wurden oder ersatzlos ausgelaufen sind. Und erstmals seit 1945 führen die beiden größten Atomwaffenmächte zeitgleich einen konventionellen Krieg. Und drohen dabei explizit (Putin) oder implizit (Trump) mit dem Einsatz von Atomwaffen gegen „das Nazi-Regime in Kyjiw“ beziehungsweise zur „Auslöschung der iranischen Zivilisation“.

Und im Nahen und Mittleren Osten könnten die Türkei, Saudi-Arabien und Iran mit der Beschaffung eigener Atomwaffen auf die nukleare Hegemonie Israels reagieren. Nie zuvor war die Gefahr so groß, dass noch vor dem 100. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki erneut Atomwaffen eingesetzt werden.

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Andreas Zumach

Andreas Zumach Autor

Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte. Von 1988-2020 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz,Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere:UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan... BÜCHER: Reform oder Blockade-welche Zukunft hat die UNO? (2021); Globales Chaos-Machtlose UNO-ist die Weltorganisation überflüssig geworden? (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995) AUSZEICHNUNGEN: 2009: Göttinger Friedenspreis 2004:Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg 1997:Goldpreis "Excellenz im Journalismus" des Verbandes der UNO-KorrespondentInnen in New York (UNCA) für DLF-Radiofeature "UNO: Reform oder Kollaps" geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.
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4 Kommentare

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  • Ja schon. Während des kalten Krieges war die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes auch enorm hoch - rein "aus Versehen", man kennt die Geschichten. Auch gab es Militärs, die so einen Einsatz befürwortet hätten, während des Koreakrieges, während der Kubakrise usw. Dabei bleibt es auch, mal 9.

    Je mehr Akteure mit Atomwaffen, desto höher ist das Risiko. Je höher die Illusion der Beherrschbarkeit der Antwort eines Gegners durch Abwehrwaffen, desto verlockender erscheint vielleicht ein verheerender Erstschlag.

    Nur wird in den aktuellen Kriegen auch immer klarer, dass ein Gegner sich dem nicht mehr so einfach beugt wie Japan 1945. Atombomben auf den Iran? Unkalkulierbar, was dann kommt, aber kapitulieren werden sie so schnell nicht. Deswegen ist das selbst für Trump keine Option.

    Vielleicht gilt erstmal weiterhin, dass die Atomwaffen nur den Gegner abschrecken, Atomwaffen einzusetzen. Und damit natürlich mitten in Europa die Option für Russland interessanter wird.

    Wenn man davon ausgeht, dass die USA jetzt auch Berlin oder Warschau nicht so wichtig sind, dass sie eine größere Auseinandersetzung mit Putins Atomstreitmacht risikiert.

    Schon rufen weitere Staaten nach Atomwaffen.

  • Ich bin kein Experte jedoch:



    "Nie zuvor war die Gefahr so groß, dass noch vor dem 100. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki erneut Atomwaffen eingesetzt werden."

    Halte ich doch gewagt, vor allen weil doch 1962 recht nahe dran war, dass es eskaliert.

    Abgesehen davon:

    Ich finde viele Aussagen in dem Artikel (z.B. "Erstmals seit 1945 führen die beiden größten Atomwaffenmächte zeitgleich einen konventionellen Krieg." 2008 USA/Afganistan, Russland/Georgien) mindestens fragwürdig.

    Man kann gegen Atomwaffen, Ausgaben etc. sein, aber dann nicht reißerisch und fakten falsch/entstellt widergeben.

    Ach ja wegen:



    "Dabei ist es lediglich eine durch nichts belegte Behauptung, dass es ohne die Existenz atomarer Abschreckungswaffen zu einem konventionellen Krieg in Europa zwischen den Staaten der Nato und denen des Warschauer Pakts gekommen wäre."

    Da wir alle noch leben, scheint es zumindest nicht schädlich zu sein Atomwaffen zu haben, sonst würden wir ja in den letzten 100 Jahren durch diese Atomwaffen/Armen tot sein. ;) /s

    Ps. Währe Russland in den Ukraine eingefallen, wenn die noch ihre Atomwaffen hätten? Ich frage nur für Kijew

  • Ich wünschte, die Ukraine hätte welche gehabt, dann wäre ich de Angriffskrieg erspart geblieben!



    Udn schade, dass die europäischen Staaten keine haben (bis auf Frankreich und UK). Aber diese würden sie nie einsetzen für andere Staaten, weil sie dann selber zum Ziel würden. Das kann man den eigenen Bürgern nicht verantworten. Daher wäre es besser dass jeder europäische Staat, insbesondere wir, die Balten, Polen, Osteuropäischen und Skandinavischen eigene hätten! Niederlande, Italien, Griechenland, Spanien, Portugal sind ja eher nicht in direkter Bedrohung ausgesetzt.

  • Noch nie wurde so viel Geld für Atomwaffen ausgegeben wie derzeit. Und noch nie war die Gefahr so hoch, dass sie erneut eingesetzt werden.



    ----



    Na ja, das glaubten wir in den 70 - 80ger Jahren auch! Einzige rationale Handlung dazu:



    "Sich 'ne Bank mit gutem Blick in einer wichtigen Stadt suchen, sich was zum rauchen drehen, 'nen Bier dabei & warten bis alles vorbei ist!"



    Den die paar unangenehmen Wochen, die es im Schutzraum, oder weit weg als "Zugabe" gab waren es nicht wert!



    Btw. A-Bomben sind die größte Geldverschwendung, die es beim Waffenbau gibt. Sie sind nicht einsetzbar, wenn rationale Militärs & Politiker über die verfügen!



    Kommen "Irre" gerade bei den "Big Playeren", in die Nähe des "roten Knopfes" & setzen die ein, dann war's das wohl mit der Menschheit!



    Ps. MMn. "Tiefer hängen!". Alle Menschen sind sterblich! Sterben an Ihrer Unvernunft, (Klimawandel, A-Bombe, Ernährung oder an dem "auch so geliebten Lebenswandel!"