Aktuelle Nachrichten in der Coronakrise: Viele Geringverdienende ungeimpft

Eine Umfrage zeigt, dass die Impfquote unter armen Menschen niedriger ist als unter Wohlhabenden. Deutschland kippt viele Einreiseregeln. Die Inzidenz steigt.

Arzt hält Schale mit einer Spritze , einem Pflaster und Coronaimpfstoff in den Händen und trägts dabei Schutzhandschuhe

In den Sommermonaten wird genügend Impfstoff für alle Bevölkerungsschichten bereitstehen Foto: Robert Michael/dpa

Viele Ge­ring­ver­die­ne­r:in­nen noch ohne Impfung

Ge­ring­ver­die­ne­r:in­nen hinken in Deutschland laut einer Studie bei den Impfungen gegen das Coronavirus hinterher. Demnach gaben nur 49 Prozent der Befragten mit niedrigen Löhnen an, schon mindestens ihre erste Impfdosis erhalten zu haben, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des gewerkschaftsnahen Instituts WSI unter mehr als 4.500 Beschäftigten hervorgeht. Bei den Besserverdienern waren es hingegen bereits 71 Prozent.

Insgesamt gaben 59 Prozent der Befragten an, zumindest eine Impfdosis erhalten zu haben; 27 Prozent waren vollständig geimpft. „Da in den Sommermonaten genügend Impfstoff zur Verfügung steht, müssen jetzt alle Bevölkerungsschichten einen niederschwelligen Zugang zu einer Impfung erhalten“, forderte WSI-Expertin Aline Zucco. Ein Impfangebot am Arbeitsplatz sei dafür ein wichtiger Baustein. Der weitere Fortschritt der Impfkampagne hänge dabei letztendlich auch davon ab, dass keine Gruppe abgehängt werde.

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Unter den Ungeimpften mit geringen Löhnen seien auch viele Beschäftigte, die am Anfang der Pandemie „als Heldinnen und Helden der Corona-Krise“ gefeiert worden seien – dazu zählten die besonders exponierten Verkaufsberufe: Nur gut die Hälfte der dort beschäftigten Befragten gab jedoch an, bereits mindestens einmal geimpft zu sein.

Deutliche höhere Impfquoten gab es unter den Befragten aus den medizinischen Gesundheitsberufen (81 Prozent) und dem Bereich Erziehung und Soziales (74 Prozent), wie aus der im Juni erhobenen Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung weiter hervorgeht. (rtr)

Spahn will „Impfruck“ für Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hofft auch ohne allgemeine Expertenempfehlung auf eine rege Beteiligung junger Menschen an der Corona-Impfkampagne. Die Versorgung mit Impfstoffen habe sich inzwischen derart verbessert, dass alle Kinder und Jugendlichen bis Ende August einen ersten Termin erhalten könnten, sagte Spahn am Mittwoch im „Morgenmagazin“ der ARD. „Ich finde, wir sollten die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden lassen.“ Wer wolle, könne geimpft werden.

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission seien wichtige Leitlinien, ergänzte der Gesundheitsminister. Aber es gebe eben am Ende auch einen sicheren und zugelassenen Impfstoff für alle Menschen über zwölf Jahren, der nach individueller Abwägung und Entscheidung verabreicht werden könne. Es sei bereits klar, dass es in nicht geimpften Bevölkerungsgruppen ab Herbst viele Infektionen geben werde, sagte Spahn. Eine hohe Impfquote sei daher „wichtig“.

In erster Linie seien jedoch weiterhin auch die Erwachsenen zu Impfungen aufgefordert, betonte der Minister. Es müsse „ein Impfruck durch Deutschland gehen“. Wer sich immunisieren lasse, schütze immer auch seine Mitmenschen. Das helfe am Ende auch Kindern und Jugendlichen. Es müsse ein Bewusstsein dafür herrschen, dass der Kampf gegen die Pandemie am Ende ein „Teamspiel“ sei.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, gibt ein Statement im Gesundheitsministerium

Jens Spahn hofft auf eine rege Beteiligung junger Menschen an der Corona-Impfkampagne Foto: Jörg Carstensen/dpa

In Deutschland flammte zuletzt erneut eine Diskussion über die Impfung von Kindern und Jugendlichen auf, insbesondere mit Blick auf die Rückkehr in die Schulen nach den Sommerferien. Zwar gibt es in der EU einen Impfstoff, der für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen ist. Die Ständige Impfkommission sprach bisher aber keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche aus. (afp)

Lauterbach besorgt wegen Impfstoff-Schwäche bei Delta

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sorgt sich wegen Berichten über eine möglicherweise verminderte Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante. „Wenn sich die Daten bestätigen, ist das Grund zur Sorge“, sagte Lauterbach der Augsburger Allgemeinen (Mittwochsausgabe). Hintergrund sind Vermutungen israelischer Pandemie-Experten, welche den Anstieg der Ansteckungszahlen in Israel trotz schneller Impfkampagne auf die Delta-Mutation zurückführen.

