Angebote für Kinder in Hamburg-Horn: Jugendklub muss schließen
Nach über 50 Jahren muss der Jugendklub der Timotheuskirche in Hamburg-Horn dichtmachen. Die Kirche wird verkauft, die Stadt streicht das Geld.
In Hamburg rumort es seit Monaten in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Um gegen angekündigte Kürzungen zu protestieren, kündigt deren Interessenvertretung für Freitagmittag eine Demo zu Hamburgs SPD-Zentrale an. Zwar beschlossen die Parteitage von SPD und Grünen erst kürzlich, die OKJA zu stärken. Zugleich gibt es aber die Botschaft aus Hamburgs Bezirken, dass in 2027 und 2028 mit Kürzungen und Schließungen zu rechnen ist.
Ein Vorbote ist der Fall des Timo-Jugendklubs in Hamburg-Horn, der schon seit 1968 in einem roten Backsteinbau direkt neben der Timotheuskirche ein Ort für junge Menschen ist. „Zu uns kommen etwa 30 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 18 Jahren“, sagt die ehrenamtliche Helferin Lydia H. Doch zum 30. Juni muss der Klub schließen. Auch die im Haus ansässige stadtteilorientierte Suchtprävention wird eingestellt. Zuerst hatte der NDR berichtet.
Die Timotheusgemeinde leidet schon länger an Mitgliederschwund. Sie war schon 2024 mit der benachbarten Martinskirche zur Kirchengemeinde Hamburg-Horn fusioniert. Im April wurde bekannt, dass das Grundstück an der Washingtonallee 65 verkauft wurde. Alle „sozialdiakonischen Arbeitszweige“, die bisher von Timotheus in den Stadtteil wirkten, würden nun an der Martinskirche aufgenommen, teilte die Gemeinde mit. Dazu zählen Tafel, Kleiderkammer und Seniorenarbeit.
Doch der Jugendklub zieht nicht mit um. Der müsse schließen, weil die Stadt Hamburg zum 28. Februar die Zuwendung beendete, teilt der Vize-Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Nis Kähler, auf Anfrage mit. Die Gemeinde habe kein Geld, um das auszugleichen. „Es geht um vier Mitarbeitende, die tolle Arbeit leisteten und nun ihr Herzensprojekt abwickeln müssen“, sagt Kähler. Wäre das Geld nicht weggefallen, wäre der Jugendklub mit umgezogen. Doch der hier zuständige Bezirk Mitte habe in einem Gespräch mitgeteilt, dass andere Träger die Zuwendung erhalten sollen.
Bezirk Hamburg Mitte nennt formale Gründe
Hamburg-Horn ist ein ärmerer Stadtteil und von einer Überversorgung mit Jugendangeboten geht hier keiner aus. Der Bezirk Mitte führt formale Gründe für die Schließung an. Das Amt habe die Zuwendung aufgehoben, weil die Anforderung an eine „ordnungsgemäße Verwendung“ der Mittel nicht erfüllt worden sei, schreibt Sprecherin Elsa Scholz. Dem sei eine Prüfung des Rechnungshofs und eine Selbstmeldung der Kirche vorangegangen.
Der Bezirk habe mit der Gemeinde mehrere Gespräche dazu geführt, doch da man offene Punkte nicht ausräumen konnte, sei dies „als letzter Schritt“ notwendig geworden. Von März bis Juni trägt die Gemeinde die Kosten nun selbst.
Bezirksamts-Sprecher Michael Rapp
Hamburgs Rechnungshof hatte moniert, dass vier freie Träger der OKJA Zuwendungen für Miete erhielten, obwohl sie eigene Immobilien nutzten, darunter drei Kirchen. „Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass die Stadt vorhandene Immobilien nicht ‚ein zweites Mal‘ bezahlen soll“, erklärt eine Sprecherin. Es handele sich dabei um eine Kritik an der Verwaltung, die besser prüfen müsste. Raumkosten könnten gefördert werden, nur eben keine, die es „tatsächlich nicht gab“.
Doch Nis Kähler weist darauf hin, dass die Horner Gemeinde nicht zu den vom Rechnungshof thematisierten gehöre. Die Gemeinde habe keine Miete, sondern ein geringes „Nutzungsentgelt“ für die Räume genommen, die sie man sonst hätte vermieten können. Das sei vor Jahren mit dem Bezirk so abgesprochen gewesen. Die Gemeinde habe bereits mitgeteilt, dass sie Gelder, die nachträglich als unrechtmäßig angesehen werden, selbstverständlich zurückzahle. Auch habe sie diese Kosten bereits 2025 nicht mehr aufgeführt.
Timo-Klub will noch nicht aufgeben
Musste also die Zuwendung gestrichen werden? Nach Einschätzung des Bezirksamts schon. „Wir bedauern, dass der Standort wegfällt“, erklärt Sprecher Michael Rapp. Was in Horn passiere, sei Teil einer größeren Entwicklung. Viele Kirchen zögen sich aus Aufgaben zurück, das könne man nicht „eins zu eins ausgleichen“.
Die Ehrenamtlerin Lydia H. sagt, der Timo-Klub wolle noch nicht aufgeben. Sie regt an, auf dem Grünstreifen hinter der Kirche Container aufzustellen. „Damit die Kinder im Viertel wenigstens weiter einen Anlaufpunkt haben.“ Dazu sagt der Bezirk, es müsste nun erst ein neuer Träger her, bevor man neue Räume sucht.
An der Tür des Klubs hängt Donnerstag früh ein Aufruf zur Demo. Die freien Träger der OKJA bilden eine AG. Dort gilt der Fall als symptomatisch. Es fehle nicht nur Geld für die Arbeit mit den Kindern, sagt AG-Mitglied Anja Post-Martens. „Es fehlt den freien Trägern auch Geld für elementare Strukturen wie Buchführung und Verwaltung.“ Das lasse sich ohne auskömmliche Finanzierung nicht machen.
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