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Arbeitnehmerfeindlichkeit in der IT-BrancheWie die Lemminge

Kommentar über die Rausschmisse beim Hamburger Computerspiel-Hersteller Goodgame Studios.

Zugegeben: Auch ein gewerkschaftlich dominierter Betriebsrat ist kein Allheilmittel, um Umstrukturierungen oder Entlassungen gänzlich zu verhindern. In der kapitalistischen Marktwirtschaft herrscht nun mal die unternehmerische Freiheit – die Inhaber können bestimmen, ob ihre Firma Computerspiele entwickelt oder künftig Fischkonserven verpackt oder die Pforten ganz schließt. Die Hamburger Spiele-Firma Goodgame ist jedoch ein Paradebeispiel, wie eine Belegschaft einer neuen Branche auf das „Wir-Gefühl“ reingefallen ist und sich von den betrieblichen Kuriositäten blenden ließ.

Sicher wissen auch die Firmen-Bosse, dass sie ihre Umstrukturierungspläne nach all den Jahren des unternehmerischen Höhenflugs – schon des Images wegen – nicht zum Nulltarif bekommen. Daher haben sie dem „Employee Committee“ Abfindungen und bei Kündigungen einen finanziellen Zuschuss für Transfermaßnahmen in Aussicht gestellt – aber alles unkonkret, unverbindlich und mit der Einschränkung, dass sie die Zahl der Kündigungen nach der Akzeptanz des „freiwilligen Abfindungsprogramms“ richte.

Die Gewerkschaft Ver.di hat Ende vorigen Jahres zu Recht insistiert, dass auch in einem New-Economy-Unternehmen ein Betriebsrat gebraucht wird. Mit ihm müssen bei Massenentlassungen Interessenausgleichsverhandlungen geführt werden, notfalls in einer Einigungsstelle unter Vorsitz eines neutralen Schlichters, bevor es zum Abschluss eines Sozialplans mit verbindlichen Abfindungen kommt, die nicht individuell ausgepokert sind. Auch bei Kündigungen gibt es ein Mitbestimmungsrecht, gerade was die soziale Auswahl angeht.

Man möchte es sich kaum ausmalen, was in diesen Tagen hinter der Fassade der Goodgame Studios los ist – aber die Mehrheit der Beschäftigten hat es so gewollt.

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