Die steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen in Israel könnte ein „erstes Signal“ für eine verminderte Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe sein, sagte der Vorsitzende des israelischen Expertengremiums zu Covid-19, Ran Balicer, am Montag. Allerdings sei es noch „zu früh, um präzise Aussagen über die Impfstoff-Wirksamkeit gegen die Variante zu machen“.

Obwohl der Großteil der Erwachsenen in Israel mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer immunisiert wurde, nahmen die Fallzahlen zuletzt wieder zu. Durch eine der schnellsten Impfkampagnen weltweit hatte Israel die Zahl der Neuansteckungen zuletzt auf rund fünf pro Tag reduziert. Mit der Ausbreitung der Delta-Variante stieg die Zahl wieder auf zuletzt rund 300 neue Fälle pro Tag.

„Was mich an der Studie eher noch beunruhigt hat, ist die Tatsache, dass sieben Prozent der Geimpften schwer erkranken konnten“, sagte SPD-Mann Lauterbach der Augsburger Allgemeinen. Möglicherweise sei nicht die Delta-Variante allein für die geringere Wirksamkeit verantwortlich, sondern auch weitgehende Lockerungen. Gefährlich sei jedenfalls die Mischung aus Verbreitung der mutierten Corona-Variante und gleichzeitigen Lockerungen, warnte Lauterbach. (afp)

Impf-Arzt massiv bedroht

Nach Medienberichten über Corona-Impfungen für Kinder in einer Neu-Ulmer Praxis wird der betroffene Arzt in Internet-Netzwerken massiv bedroht. Die Kripo ermittelt wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie anderer Strafvorwürfe. „Es sind zahlreiche Fälle von Beleidigungen und Bedrohungen“, sagte Polizeisprecher Dominik Geißler am Mittwoch. Zunächst hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet.

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Betroffenen ist der Allgemeinmediziner Christian Kröner, der sich bereits seit Anfang der Impfkampagne für die Schutzimpfungen einsetzt und häufig im Fernsehen und anderen Medien präsent ist. Er habe mittlerweile 25 Anzeigen oder mehr bei der Polizei erstattet, sagte er. Ihm werde vielfach gedroht, dass er ermordet werden soll.

Hintergrund sei, dass er auch Kinder ab zwölf Jahren in seiner Hausarztpraxis impfe. Dies ist mittlerweile in Deutschland zulässig. Kröner sagte, er werde sich trotzdem weiter für Impfungen einsetzen. „Ich sehe nicht ein, den Kopf einzuziehen. Das ist ja genau, was die wollen.“ Er habe keine Angst und werde zeitweise auch von der Polizei geschützt, sagte der Arzt. Die Polizei selbst wollte keine Details zu möglichen Schutzmaßnahmen nennen. (dpa)

Einreiseregeln gelockert

Die besonders strengen Reisebeschränkungen für Portugal, Großbritannien und Nordirland, Russland, Indien und Nepal werden von diesem Mittwoch an wieder gelockert. Die fünf Länder, in denen sich besonders ansteckende Coronavirus-Varianten ausgebreitet hatten, werden vom Virusvariantengebiet zum Hochinzidenzgebiet zurückgestuft. Damit ist die Einreise nach Deutschland für alle Personengruppen wieder möglich. Für vollständig Geimpfte und Genesene entfällt die Quarantänepflicht ganz, für alle anderen wird sie verkürzt.

Hintergrund ist, dass die Delta-Variante des Coronavirus auch in Deutschland schon weit verbreitet ist. Der eigentliche Zweck der drastischen Reisebeschränkungen – die Ausbreitung der Delta-Variante zu bremsen – hat sich damit weitgehend erledigt.

Indien war bereits Ende April als Virusvariantengebiet eingestuft worden, im Mai folgten Nepal und Großbritannien. Das EU-Land Portugal und Russland kamen erst am 29. Juni hinzu. Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen dürfen keine Personen aus Virusvariantengebieten nach Deutschland transportieren, es sei denn, sie sind deutsche Staats­bür­ge­r:in­nen oder haben einen Wohnsitz in Deutschland. Zudem gilt bei Virusvariantengebieten bei Einreise eine 14-tägige Quarantänepflicht – auch wenn er oder sie vollständig geimpft oder genesen ist.

Mit der Herabstufung zum Hochinzidenzgebiet entfällt das Beförderungsverbot ganz, die Einreise nach Deutschland ist also für alle Personen mit allen Verkehrsmitteln wieder grundsätzlich möglich. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss nur noch für zehn Tage in Quarantäne, kann sie aber durch einen zweiten negativen Test auf fünf Tage verkürzen.

Ein Flugzeug im Landeanflug

Die Delta-Variante ist ja eh schon hier: Einreisebeschränkungen fallen Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Infektionszahlen in den fünf herabgestuften Ländern sind aber weiterhin hoch. Seit vorletzter Woche steigen die Infektionszahlen insgesamt in Europa. Großbritannien ist das Land mit den höchsten Zahlen in Europa. Portugal hat nach Zypern die höchsten Zahlen in der Europäischen Union.

Mit der Herabstufung der fünf Länder sinkt die Zahl der Virusvariantengebiete weltweit am Mittwoch wieder von 16 auf 11. Die verbliebenen Länder sind Brasilien und Uruguay in Lateinamerika sowie neun Länder in Afrika: Südafrika, Botsuana, Eswatini, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Sambia und Simbabwe. (dpa)

Anstieg bei Sieben-Tage-Inzidenz

Deutsche Gesundheitsämter melden 985 neue Positiv-Tests. Das sind 177 mehr als am Montag vor einer Woche, als 808 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt laut Robert-Koch-Institut (RKI) leicht auf 5,1 von 4,9 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Ein­woh­ne­r:in­nen sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

48 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 91.110. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 3,7 Millionen Coronatests positiv aus. (rtr)

Spahn: Ende der Coronaregeln nicht absehbar

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Hoffnungen auf eine rasche Aufhebung der Coronabeschränkungen gedämpft. Alles hänge von der Impfquote ab, sagt der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Bei den Älteren gebe es eine hohe Bereitschaft, sodass bei den über 60-Jährigen eine Impfquote von 90 Prozent bald erreicht werde.

Bei den Zwölf- bis 59-Jährigen müsse dagegen noch geworben werden, um eine Quote von 85 Prozent zu erreichen. Ihnen müssten niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, etwa auf dem Marktplatz, dem Sportplatz oder neben Moscheen und Kirchen. „Wenn wir das möglichst gut hinkriegen im Juli, dann haben wir auch eine gute Aussicht auf einen Herbst, auf einen Winter mit weniger Auflagen und deutlich weniger Einschränkungen.“

Spahn betonte aber, die AHA-Regeln würden noch eine ganze Zeit gebraucht. Wer geimpft sei, werde aber auf jeden Fall mehr Freiheiten haben. (rtr)

Scholz glaubt an Präsenzunterricht nach Ferien

Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) geht von einem normalen Schulstart nach den Sommerferien aus. „Die Fortschritte bei der Impfkampagne stimmen mich optimistisch, dass normaler Schulunterricht möglich sein wird“, sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) einem Vorabbericht zufolge.

Nach anderthalb Jahren sei es höchste Zeit, wieder in einen normalen Schulalltag zurückzukehren, so Scholz. Der Finanzminister erklärt weiter, dass Masken und konsequentes Testen als Vorsichtsmaßnahme weiter eine Rolle spielen würden. (rtr)

Schü­le­r:in­nen fordern schnelles Impfangebot

Die Bundesschülerkonferenz fordert ein Impfangebot für alle Jugendlichen in den Sommerferien. „Gerade wenn es um den Schulstart nach den Ferien geht, sind Impfungen ein Schlüsselfaktor für sicheren Unterricht“, sagte Generalsekretär Dario Schramm dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch). „Für mich ist klar: Jeder Schüler ab zwölf Jahren muss in den Sommerferien ein Impfangebot bekommen“, unterstrich er.

Das erste Angebot für eine Impfung gegen das Coronavirus müsse schon am Anfang der Ferien erfolgen, damit im besten Fall am Ende der Ferien bereits die zweite Impfung möglich sei.

Viele junge Menschen wollten sich gegen die Delta-Variante des Virus schützen, kämen aber nicht an Impftermine, kritisierte der Schülervertreter. „Ich sehe die Kultusministerien in diesem Prozess genauso in der Verantwortung wie die Gesundheitsministerien“, betonte er. „Sie müssen jetzt schleunigst zusammenkommen und entsprechende Schritte einleiten.“

Die Ständige Impfkommission hat die Impfung für Jugendliche ab zwölf Jahren für Risikogruppen empfohlen, aber nicht generell für alle in dieser Altersgruppe. Dadurch sei die Impfbereitschaft zwar etwas gesenkt worden, sagte Schramm. Es gebe aber dennoch viele Jugendliche, die sich impfen lassen wollten und Schwierigkeiten hätten, an Termine zu kommen. (epd)

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