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Datenkrake MetaBlankoscheck selbst ausgestellt

Laut den neuen Nutzungsbedingungen möchte Meta nun auf alle möglichen Inhalte zugreifen. Zeit, dass sich die EU dagegen wehrt.

Tech-Konzerne bedienen sich an unseren Daten, ohne Rücksicht auf Gesetze: Das ist nicht neu. Eine Schreckensnachricht sind die aktualisierten Nutzungsbedingungen von Meta für kommerzielle Nutzer dennoch.

Laut dem Kleingedruckten möchte der Mutterkonzern von Instagram, Facebook und Whatsapp nun auf alle möglichen Inhalte zugreifen dürfen. Nicht nur jeden geteilten Link will der Tech-Konzern auswerten und weiterverwenden, sondern die gesamten dahinterliegenden Websites. Dem zu widersprechen ist nicht wirklich möglich, möchte man die Dienste weiterhin nutzen. Der einzige Weg zu widersprechen, ist der Abschied.

So stellt sich Meta selbst einen Blankoscheck aus. Inhalte will es für alles Mögliche weiternutzen, etwa für Werbung oder eigene Produkte. Meta könnte damit beispielsweise journalistische Arbeit stehlen, mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) kopieren und sie in Konkurrenz zum betroffenen Medium auf den eigenen Plattformen veröffentlichen. Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP) laufen dagegen Sturm. Sie sehen einen Verstoß gegen geltendes Recht – zu Recht.

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Einige Vorstellungen Metas sind, zumindest rechtlich gesehen, unbedenklich: Das Verlinken von Artikeln auf der Plattform und Artikelvorschauen etwa sind erlaubt. Unbedenklich ist auch, die KIs mit öffentlich auffindbaren Inhalten zu trainieren. KI-Konzerne wie OpenAI dürfen diese ohne explizite Zustimmung der Urheber abrufen und nutzen – wenn Letztere nicht widersprechen. Ein schriftlicher Vorbehalt genügt, und die KI darf mit den Inhalten nicht gefüttert werden – bislang.

Meta baut seine Macht aus

Aber was, wenn jemand etwa im Code der Website widerspricht, wie es beispielsweise die taz macht, den Nutzungsbedingungen aber zustimmt? Käme es hier zu einem Prozess, wären die neuen Bedingungen schnell gekippt. Nach dem Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) müssen Plattformen fairen und angemessenen Zugang schaffen.

Auch ist es rechtlich nicht zulässig, einfach etwas zu erklären, das Nut­ze­r*in­nen einseitig benachteiligt. Jeden Prozess darüber würde Meta mit seinen missbräuchlichen Bedingungen verlieren. Nur: Recht dauert. Und bis zur Klärung kann Meta Tatsachen schaffen, indem es etwa seine KI-Modelle mit Inhalten trainiert. So treibt Meta das Machtgefälle zwischen KI-Plattformen und dem Journalismus weiter voran.

Die EU-Kommission könnte das verhindern. Es ist sowohl ihr Recht als auch ihre Aufgabe, die Nutzungsbedingungen von Plattformen zu prüfen und gegebenenfalls sogar Strafen zu verhängen. Dafür müsste sie eilig ein Nichteinhaltungsverfahren einleiten. Oder Druck aufbauen, damit Meta freiwillig nachbessert. Höchste Zeit also, dass sie zuerst einmal rhetorisch draufhaut. Bringt das nichts, könnte sich die Kommission die 25 Milliarden US-Dollar schwere Strafe zum Vorbild nehmen, die jüngst ein US-Gericht gegen Meta verhängte.

Doch leider deutet bisher alles darauf hin, dass wir uns mit schnellen Schritten in die entgegengesetzte Richtung bewegen: Das letzte digitale Reformpaket der EU, der Digital Omnibus, kommt Konzernen weit entgegen. Auch die von der Bundesregierung geplante Digital-Abgabe droht gerade in Streitereien mit den USA und innerhalb der Koalition zerrieben zu werden. Höchste Zeit, sich zusammenzureißen.

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11 Kommentare

  • Axel Schäfer

    "... Nicht nur jeden geteilten Link will der Tech-Konzern auswerten und weiterverwenden, sondern die gesamten dahinterliegenden Websites. ..." Wie hat man sich das vorzustellen? Rein theoretisch dürfte man ja keine kommerzielle Seite mehr verlinken, weil man ja damit Meta erlauben würde deren Inhalte auszuwerten. Also jemand verlinkt zu bild.de und schon verwertet Meta die Springer-Inhalte? Rechtlich schwer vorstellbar.

  • Herr L.

    Ich bin mir nicht Sicher ob die Eu noch "Willens" ist sich zu wehren, aber ich hoffe es doch Inständig:



    rp-online.de/digit...refox-newtab-de-de

  • Bolzkopf

    Eigentlich eine Schande, dass dieser Artikel so weit nach unten geruscht ist.

