Alican Uludağ vorerst frei: DW-Reporter aus Untersuchungshaft in Türkei entlassen
Internationale Kritik begleitete den Prozessauftakt gegen einen Deutsche-Welle-Reporter. Seine Zeit in der U-Haft ist nun vorbei, der Prozess jedoch nicht.
dpa | Drei Monate nach seiner Verhaftung ist der Deutsche-Welle-Reporter Alican Uludağ aus der Untersuchungshaft in der Türkei freigekommen. Zuvor hatte ein Gericht in Ankara am ersten Verhandlungstag seine Entlassung angeordnet. Der Prozess soll nach Angaben seines Anwalts am 18. September fortgesetzt werden.
Angeklagt wurde der Journalist wegen Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und der Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X.
Angeklagter weist Vorwürfe zurück
Seit dem Putschversuch 2016 entwickelt sich die Türkei unter Präsident Erdoğan weiter Richtung Autokratie. Das parlamentarische System wurde in ein Präsidialsystem umgewandelt und die Pressefreiheit stark eingeschränkt.
Uludağ selbst wies alle Vorwürfe von sich. Zum Prozessauftakt sagte er, er sei inhaftiert worden, um den Preis für seine journalistische Tätigkeit zu zahlen. „Mein Gewissen ist rein“, zitierte ihn die Nachrichtenseite T24. Er habe seinen Beruf nicht zu seinem eigenen Vorteil, sondern zum Wohle der Öffentlichkeit ausgeübt. Seine Verhaftung bezeichnete er als „Gefahr für den Journalismus“.
Uludağ wurde per Video aus dem Istanbuler Gefängnis Silivri zugeschaltet, in das er nach seiner Verhaftung überstellt worden war. Dieses Vorgehen kritisierte der Co-Vorsitzende der türkischen Anwaltsvereinigung (MLSA), Veysel Ok, da es die Grundrechte auf ein faires Verfahren verletze.
Uludağ: „Nie die Justizorgane herabgewürdigt“
Bereits in seiner Vernehmung hatte sich Uludağ laut Anklageschrift zu seinen Posts auf der Plattform X bekannt, die als Beweismaterial angeführt wurden. Jedoch habe er nie die Justizorgane herabgewürdigt, sondern gezielte Kritik an konkreten Fällen geübt.
Im Gerichtssaal sagte er laut der Tageszeitung Birgün, es gehe bei diesem Verfahren um die Einschränkung der verfassungsmäßig garantierten Presse- und Meinungsfreiheit. „Dies ist eine Einschränkung des öffentlichen Rechts auf Information“, sagte Uludağ demnach.
Sender erleichtert über Freilassung
DW-Intendantin Barbara Massing sei erleichtert über die Freilassung Uludağs, hieß es in einer Mitteilung. Er sei 92 Tage lang „grundlos in Haft“ gewesen. Es sei aber auch beunruhigend, dass das Verfahren fortgesetzt werde. Sie forderte die Einstellung. „Wir stehen weiterhin uneingeschränkt hinter ihm und werden uns für seinen Freispruch einsetzen.“
Kritik an Festnahme
Zum Auftakt des Prozesses hatte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) einen Freispruch für Uludağ gefordert. Die Vorwürfe gegen ihn stützten sich unter anderem auf einen Beitrag auf X, in dem er Maßnahmen der türkischen Regierung kritisierte. „Das ist keine Beleidigung, sondern kritischer Journalismus“, wurde DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster in einer Mitteilung zitiert.
Die Türkei belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 163 von 180 Staaten. Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung.
Bundesregierung forderte ebenfalls Freilassung
Vor Prozessbeginn hieß es aus dem Auswärtigen Amt auf Anfrage: „Die Nachrichten über die Festnahme des DW-Journalisten Alican Uludağ hat in Deutschland für Irritation gesorgt. Die Deutsche Welle und ihre Mitarbeiter im In- und Ausland leisten wichtige Arbeit.“ Diese Arbeit dürfe nicht gefährdet werden. Nach Uludağs Festnahme im Februar hatte der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die Freilassung Uludağs gefordert.
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