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Neues ElterngeldVerpasste Chance

Kommentar von

Amelie Sittenauer

Die Elterngeld-Reform könnte positive Effekte haben. Aber insgesamt werden Mütter weiter in eine traditionelle Rolle gedrängt.

E s mag auf den ersten Blick gar nicht so schlecht klingen: Beim Elterngeld soll auf mehr Partnerschaftlichkeit gesetzt werden, auch der Elterngeldsatz soll erhöht werden. Ist das nicht, was Frauen- und Fa­mi­li­en­po­li­ti­ke­r:in­nen seit Langem fordern? Diese Rechnung geht aber nicht auf. Denn Karin Priens Reformplan bedeutet vor allem eine Kürzung. Statt auf 14 Monate soll der Elterngeldbezug künftig auf 12 Monate begrenzt werden. Und auch das leichte Plus kann kaum als das bezeichnet werden: Nachdem das Elterngeld seit seiner Einführung 2007 nicht mehr erhöht wurde, ist der neue Mindestbetrag von 330 Euro statt 300 Euro nicht einmal ansatzweise ein Inflationsausgleich.

Ja, die Neuregelung könnte positive Nebeneffekte haben. Vielleicht nehmen ein paar mehr Väter, von denen bisher 54 Prozent überhaupt kein Elterngeld beziehen, tatsächlich die nun vorgesehenen drei Monate mit ihren Kindern. Das müssten sie, damit eine Familie Elterngeld für ein Jahr erhält. Am Ende der Rechnung bleibt aber trotzdem ein Minus für Familien, für Mütter und ihre Zukunftsentwürfe.

Sie sind es, die verlieren, wenn die Bundesregierung an tradierten Familienrollen festhält, anstatt Sparzwang und Arbeitskräftemangel argumentativ zu nutzen, um bei der Gleichstellungspolitik mal ein paar Kilometer zu machen. Das Elterngeld ist dabei nicht die einzige verpasste Chance. Wie kann es sein, dass es mit dem Ehegattensplitting immer noch eine Subvention von Alleinverdiener-Haushalten gibt, sich die CSU an Minijobs klammern kann und die Kürzung der beitragsfreien Familienmitversicherung nun wieder abgemildert wird?

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Das versteckte Risiko für diese Wahlgeschenke an die Mittelschicht wird auf Frauen ausgelagert. In ihrer Gesamtheit führen sie dazu, dass vor allem Mütter in heterosexuellen Partnerschaften faktisch dazu gedrängt werden, ihre finanzielle und berufliche Unabhängigkeit zu opfern – alles vermeintlich für die Familie. Das ist es, was wir uns echt nicht mehr leisten können.

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5 Kommentare

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  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mütter jetzt haufenweise auf ihre wertvolle und ohnehin knapp bemessene Zeit mit ihrem Kind verzichten wollen, nur damit sie arbeiten gehen können. Eher wird vorher angespart um die Zeit zu überbrücken bzw. viele verzichten ja mittlerweile ganz auf Kinder, verständlicherweise, man darf sich ja kaum noch um sie kümmern (nur Krankendienst, Nachtdienst, Wochenenddienst). Da kann mans dann auch ganz lassen.

  • Ein großes Lob an Familienministerin Karin Prien und die schwarz-rote Koalition! Die geplante Kürzung des Elterngeldes von 14 auf 12 Monate ist ein genialer Coup. Warum mühsam über moderne Rollenbilder streiten, wenn man die Väter durch finanzielle Daumenschrauben ganz pragmatisch wieder zurück ins Büro treiben kann? Das spart dem Staat Geld und beendet dieses lästige Experiment der partnerschaftlichen Erziehung im Keim.



    ​Besonders charmant: Schwarz-Rot leistet hier wertvolle ideologische Amtshilfe für eine zukünftige AfD-Regierung. Die völkischen Strategen in Erfurt und Berlin müssen das Rad gar nicht neu erfinden – die Union ebnet den Weg zurück ins traditionelle Familienbild bereits im vorauseilenden Gehorsam. Wenn das Geld für die gemeinsame Auszeit fehlt, bleibt die Mutter eben wie früher am Herd und der Vater schafft das Geld ran. So geht reibungslose Vorarbeit für den reaktionären Backlash. Danke für diese familienpolitische Zeitreise!

    • @amigo:

      Wieso reaktionärer Backlash?



      Ich habe bei beiden Kinder die ersten 14 Monate in Elternzeit verbracht. Das war weder für mich, die Frau noch den Arbeitgeber oder die Verwandtschaft ein Problem.



      Da meine Frau den besser bezahlten Job hat, war die Entscheidung aus ökonomischen Gründen doch bereits im Vorfeld klar. ob das Rollenbild modern oder traditionell ist, war uns beiden damals vollkommen egal. Und danach hat die Mutter ihren Beruf aufgegeben bis die Kinder zehn Jahre alt waren, weil sie (!) das so wollte. Man/Frau bekommt ja keine Kinder, um den Tag mit Kollegentratsch auszufüllen. das ist schon eine Vollzeit-Aufgabe. Und auch das hat nichts mit Traditionen zu tun, sondern mit gleichberechtigter Familienplanung.

  • "Aber insgesamt werden Mütter weiter in eine traditionelle Rolle gedrängt."



    Wir Mütter bringen nun mal die Kinder zur Welt und geben ihnen die Brust 🤱🏼



    Das wird uns von keinem Mann aufgezwungen, das ist Biologie - und das können nur wir, gebären wie stillen ist Frauensache.



    Somit ist es kein aufgezwungen tradiertes Rollenbild, sondern schlicht der Wille der Natur, dass zum Lebensbeginn maßgeblich die Mutter das Kind umsorgt.



    Kinder zu bekommen ist (in der Regel) eine bewusste Entscheidung.



    Das war noch nie eine Frage des Geldes, weil Kinder waren schon immer teuer und es gab noch nie so viel staatlichen Zuschuss, um die Kosten, die Kinder verursachen, ausgleichen zu können.



    Das Kindergeld und der steuerliche Vorteil sind und waren immer nur eine milde Gabe.



    Und das finde ich gut, weil es nicht Anreiz sein sollte, Kinder zu bekommen um finanziell abgesichert zu sein oder ein "Gehalt" zu simulieren.



    Familie ist eine Lebensentscheidung. Single sein war finanziell schon immer profitabler. Dafür verpasst man alles was Kinder einem geben.



    Wer diese Entscheidung allein vom Geld abhängig macht, setzt aus meiner Sicht den völlig falschen Fokus.

  • Ich werde beim nächsten Kind definitiv keine Elternzeit mehr nehmen. Der finanzielle Verlust ist zu hoch. Es sollte besser endlich der Vaterschaftsurlaub eingeführt werden.