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Amazon-Serie „Off Campus“Wenig Innovation, viel nackte Haut

Nach „Heated Rivalry“ löst nun die nächste Eishockey-Serie einen Hype aus. „Off Campus“ erzählt eine Hetero-Lovestory mit altbekannten Narrativen.

Hannah Wells (Ella Bright) and Garrett Graham (Belmont Cameli) in „Off Campus“ Foto: Liane Hentscher/Prime

Wer eine Erfolgsserie produzieren möchte, kann sich aktuell an ein einfaches Rezept halten. Denn es besteht lediglich aus zwei Zutaten: Eishockey und Sex. Es ist noch nicht lange her, dass die kanadische Serie „Heated Rivalry“ über zwei schwule Eishockeyspieler aus gegnerischen Team einen enormen Hype auslöste. Monatelang fluteten die Fans Tiktok und Instagram mit Memes, in Deutschland waren Public-Viewing-Events in Clubs ausverkauft und der Eishockey-Sport erlebte einen enormen Boost. Die Amazon-Serie „Off Campus“ setzt nun auf die gleiche Rezeptur – nur dieses Mal in hetero.

In der Adaption der Young-Adult-Buchreihe von Elle Kennedy gehen der Hockey-Kapitän Garrett Graham (Belmont Cameli) und die Musikstudentin Hanna Wells (Ella Bright) einen Deal ein. Er, der Player, der Frauen nur körperlich und nicht emotional an sich ranlässt, spielt ihren Freund, damit ihr Love Interest Justin sich in sie verliebt. Im Gegenzug gibt sie ihm Nachhilfe in Philosophie. Dass dieser Deal in der Realität absolut bescheuert ist, spielt keine Rolle. Und wer das infrage stellt, wird in „Off Campus“ nicht auf seine Kosten kommen. Hier geht es nicht um Realismus, nicht um überraschende Wendungen oder darum, neue Geschichten zu erzählen. Es geht einfach um die ganz großen Gefühle – und Sex.

Wie, als Hannah Garrett bittet, sie zum Orgasmus zu bringen, denn das könne sie zwar gut alleine, aber nicht mit einem Mann. Er lässt sich auf die Bitte ein und holt sich Rat bei seinem Teamkollegen. Der hat den Schlüssel, um eine Frau zum Höhepunkt zu bringen; „Vertrauen.“ Garrett gibt sich große Mühe, damit Hannah sich wohl fühlt, doch als sie Sex haben, kann sie nicht loslassen. „Was, wenn ich kaputt bin?“, fragt sie ihn. Garrett schlägt vor, dass sie sich beide selbst zum Orgasmus bringen. Und so sitzen sie kurz darauf beide nackt voreinander und masturbieren. Die Serie lässt sich Zeit, die schwitzenden Körper und stöhnenden Münder zu zeigen.

Die Serie

Off Campus“, 8 Episoden bei Amazon Prime

Das wahre Rezept für den Erfolg

Für die großen Gefühle setzt Serienmacherin Louisa Levy auf altbekannte Narrative. Die Figuren und ihre Hintergrundgeschichten sind schon so oft in Film und Fernsehen erzählt worden, dass es mir fast mühsam erscheint, sie hier vorzustellen. Garrett kriegt zwar jeden Puck ins Tor und jede Frau ins Bett, doch was ihm fehlt, ist ein liebendes Elternhaus. Sein Vater, der ebenfalls erfolgreicher Eishockey-Spieler war, gibt ihm das Gefühl, dass er nur etwas wert ist, wenn er auf dem Eis abliefert. Diesen Druck verlieh er früher – das wird aus Rückblenden klar – auch mit Fäusten Nachdruck.

Hannah dagegen hat gute Beziehungen zu Freunden und Familie, aber es fehlt an Geld und Mut. Sie arbeitet als Kellnerin, bewirbt sich für ein Stipendium, um an der Uni bleiben zu können, und verbringt ihren Abend lieber im Bett mit „Dirty Dancing“ als auf einer Hausparty einer Studentenverbindung. Männer ansprechen oder mit ihnen Sex haben, fällt ihr schwer. Was auch daran liegen könnte, dass sie in der Highschool sexualisierte Gewalt erfahren hat.

Und diese beiden unterschiedlichen Charakter tun nun so, als seien sie in einer Beziehung, bis – und so viel Spoiler sollte an dieser Stelle erlaubt sein – sie sich wirklich ineinander verlieben. Und auch die Nebenfiguren sind so konstruiert, dass sie auch in anderen Young-Adult-Serien wie „The Summer I Turned Pretty“ oder „The Kissing Booth“ auftreten könnten. Wie Allie (Mika Abdalla), die beste Freundin von Hannah, die von ihrer Langzeit-Beziehung gelangweilt ist und sich in den Badboy Dean (Stephen Kalyn) verknallt, den man die ganze Serie nur oberkörperfrei sieht.

Obwohl in der Serie auch schwere Themen wie Gewalt durch Eltern, sexualisierte Gewalt oder Alkoholmissbrauch thematisiert werden, bekommt sie keine Tiefe. Alles bleibt oberflächlich und vorhersehbar. Und genau das ist vermutlich das wahre Rezept für eine Erfolgsserie: eine simple Liebesgeschichte und viel nackte Haut. Das Versprechen, nicht nachdenken zu müssen, sondern sich einfach berieseln zu lassen. 36 Millionen Zuschauer_innen sollen die Serie in den ersten zwölf Tagen gesehen haben, laut Amazon ein Rekordstart. Die Anzahl der Memes von Garrett Graham lassen diese Zahl auf jeden Fall glaubhaft erscheinen. Und sie werden vermutlich erst dann wieder verschwinden, wenn der nächste heiße Eishockeyspieler die Bildschirme erobert.

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