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Palästina-Flagge vor dem BundestagAktivist ersetzt Deutschland-Flagge

Am Sonntagmittag hat ein Aktivist die Flagge Deutschlands vor dem Bundestag gegen eine Palästina-Flagge ersetzt. Die taz ist vor Ort.

Gereon Asmuth

Aus Berlin

Gereon Asmuth

Am Sonntagmittag ist ein Mann mit professioneller Kletterausrüstung auf die Fahnenstange vor dem Bundestag geklettert. Laut Augenzeugen schien er Klettererfahrung zu haben. Als er die Spitze der ungefähr 30 Meter hohen Stange erreichte, tauschte er die Deutschlandflagge gegen eine Palästina-Flagge aus und spannte sie aus, damit sie im Wind wehte.

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr waren schnell mit einem Leiterwagen vor Ort. Mit dem Wagen begleiteten sie zunächst den Kletterer bei seinem selbstständigen Abstieg. Die Polizei nahm ihn am Boden in Gewahrsam. Er hob die Hand, und einige der mittlerweile mehr als einhundert Passanten, die sich nahe des Reichstags versammelt und ihn beobachtet hatten, applaudierten ihm.

Am Boden erklärte ein Feuerwehrmann, der als Tourist zufällig vor Ort war, dass so eine Drehleiter eine Höchstausfahrhöhe von 30 Metern habe, also knapp bis zur Spitze der Fahnenstange reiche. Die Feuerwehr hob derweil mit der Drehleiter in Richtung Fahnenspitze ab und entfernte die Palästina-Flagge. Auch die Einsatzkräfte erhielten Applaus aus der Passantentraube. „Die sollten den Kollegen nicht nur applaudieren, sondern ihnen Geld spenden“, meinte der Feuerwehrmann, der als Tourist in Berlin war, am Boden.

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Aktion angekündigt worden ist. Die Polizei hat die Personalien zweier Männer festgestellt, einer von ihnen hatte ein schwarz-weißes Palituch umgehängt. Sie sollen dem Kletterer beim Aufstieg geholfen haben. Gegen 12.30 Uhr war der Mast vor dem Reichstagsgebäude flaggenlos.

Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, war gegen 11.30 Uhr ein 22-Jähriger auf den Fahnenmast geklettert. Gegen ihn und seine zwei Unterstützer werde nun vom Polizeilichen Staatsschutz des Landeskriminalamtes wegen des Verdachts der Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, des Verdachts der gemeinschädlichen Sachbeschädigung, des Verstoßes gegen das Versammlungsfreiheitsgesetz Berlin sowie des Verdachts des Hausfriedensbruchs ermittelt.

Initiative bekennt sich zu Aktion

Zur Aktion bekannte sich die Initiative Peacefully Against Genocide, eine deutschlandweit agierende Gruppe, die laut eigenen Angaben mit gewaltfreien Aktionen auf „den Genozid in Gaza“ aufmerksam machen wollte, erklärt Daniel Goepel von der Initiative, der vor Ort war. Die Polizei nahm sowohl von ihm als auch von einem weiteren Mann die Personalien auf, weil sie dem Kletterer die Leiter gehalten hatten.

Laut Goepel hing bis zum Mittag eine Deutschlandflagge an der Stange, die der Kletterer ausgetauscht habe. Der sei Profi und habe gewusst, was er tat. Die Deutschlandflagge sei am Boden von der Polizei gesichert worden.

Deutschland sei Mittäter an einem Völkermord, sagte Goepel anschließend. Der Bundeskanzler gehöre vor Gericht, weil mit deutschen Waffen Menschen ermordet würden, führte er aus. Die Gruppe habe vor ziemlich genau einem Jahr schon eine ähnliche Aktion gemacht. Damals sei am Brandenburger Tor nicht nur eine Palästina-Flagge aufgehängt worden, sondern ein Protest-Banner.

„Wir dürfen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen“, sagte der Kletterer Aaron laut einer am Nachmittag von Peacefully Against Genocide verschickten Erklärung. Die Aktionsgruppe stelle sich mit gewaltfreiem zivilen Widerstand gegen die deutsche Beteiligung am Völkermord in Palästina, heißt es weiter. Vom 15. November bis zum 22. November kündigt die Gruppe Proteste gegen die Rheinmetall-Waffenfabrik im Berliner-Wedding an.

Anm. der Redaktion: Der Text wurde im Laufe des Tages mehrmals aktualisiert.

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