Aktionäre setzen BP unter Druck: Stimmrechtsberater, einflussreich, sucht etwas Langfristiges
Der fossile Konzern BP hat sich von seinem zögerlichen Klimakurs abgewendet und setzt wieder voll auf Öl und Gas. Wie Aktionäre das verhindern wollen.
rtr/taz | Der britische Öl- und Gaskonzern BP gerät zunehmend unter Druck: Der einflussreiche Stimmrechtsberater Glass Lewis hat den Aktionären des fossilen Unternehmens empfohlen, auf der kommenden Hauptversammlung gegen Verwaltungsratschef Albert Manifold zu stimmen.
Grund sei die Entscheidung von BP, eine von Aktivisten eingebrachte Klimaresolution nicht zur Abstimmung zuzulassen, wie aus einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Mitteilung hervorgeht. Der Antrag der Aktionärsgruppe „Follow This“ hatte vom Konzern gefordert, seine Langfriststrategie für den Fall einer sinkenden Nachfrage nach Öl und Gas offenzulegen.
Unter der neuen Vorstandschefin Meg O'Neill schwenkt BP strategisch wieder stärker auf das Öl- und Gasgeschäft zurück. Ihr Vor-Vorgänger Bernard Looney hatte 2020 noch angekündigt, bis 2030 die Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent zu senken und bis 2025 20 Gigawatt Kapazität erneuerbarer Energien auszubauen. Tatsächlich waren es im Februar vergangenen Jahres nur 8,2 Gigawatt, wie Reuters berichtete.
BP bezeichnete den Glauben an eine rasche Energiewende als „unangebracht“. Der Konzern hat seine Windenergiesparte bereits abgestoßen und sucht noch nach einem neuen Partner für sein Solarstromgeschäft. Darüber hinaus hat BP mehrere Wasserstoffprojekte abgebrochen, darunter ein Großvorhaben im australischen Pilbara.
Glass Lewis gilt als einflussreich
Empfehlungen großer Stimmrechtsberater wie Glass Lewis gelten als richtungsweisend für das Abstimmungsverhalten vieler Investoren. BP hatte den Antrag von „Follow This“ als ungültig und bei einer Annahme als wirkungslos bezeichnet. Die Entscheidung werfe jedoch „weitere Fragen zur Transparenz, zur Kommunikation mit den Aktionären und zur Reaktion auf deren Anliegen auf“, erklärte Glass Lewis.
Auch der Berater ISS hatte den Aktionären empfohlen, bei Anträgen zur Klimaberichterstattung gegen den BP-Vorstand zu stimmen. Zum Beispiel verlangen das Australasian Centre for Corporate Responsibility und mehrere Pensionsfonds laut Financial Times, dass der Verwaltungsrat von BP den Anstieg der Investitionen in Öl und Gas rechtfertigt. Die Hauptversammlung findet am 23. April statt.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert