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AfD-Besuch in ÖsterreichNachhilfe in Sachen Machtergreifung

Eine Delegation der AfD Sachsen-Anhalt trifft sich zum Meinungsaustausch mit Kollegen der rechtsextremen FPÖ. Deren Chef Herbert Kickl ist voller Lob.

Florian Bayer

Aus Wien

Florian Bayer

Regierungsnachhilfe in Österreichs Hauptstadt Wien: Am Dienstag hat eine sechsköpfige Delegation der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt hochrangige Kollegen von der FPÖ besucht. Dabei trafen auch AfD-Landesparteichef Ulrich Siegmund und FPÖ-Chef Herbert Kickl aufeinander. Inhalte zum Treffen wurden nicht bekannt, eine Pressekonferenz gab es nicht.

Man habe sich ausgetauscht, „um wertvolle Erfahrungswerte für die bevorstehende Regierungsarbeit zu sammeln“, schrieb die AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt in den sozialen Medien. Was die beiden Parteien verbinde? „Die Liebe zu unserer Heimat und die Überzeugung, dass Politik wieder konsequent für die eigenen Bürger gemacht werden muss“, so Kickl. Es brauche einen „echten Systemwechsel“, darüber sei man sich einig. Der gemeinsame Austausch sei „wirklich gut und wertschätzend“ gewesen.

Kürzlich klang das noch ein wenig anders. Im ORF-Sommergespräch am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt wies Kickl die Bezeichnung „Schwesterpartei“ gereizt zurück: Wer davon spreche, solle ihm „sagen, wer die gemeinsamen Eltern sind“. Es gebe Gemeinsamkeiten, aber auch „viele Unterschiede“. Konkret nannte er nur die Atomkraft, die in Österreich ohnehin keine Rolle spielt. Schnittmengen gebe es hingegen bei Asyl, Zuwanderung, Energiepolitik. Den AfD-Sieg feierte er in derselben Sendung als „demokratische Sternstunde“.

Dass sich die FPÖ zuvor ein Stück weit distanziert hatte, spielte Siegmund im österreichischen Boulevardsender oe24 herunter. Bei CDU und CSU handle es sich um eine Schwesternschaft, nicht aber bei FPÖ und AfD, die aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen kämen. Siegmund: „Wir unterstützen uns gegenseitig, weil wir ein gemeinsames Ziel haben.“ Ganz ähnlich argumentierte die FPÖ: Ein Naheverhältnis wie bei CDU/CSU bestehe nicht. Der Kontakt zwischen den beiden Parteien sei dennoch freundschaftlich.

Harte Asyl- und Zuwanderungspolitik

Inhaltlich liegen beide dennoch eng beieinander. Sie setzen auf eine harte Asyl- und Zuwanderungspolitik, haben den rechtsextremen Kampfbegriff „Remigration“ in ihre Wahlprogramme übernommen und lehnen eine ehrgeizige Klimapolitik ab. Unterschiede zeigen sich im Detail: Die AfD will raus aus dem Euro und zurück zur Atomkraft, die FPÖ nicht. Im EU-Parlament sitzen sie in unterschiedlichen Fraktionen.

Strategisch ist die 1956 gegründete FPÖ der AfD voraus. Nach Jahrzehnten voller Höhen und Tiefen ist die FPÖ längst zur dritten Großpartei geworden. Bei der Nationalratswahl 2024 wurde sie mit knapp 29 Prozent stimmenstärkste Partei. Sie regiert zudem in fünf Bundesländern mit, in der Steiermark stellt sie gar den Landeshauptmann. Eine Brandmauer gab es in Österreich ohnehin nie.

Genau dieses Know-how sucht die AfD. Es reiche nicht, Wahlsieger zu sein, man brauche auch „das handwerkliche Rüstzeug“, so Ko-Fraktionschef Oliver Kirchner. Man wolle lernen, welche Fehler zu vermeiden seien, kopieren wolle man die FPÖ aber nicht, sagte Siegmund gegenüber oe24. Kickl bezeichnete er „definitiv“ als sein politisches Vorbild.

Neue Erfolgsgeschichten

Für beide kommt der Schulterschluss gelegen: Mit Ungarns früherem Ministerpräsidenten Viktor Orbán ist ihnen nach dessen Wahlniederlage ihr erfolgreichster Verbündeter in Europa abhandengekommen. Neue Erfolgsgeschichten liefert nun die AfD – jedenfalls bis zu den erhofften FPÖ-Wahlerfolgen in Oberösterreich und Tirol in einem Jahr.

