+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump setzt Iran Ultimatum für Öffnung der Straße von Hormus
Der US-Präsident droht Teheran mit der Zerstörung von Kraftwerken, sollte das Regime die Schiffspassage nicht freigeben. Iran droht mit Vergeltungsschlägen.
Trump setzt Iran Ultimatum für Öffnung der Straße von Hormus
Im Iran-Krieg droht eine weitere Eskalation, die die globalen Energie- und Finanzmärkte schwer erschüttern könnte. US-Präsident Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus gestellt und andernfalls mit der Zerstörung von Kraftwerken gedroht. „Wenn der Iran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden ab genau diesem Zeitpunkt vollständig und ohne Bedrohung öffnet, werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihre diversen Kraftwerke angreifen und vernichten, angefangen beim größten!“, erklärte Trump am Samstag in den sozialen Medien.
Die Reaktion des Iran kam prompt: Das iranische Militär teilte am Sonntag mit, im Falle eines US-Angriffs auf die Energieinfrastruktur sämtliche US-Anlagen zur Energie- und Wasserversorgung sowie Informationstechnologie in der Region ins Visier zu nehmen. Der Vertreter des Iran bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), Ali Mussawi, sagte der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Mehr zufolge, die Meerenge bleibe für alle Schiffe geöffnet, mit Ausnahme von jenen, die mit „Feinden des Iran“ in Verbindung stünden. Die Durchfahrt sei nach vorheriger Abstimmung mit der Regierung in Teheran möglich. Er machte zudem israelische und US-Angriffe auf den Iran für die aktuelle Lage in der Straße von Hormus verantwortlich.
Ein Angriff auf die größten Kraftwerke des Iran könnte weitreichende Stromausfälle auslösen und den stark vernetzten Energiesektor lahmlegen – von Pumpen und Raffinerien bis hin zu Exportterminals. Zu den größten Anlagen des Landes gehören das Kraftwerk Damawand nahe Teheran, die Anlage in Kerman im Südosten und Ramin in der Provinz Chusestan. Sie alle haben eine sehr viel höhere Kapazität als das einzige Kernkraftwerk des Landes in Buschehr.
Die Straße von Hormus – ein Nadelöhr für den Transport von Öl und Flüssiggas auf See – ist faktisch nicht passierbar, seit der Iran-Krieg Ende Februar begonnen hat. Als Folge der Öl- und Gas-Knappheit stiegen die Preise für diese Rohstoffe massiv an. An den Finanzmärkten wächst die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen. Trumps Drohung sei eine „tickende Zeitbombe“, sagte Marktanalyst Tony Sycamore vom Broker IG. Werde das Ultimatum nicht zurückgenommen, drohe ein „Schwarzer Montag“ mit Kursabstürzen an den Aktienmärkten und massiv steigenden Ölpreisen. Bereits am Freitag hatten die Ölpreise den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht. Der japanische Außenminister Toshimitsu Motegi kündigte an, sich an einer Minenräumung in der Straße von Hormus zu beteiligen, vorausgesetzt es gebe einen Waffenstillstand.
Bislang wurden mehr als 2.000 Menschen getötet
Auch die gegenseitigen Angriffe gingen weiter. In dem am 28. Februar von den USA und Israel begonnenen Krieg wurden bislang mehr als 2000 Menschen getötet. Das israelische Militär griff am Sonntag Ziele in Teheran an. Zuvor hatten iranische Raketen am späten Samstagabend die südisraelischen Städte Dimona und Arad getroffen, wobei Dutzende Menschen verletzt wurden. Etwa 13 Kilometer von Dimona entfernt befindet sich ein israelischer Atomreaktor. Die israelischen Abwehrsysteme hätten zwar ausgelöst, die Raketen jedoch nicht gestoppt, erklärte der israelische Militärsprecher Effie Defrin auf der Plattform X.
Israel bestätigte zudem, dass der Iran zwei ballistische Raketen mit einer Reichweite von 4000 Kilometern auf den amerikanisch-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean abgefeuert hatte. „Diese Raketen sind nicht für Angriffe auf Israel gedacht. Ihre Reichweite reicht bis zu europäischen Hauptstädten – Berlin, Paris und Rom liegen alle in direkter Bedrohungsreichweite“, sagte der israelische Militärchef Ejal Samir. (rtr)
Mehrere nächtliche Luftangriffe auf Flughafen von Bagdad
Der Flughafen von Iraks Hauptstadt Bagdad ist inmitten des Iran-Krieges Ziel mehrerer nächtlicher Luftangriffe geworden. Ein irakischer Sicherheitsvertreter sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag von insgesamt „acht separaten Angriffen bis zum Morgengrauen mit Raketen und Drohnen“. Sie richteten sich demnach gegen ein diplomatisches und logistisches Zentrum der USA am internationalen Flughafen von Bagdad.
Einige Raketen schlugen demnach „in der Nähe der Basis“ ein. Ein weiterer Sicherheitsvertreter sprach von sechs Angriffen, während es aus Polizeikreisen hieß, dass in einem Stadtteil von Bagdad nahe des Flughafens ein Raketenwerfer entdeckt worden sei.
Zuvor hatten iranische Staatsmedien berichtet, dass ein Armeestützpunkt nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad mit Drohnen angegriffen worden sei. Der Stützpunkt nahe dem internationalen Flughafen von Bagdad sei „erneut zum Ziel von Drohnenangriffen geworden“, berichtete die Nachrichtenagentur Irna am Sonntag. Der Militärkomplex war in der Vergangenheit von der US-Armee genutzt worden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist Bagdad immer wieder Ziel von Drohnenangriffen, die Angriffe richteten sich unter anderem gegen den Flughafen und weitere vom US-Militär genutzte Einrichtungen. Auch die Kurdenregion im Nordirak wurde seitdem immer wieder attackiert. Diese Angriffe wurden pro-iranischen Gruppen zugeschrieben. (afp)
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