    Aber es ist natürlich illusorisch auf den Gesetzgeber zu hoffen denn wer schneidet sich schon ins eigene Fleisch - nutzen doch alle Regierungen dieser Welt nur allzugern die Daten der Tech-Riesen. Und die sichern sich dafür im Gegenzug "freie Hand".

  • Oppa

    ich persönlich bin meide alle "Sozialen" Medien. Von Anfang an. Das jetzt ein solches Unterfangen seitens Meta wundert nicht wirklich, es ist eine Folge beständiger Akzeptanz dieses Verhaltens. 5€ für einen Dienste monatlich, der von derartigen Praktiken absieht, wäre nicht zuviel, oder? Von Meta und Co. sollte man den Rücken kehren, nur das hilft, sonst gar nix. Sich darüber beschweren und Regulierung erwarten auf jeden Fall nicht.



    Unsere Daten, Clouds vielfach kostenfrei ..., was ist der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum? In wessen Hände begibt man sich, trau schau wem!



    Nur Abkehr hilft wirklich, sicherlich schmerzhaft, jedoch die n.m.E. die einzige Lösung. Die Zukunft baut jeder einzelne.

  • Khuul

    "Unbedenklich ist auch, die KIs mit öffentlich auffindbaren Inhalten zu trainieren. KI-Konzerne wie OpenAI dürfen diese ohne explizite Zustimmung der Urheber abrufen und nutzen – wenn Letztere nicht widersprechen."

    Allein das finde ich schon krank. Ich habe mittlerweile einen richtigen Hass auf diese Konzerne und auf die widerlichen Tech-Bro Milliadäre, die hinter ihnen stehen.

  • miri

    Meta sagt einfach: Das gehört mir. -- Was erwartet man? Schließlich kann man fremde Länder, ja sogar Himmelskörper zu seinem Eigentum erklären, indem man einfach eine Flagge hineinsteckt...

  • So,so

    ich habe als Privatnutzer einmal versucht in das Geflecht der Widerspruchsoptionen bei whatsapp einzudringen (es ist absichtlich sehr verzweigt und unübersichtlich!) und nach Ewigkeiten bekommt man den Rat an den Datenschutzbeauftragten der EU in Dublin zu schreiben und seine Wünsche darzulegen. Sehr aussichtsreich.



    Die EU sollte festlegen, dass derartige Widersprüche einfach (per Knopfdruck auf 1 Seite!) gemacht werden. Es ist nicht zuzumuten, immer 300 Seiten Bullshit-Text durchzuarbeiten (inkl. elend langer und v.a. vieler interner weiterer Links!). Durch dieses Vergraben meiner rechtlichen Optionen in Text- und Links-Fluten werden unsere Rechte faktisch negiert.



    Kein Wunder, dass sich viele Menschen völlig ausgeliefert fühlen!!



    Politikfrust ist auch dadurch begründet!

  • So,so

    Daher endlich raus aus whatsapp und zu Signal wechseln:

    signal.org/install

  • T-Rom

    Es ist eigentlich nur eine Frage des Willens und der Prioritäten, geltendes Recht auch durchzusetzen.



    Wäre die EU / Deutschland konsequent, würde man zB mit Netzsperren reagieren, solange gegen Gesetze verstoßen wird.



    Offenbar ist man dazu aber nicht bereit.



    Dann darf man sich aber nicht wundern wenn die Konzerne immer weiter gehen, da sie sehen dass auf Verstösse keine konsequente Reaktion erfolgt,

  • Perkele

    Unsere Regierung drückt sich vor klaren Entscheidungen, die eventuell dem Potus missfallen könnten. Die EU hat weder ein Konzept im Umgang mit solchen Dingen, schon gar nicht den Mumm sich durchzusetzen und unserer Bevölkerung zu helfen. Stattdessen kriechen die Verantwortlichen auf den Knien um den durchgeknallten Erpresser herum und schützen ausschließlich die Profite der Wirtschaft. Interessen, Gesundheit und Wohlergehen der Menschen ist absolut zweitrangig.

  • amigo

    Dass Meta sich per Nutzungsbedingung faktisch einen Freifahrtschein ausstellt, um Nutzerdaten und Inhalte ungefragt abzuschöpfen, ist der nächste Dreistigkeits-Höhepunkt. Der Digitalkonzern nutzt seine Monopolstellung gnadenlos aus – Zeit, dass die EU nicht nur mit Bußgeldern droht, sondern den digitalen Binnenmarkt konsequent schützt.



    ​Doch die beste Regulierungsbehörde sind wir selbst, indem wir die Abhängigkeit von US-Technologie beenden. Es gibt längst europäische und datenschutzfreundliche Alternativen: Das Fediverse zeigt mit Open-Source-Plattformen wie Mastodon (statt Facebook/X) oder Pixelfed (statt Instagram), wie soziale Medien ohne Überwachungskapitalismus, Verkaufs-Algorithmen und Datenfresserei funktionieren.



    ​Wir müssen nicht jeden digitalen Knebelvertrag unterschreiben. Es ist Zeit für den Wechsel zu Systemen, die auf digitaler Souveränität, Transparenz und echten Bürgerrechten basieren!