Das Treffen nützt beiden: Die FPÖ kann sich als Vorreiterin präsentieren und zugleich auf der Erfolgswelle der AfD mitschwimmen. Die AfD schmückt sich mit einer Partei, die längst etabliert ist und mitregiert. Gemeinsame Projekte oder Inhalte braucht es dafür gar nicht. Es reichen Fotos strahlender Parteichefs und ein paar knappe Zeilen auf Social Media.

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7 Kommentare

  • amigo

    Dass sich die AfD Sachsen-Anhalt ausgerechnet bei der FPÖ Nachhilfe in Sachen Machtergreifung holt, überrascht wohl niemanden mehr. Wer wissen will, wie man den Staat zur Beute macht und demokratische Institutionen von innen aushöhlt, findet in Wien bekanntlich beste Lehrmeister.



    ​Wenn Herbert Kickl voll des Lobes für die ostdeutschen Gesinnungsgenossen ist, wächst zusammen, was ideologisch zusammengehört. Man tauscht sich heutzutage wieder grenzüberschreitend darüber aus, wie man die Demokratie am effektivsten zerlegt. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Herren in ihrer deutschnationalen Seligkeit laut darüber nachdenken, Österreich gleich wieder „heim ins Reich“ zu holen – diesmal eben als blau-braunes Gesamtkunstwerk.



    ​Wer den Schulterschluss mit solchen Kräften sucht, zeigt ungeniert, wohin die Reise gehen soll: Nicht in eine politische Verantwortung, sondern direkt zurück in die dunkelsten Kapitel der Geschichte.

    • Comerade Aardvark

      @amigo:

      So gut war die FPÖ im Beutemachen bisher nicht, jedenfalls nicht auf Bundesebene. Sowohl unter Kanzler Schüssel als auch unter Kurz sind sie vor allem durch Stümperei in dieser Disziplin aufgefallen und haben jeweils hinterher enorm an Wählerstimmen eingebüßt. Es wäre gefährlich zu hoffen, dass die AfD es genauso machen würde - allerdings erlaube ich mir diese Hoffnung.

  • Zange

    Siegmund fährt Simson? Wir fahren Wartburg! ( Frei nach Jürgen Klopp)

  • Bambuspanda

    Na da sollte sich die AfD auch gleich noch von der FPÖ beraten lassen, wie man es macht, dass Korruption und Vetternwirtschaft



    nicht so schnell auffliegen, wie bislang noch in der AfD.



    Da dürfte die FPÖ nach ihrem kurzzeitigen Vorzeigekanzler Kurz ja einiges dazu gelernt haben.

    Was ich in meinem auch politischen Leben bislang wahrgenommen habe in diesem Lande- je weiter rechts, desto größer die Bereitschaft sich korrumpieren zu lassen.

    Irgendwie auch logisch im Kleinen wie im Großen - ich/wir zuerst.



    Das ist ja auch der "Witz" am nationalistischen Gedankengut, der sich immer mehr in der Welt verbreitet.

    Spinnen wir uns mal vor, alle Nationalisten Europas haben ihren Traum erfüllt und bestimmen nun die Geschicke ihres Landes.



    Jedes Land vertritt wie der irre Imperator in den USA - wir zuerst!

    Da werden aus ehmaligen "Freunden" dann ganz schell Gegner, wenn jeder bevorzugt werden möchte und läuft nur so lange gut, wie der/die Stärksten noch am längeren Hebel sitzen, wie es die Trump-USA noch aufzeigt.

    Das Nationalistische ist also in sich völlig unlogisch, da es zwingend scheitern muss sobald die Schnittmenge überschritten wird.

    • Comerade Aardvark

      @Bambuspanda:

      Kurz war von der ÖVP. Und etwa genau so lange Chef einer Schwarz-Blauen wie Chef einer Schwarz-Grünen Regierung.

    • Klaus Waldhans

      @Bambuspanda:

      Nur ganz kurz. Kurz war ÖVP-Kanzler, aber politisch könnte er genauso FPÖler sein

    • meister

      @Bambuspanda:

      Kurz ist weder in der FPÖ noch gibt es eine Verurteilung gegen ihn.