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Deutschlandpremiere von „Heated Rivalry“Hot, hotter, Hockey 

Der Hype um die US-Serie „Heated Rivalry“ ist groß. Bei der Kreuzberger Release-Party singen die Fans alle Songs mit. Es hat etwas von Abifeier.

H olt eure Handys raus und markiert mich auf Insta, dann reposte ich“, ruft DJ Hollywoodtramp. Samstagabend im Gretchen. Die Girls und Gays haben sich im Eishockey-Trikot getroffen, um den deutschen Release der aktuell am meisten gehypten Serie auf Social Media zu feiern: „Heated Rivalry“.

Die Story ist einfach: Zwei junge Eishockeyspieler, Shane Hollander aus Kanada und Ilya Rozanov aus Russland, spielen für rivalisierende Mannschaften, gehören zu den besten der Liga und teilen ein Geheimnis. Was als Affäre beginnt, entwickelt sich über die sechs Folgen der Serie zu einer Romanze, inklusive Hüttenzauber. Die Szene, als Ilya beschließt, Shane in seinem Haus am See zu besuchen („I am coming to the cottage“) ist einer der iconic Momente der Serie, in der sie sich nach einem Hin und Her und extrem vielen Zeitsprüngen doch füreinander entscheiden.

Nun stehe ich mitten auf der Release-Party und warte gespannt auf den Countdown, der hinter dem DJ runterläuft. Ich zupfel an meinem roten Vancouver-Giants-Trikot herum, ein Relikt aus Au-Pair-Groupie-Zeit. Dann ist es so weit: „Eeeeeverything is romantic“, singt Charli XCX und der Saal explodiert, ein Zusammenschnitt aus steamy Dusch- und Kussszenen aus der Serie läuft über die Leinwand. Alle kreischen, ich sehe die Szenen über das Meer an Handys, das mitfilmt.

Seit Wochen vorbereitet

Seit Januar flackert Shanes und Ilyas Liebesgeschichte über meinen Bildschirm: Edits aus der Serie, Interviews mit den Schauspielern, Filmanalysen. Ich dachte, ich sei vorbereitet, doch merke schnell: Die können ja hier jeden Song mitsingen.

Eine junge Frau neben mir sucht ihre eigene hitzige Rivalität und schiebt mir den Ellbogen in den Rücken, nachdem ich ihre Freundin gebeten habe, ihr runtergefallenes Glas aufzuheben. Ich gehe ein Stück zur Seite.

S. steht neben mir, tanzt und trinkt aus ihrem „Rozanov Wodka Lemon“. Eines der beiden Spezialgetränke des Abends. Natürlich trägt die Wodka-Mische den Namen des russischen Spielers. Ein Fotograf des Veranstalters fragt, ob er ein Foto von uns machen kann. „Na, klar“, sagen wir und posieren in unseren Jerseys. „Wie früher, bei den Abipartys“, sagt S. Und ja, ein wenig fühlt es sich an, als müsste heute jemand seine Abschlussfeier finanzieren. Das Publikum, unabhängig von den geladenen Influencern, ist jung, eine Fotobox, Ballons und Pappaufsteller erinnern mich an Motto-Partys in Großraumdiskos.

Fans brauchen keine Abos

Alles ist sehr instagramable. Muss es auch, denn die „Heated Rivalry“-Partys ziehen in den nächsten Monaten durch die Clubs. Der Hype um die Serie war so groß, dass sich viele auf illegalen Plattformen das Hockeydrama runtergezogen haben. „Wir haben einen USB-Stick rumgereicht, wie früher“, erzählte mir eine Kollegin auf Arbeit. Abos brauchen die Fans also nicht, doch die Events ziehen sie an.

„Abgesehen vom ganzen Marketing schaffen diese Partys trotzdem queere Safe Spaces“, schreit mir S. später auf der kleinen Tanzfläche im Raucherbereich ins Ohr. Recht hat sie. Ashley Tisdales 2007er Banger „He said she said“ dröhnt aus den Boxen. Wir wackeln von rechts nach links, sie mit ihrem zweiten „Rozanov Wodka Lemon“, ich mit meinem Eistee. Neben uns tanzt ein Paar mit „Hollander“-Jerseys. Dass Eishockey auch queer sein kann, hat selten eine Serie so einfühlsam gezeigt wie „Heated Rivalry“. Die Sichtbarkeit von Queerness, die durch die Serie, ihre Fans und auch die Partys entsteht, ist besonders in einer immer queerfeindlicheren Welt so wichtig.

S. und ich sind trotz der vielen Banger bald müde und verlassen die Party. Die lange Schlange, die um Mitternacht bis zum Mehringdamm reichte, tanzt nun drinnen zu Tiktok-Hits. Fan-Events verbinden, in einer Zeit, in der es auf Social Media immer schwerer wird, sich persönlich auszutauschen, denke ich und steige in die U7 nach Hause. Durch die Kopfhörer dröhnt t.A.T.us „All the Things She Said“, na klar, ein Song vom Heated-Rivalry-Soundtrack.

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Anastasia Zejneli

Anastasia Zejneli Redakteurin

studierte Wirtschaftspolitischen Journalismus in Dortmund, war Taz-Volontärin, Redakteurin im Auslandsressort und arbeitet aktuell bei Taz2. Schreibt in der Kolumne "Economy, bitch" über Popkultur und Wirtschaft. Bluesky: anastasiazej
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