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Arbeitskosten und ManagergehälterDie Eine-Million-Euro-Frage

Während DAX-Vorstände im Schnitt 3,9 Millionen Euro verdienen, wird laut über Lohnkosten geklagt. Doch diese stiegen zuletzt unterdurchschnittlich.

Ola Källenius ist nicht mehr unter den Top Ten. Mit einem Jahresgehalt von 6,3 Millionen Euro in vergangenen Jahr schafft der Mercedes-Chef es im Ranking der am besten verdienenden Ma­na­ge­r*in­nen in Deutschland nur noch auf Platz 20. Das zeigt die jährliche Auswertung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der zufolge bekommt derzeit SAP-Chef Christian Klein mit einem Gesamtgehalt von rund 10,9 Millionen Euro hierzulande die höchste Managervergütung, gefolgt von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing mit 10,5 Millionen Euro.

Der Grund für Källenius' schlechtes Abschneiden ist, dass er sich für 2025 mit deutlich weniger erfolgsabhängigen Boni zufriedengeben muss als für das vorangegangene Jahr. Beliefen sich seine kurzfristigen Boni für 2024 laut DSW-Auswertung noch auf 2,6 Millionen Euro, so waren es 2025 nur 1,6 Millionen – also eine Million Euro weniger als ein Jahr zuvor.

Vielleicht war dies für Källenius auch ein Grund, die Arbeitszeiten in dem von ihm gelenkten Konzern infrage zu stellen. Wie die anderen deutschen Autobauer steckt Mercedes in einer Krise. 2025 hat sich der Gewinn halbiert. Die Antwort des Vorstandsvorsitzenden: Die Arbeitskosten sollen runter. Wenn den Beschäftigten der Lohn nicht gekürzt wird, dann sollen sie doch für das gleiche Geld mehr arbeiten. Statt 35 lieber 40 Stunden die Woche.

Mercedes ist kein Einzelfall. Geht es um die Krise in der deutschen Industrie, dann führen die Chefs gerne die Arbeitskosten als einen gewichtigen Grund an. Doch eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung widerlegt das Argument.

Deutschland auf Platz sieben

„Ein Vergleich mit dem Jahr 2020 zeigt, dass sich die Position Deutschlands im europäischen Arbeitskostenranking als bemerkenswert stabil erwiesen hat“, heißt es in der Analyse. Mit Arbeitskosten von 45,70 Euro pro Stunde in der Privatwirtschaft rangierte die Bundesrepublik Ende 2025 demnach auf Position sieben in der EU, nachdem es ein Jahr zuvor auf Rang fünf war. Mit Arbeitskosten zwischen 56,20 und 49,70 Euro stellten Luxemburg, Dänemark und Belgien die Top 3. Auch in Schweden, den Niederlanden und Österreich war die Arbeitsstunde wertvoller als hierzulande.

Mit 3,4 Prozent stiegen die deutschen Arbeitskosten vergangenes Jahr deutlich langsamer als im europäischen Durchschnitt von 4,3 Prozent. Besonders groß war der Unterschied in der Industrie. Stiegen die Löhne in der hiesigen Industrie vergangenes Jahr nur um 2,0 Prozent, so waren es im EU-weiten Durchschnitt 3,8 Prozent. Dabei stiegen die Industriegehälter vor allem in ost- und südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien (13,9 Prozent), Rumänien (11,7 Prozent), Griechenland (10,7 Prozent) und Polen (10,2 Prozent) stark an.

Anders verhält es sich mit den sogenannten Lohnstückkosten. Diese geben die Arbeitskosten pro produzierter Ware an. Im Fall Mercedes wären es zum Beispiel die Arbeitskosten pro produziertem Auto. Und diese Lohnstückkosten sind laut der IMK-Studie in der deutschen Wirtschaft seit 2023 deutlich stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Allerdings ist ihre langfristige Entwicklung seit der Jahrtausendwende mit einem durchschnittlichen Plus von 1,9 Prozent pro Jahr laut den IMK-Forschenden noch stabilititätskonform.

Außerdem schreiben die Stu­di­en­au­to­r*in­nen Alexander Herzog-Stein, Ulrike Stein und Nico Rudorf: „Die deutsche Arbeitskostenentwicklung war 2025 unauffällig und nicht der wesentliche Treiber des Lohnstückkosten-Anstiegs.“ Ausschlaggebend für den Anstieg sei stattdessen die anhaltende Nachfrageschwäche, die die Wirtschaftsentwicklung dämpfte und bei gleichzeitig robustem Arbeitsmarkt das Produktivitätswachstum bremste.

Mangelnde Investitionen sind schuld

So werden bei der Berechnung der Lohnstückkosten die Arbeitskosten ins Verhältnis zur Produktivitätsentwicklung gesetzt. Und diese hat sich laut dem IMK in den vergangenen Jahren schwach entwickelt. Auffällig ist dabei laut der Studie „die im internationalen Vergleich geringe Kapitalakkumulation bei Informations- und Kommunikationstechnologien, die auf unzureichende Investitionen in Digitalisierung und Zukunftstechnologien hindeutet“. Deutschland hinke dabei nicht nur den USA hinterher, sondern auch vergleichbaren EU-Staaten.

Die Konzernlenkenden haben also in den vergangenen Jahren offenbar zu wenige Zukunftsinvestitionen veranlasst. Trotzdem wurden sie belohnt. Vorstandsmitglieder in den 40 DAX-Konzernen verdienten 2025 im Schnitt 3,9 Millionen Euro. 4 Prozent mehr als 2024 – und 42-mal so viel, wie normale Beschäftigte bekamen.

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