Brasiliens Wahlverlierer haut ab : Lügner und Feigling
Flávio Bolsonaros Flucht ist ein Schuldeingeständnis – er will seine Haut retten. Doch für Wahlsieger Lula könnte der Schritt zum Problem werden.
E r hat es wieder getan. Er kann offenbar nicht anders als zu lügen. Am Montag behauptet er noch, er denke nicht daran, sein Land zu verlassen. Da war seine Ausreise vermutlich längst geplant. Nun ist er weniger als 48 Stunden nach seiner Wahlniederlage ins Ausland geflohen; das genaue Land war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses unklar. Flávio Bolsonaro ist nicht nur ein notorischer Lügner, er ist auch ein Feigling. Zuerst wollte er das Wahlergebnis nicht akzeptieren. Dann schien er sich zu fügen und wollte die Opposition organisieren. Und am Dienstag war er plötzlich nicht mehr da.
Flávios Flucht ist ein indirektes Schuldeingeständnis, über das dessen billige Rhetorik des politisch Verfolgten nicht hinwegtäuschen kann. Der unterlegene Kandidat lässt Parteifreunde und Fans gleichermaßen im Stich, um seine eigene Haut zu retten. In Brasilien droht ihm eine Gefängnisstrafe, wenn er seine parlamentarische Immunität Ende Januar verliert. In den USA wäre er willkommen: Verbündete sagen, die US-Regierung werde ihm ein Visum ausstellen.
Plant er eine Art Exilregierung?
Die Partei des Flüchtlings versucht derweil, sich neu zu ordnen. Manche mag Flávios Abwesenheit freuen, so kann sich die PL vom Bolsonaro-Clan emanzipieren, es entsteht Platz für Wechsel in der Führung.
Dass ausgerechnet Bundesrichter Alexandre de Moraes die Ausreise untersagt hat, ist für viele Rechte ein Grund mehr, dessen Amtsenthebung zu fordern – der Richter hatte einst den Vater Bolsonaros zu einer Haftstraße verurteilt.
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Noch ist nicht klar, ob es US-Außenminister Rubio war, der die Flucht unterstützte. Sollte sich die US-Regierung ernsthaft für den Senator engagieren, könnte daraus noch vor Beginn von Lulas vierter Amtszeit eine Krise entstehen, die dessen ohnehin schwierige Position angesichts des rechts dominierten Kongresses nicht vereinfacht. Manche befürchten, der Verlierer könne eine Art Exilregierung anstreben.
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