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Brasiliens Wahlverlierer haut ab Lügner und Feigling

Christine Wollowski

Kommentar von

Christine Wollowski

Flávio Bolsonaros Flucht ist ein Schuldeingeständnis – er will seine Haut retten. Doch für Wahlsieger Lula könnte der Schritt zum Problem werden.

E r hat es wieder getan. Er kann offenbar nicht anders als zu lügen. Am Montag behauptet er noch, er denke nicht daran, sein Land zu verlassen. Da war seine Ausreise vermutlich längst geplant. Nun ist er weniger als 48 Stunden nach seiner Wahlniederlage ins Ausland geflohen; das genaue Land war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses unklar. Flávio Bolsonaro ist nicht nur ein notorischer Lügner, er ist auch ein Feigling. Zuerst wollte er das Wahlergebnis nicht akzeptieren. Dann schien er sich zu fügen und wollte die Opposition organisieren. Und am Dienstag war er plötzlich nicht mehr da.

Flávios Flucht ist ein indirektes Schuldeingeständnis, über das dessen billige Rhetorik des politisch Verfolgten nicht hinwegtäuschen kann. Der unterlegene Kandidat lässt Parteifreunde und Fans gleichermaßen im Stich, um seine eigene Haut zu retten. In Brasilien droht ihm eine Gefängnisstrafe, wenn er seine parlamentarische Immunität Ende Januar verliert. In den USA wäre er willkommen: Verbündete sagen, die US-Regierung werde ihm ein Visum ausstellen.

Plant er eine Art Exilregierung?

Die Partei des Flüchtlings versucht derweil, sich neu zu ordnen. Manche mag Flávios Abwesenheit freuen, so kann sich die PL vom Bolsonaro-Clan emanzipieren, es entsteht Platz für Wechsel in der Führung.

Dass ausgerechnet Bundesrichter Alexandre de Moraes die Ausreise untersagt hat, ist für viele Rechte ein Grund mehr, dessen Amtsenthebung zu fordern – der Richter hatte einst den Vater Bolsonaros zu einer Haftstraße verurteilt.

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Noch ist nicht klar, ob es US-Außenminister Rubio war, der die Flucht unterstützte. Sollte sich die US-Regierung ernsthaft für den Senator engagieren, könnte daraus noch vor Beginn von Lulas vierter Amtszeit eine Krise entstehen, die dessen ohnehin schwierige Position angesichts des rechts dominierten Kongresses nicht vereinfacht. Manche befürchten, der Verlierer könne eine Art Exilregierung anstreben.

Christine Wollowski

Christine Wollowski Brasilien-Korrespondentin

Christine Wollowski ist Mitglied des internationalen Korrespondentennetzwerkes weltreporter.net und Brasilien-Korrespondentin der taz. Außer über Tagespolitik schreibt sie vor allem über soziale Ungleichheit, Rassismus und Umweltfragen.
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11 Kommentare

  • Juhmandra

    Naja, der "Herr der gestohlenen Wahlen" lädt den Kollegen im Geiste nach Mordor....völlig abstrus und realitätsfremd!

    Bin ja mal auf die Kommentare von DJT gespannt

  • Philippo1000

    Eine gute Überschrift.



    Genau das sollte man*frau dem Macho langfristig vorhalten, denn es ist ebenso wahr, wie unbequem für den Looser.



    Die Aufnahme durch Trump ist ein weiterer Schritt weg von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in den USA. Es bleibt zu hoffen, dass trump bei den Midterms deutlich verliert, damit der Anfang vom Ende des Egomanen eingeläutet wird.

  • Janix

    Vergessen wir erst mal nicht, dass die Parlamente im Land stark von der Bolsonaro-Seite geprägt sind. Aber aus dem Ausland kann der mutmaßlich kriminelle Sohn-von weniger machen. Und ist kein Märtyrer für Unbelehrbare.

  • Mondschaf26

    The Land Of The Free.. „Kommt zu mir, ihr Unterdrückten!“



    de.wikipedia.org/w...me,_ye_opprest.jpg

  • Ward Ed

    Huij, DJT hat immer vermittelt, dass kriminelle Migranten erst ins Krokodilcamp und dann Raus aus den USA ins Nirgendwo (Pokémon) gehören. Ausgerechnet so ein (mutmaßlich) krimineller Südamerikaner wird ausgerechnet aus Südamerika zur Halloweenparty nach Florida eingeladen? Klingt nach „Kriminalitätsimport“. Man reibt sich die Augen und kann es kaum glauben. Da wird das Presseamt aber viel zu tun haben.

    • Zangler

      @Ward Ed:

      Es geht dabei doch um die von Trumps handverlesenen Richtern verurteilten bzw. durch seine Dekrete für kriminell erklärten Kriminellen, nicht um „Opfer woker Willkürjustiz”!



      *Sarkasmus OFF*

    • Westlahn

      @Ward Ed:

      Der Mann reist ja zum einen nicht als (krimineller) Brasilianer. Sondern als Italiener. Zum anderen gilt Geldwäsche jenseits des 7-8 stelligen Bereichs bei den über dieses Visa entscheidenden Leuten -jeder kann jetzt raten, wen ich da meine- wohl eher nicht als Straftat, sondern als Notwehr.



      Aber es stimmt natürlich: Sein Vater hatte wenigstens die Eier im Land zu bleiben. Für den Sohnemann gilt nicht einmal das.



      Aber es wird wohl trotzdem eine Fraktion seiner Klientel in Brasilien (Evangelikale ?) geben, die ihn immer noch als armen verfolgten Heilsbringer sehen, der sich im Exil auf seine (politische) Wiedergeburt vorbereitet...

  • Il_Leopardo

    Er ist einfach nur ein Krimineller, der sich über fiktive Anstellungen von circa 20 Personen aus seinem unmittelbaren Umfeld als parlamentarische Mitarbeiter bereichert hat. So hat es auch schon der Vater zu seinem Vermögen gebracht. OK - gegen Trump und Konsorten ist der eher ein Waisenknabe.

  • Troll Eulenspiegel

    Ein Schurkenstaat heißt einen Schurken Willkommen. Die Flucht führte indes über Argentinien. Natürlich lässt Milei ihn gewähren. Wenn aber einfache Menschen ihr Elend hinter sich lassen wollen, dann werden sie an der Grenze abgewimmelt. So sieht die Realität aus.

  • davux

    Wer kennt sie nicht, die Canyonero-Folge der Simpsons. Ich bemühe meinen Sopran, wenn ich "Bolsonaro" höre. Wieder ein Cowboy des klassischen Western, der gen untergehende Sonne reitet.



    Die Peitsche schlägt aus, nachdem sein Name gerufen wird.



    Alles nur ein Spot. Swipe.

  • Ice-T

    Spätestens bei der nächsten blauen US Regierung wird dieser Wahlverlierer nach Brasilien ausgeliefert, wo er seine gerechte Strafe bekommt.



    Viel Spaß dann beim Rudelduschen, Senator Bolsonaro.