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Landschaftsschutzgebiet BeverauDer Esel soll bleiben

In Aachen will die Bundeswehr eine Kaserne ausbauen und dafür hektarweise Natur zerstören. Ein neues Bundesgesetz spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bernd Müllender

Aus Aachen

Bernd Müllender

Einen weniger geeigneten Standort hätte sich die Bundeswehr kaum aussuchen können. Ausgerechnet im Landschaftsschutzgebiet Beverau im Südosten Aachens soll eine riesige Kasernenanlage entstehen. Versiegelung und Naturzerstörung auf 28 Hektar, das sind fast 50 Fußballplätze.

Das Naherholungsgebiet Beverau, eine Wiesen- und Waldlandschaft kaum mehr als zwei Kilometer Luftlinie vom Zentrum der nordrhein-westfälischen Stadt entfernt, hat überragende ökologische Bedeutung, vor allem als wichtigste von drei Kaltluftschneisen Aachens. Messungen zeigen: Hier ist es im Sommer bis zu 7 Grad kühler als in der aufgeheizten City unten im Talkessel. Das Gebiet gilt als größte natürliche Klimaanlage der Kommune.

Die geplante Erweiterung der kleinen Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne am Rande der Beverau um Schulungstrakte, Fahrzeughallen und einen Verkehrsübungsplatz, womöglich für Panzer, empört auch durch die lange Geheimnistuerei. Auf erste Meldungen im August durch die Aachener Zeitung reagierte die Stadtgesellschaft geschockt, inklusive Verwaltung, die nichts Näheres gewusst haben will.

Die Verhandlungen zum Verkauf der Wiesen von der bisherigen Eigentümerin, der Gut Schönthal GmbH, seien nun schon weit fortgeschritten, so die Bundeswehr. Und die Stadt? Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) ließ sich mit dem Satz zitieren: „Die brauchen uns nicht, wir sind raus.“ Sobald das Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz in Berlin beschlossen ist – derzeit steht seine zweite Lesung im Bundestag bevor –, kann das Militär deutlich einfacher machen, was es will. Schon das allgemeine Infrastruktur-Zukunftsgesetz, vom Bundestag im Juni 2026 verabschiedet, gibt viele Möglichkeiten, ökologische Fragen zu vernachlässigen, etwa wenn öffentliche Gebäude oder Autobahnschneisen gebaut werden.

Wohnsiedlung wurde 2014 noch verhindert

2014 war das noch anders: Da hatte die Gut Schönthal GmbH auf den Beverau-Wiesen eine Wohnsiedlung bauen wollen. Mit diversen Gutachten und ökologischen Gründen wurde das Begehren rigoros abgeschmettert – trotz Wohnungsnot. Jetzt aber droht Vernichtung – trotz Klimanot.

Erst als Aachener Juristen vor Kurzem kleinteilig darlegten, wie sich die Stadt über Verwaltungsgerichte gegen das Vorhaben der Armee wehren könnte, kam politisch etwas Bewegung in die Sache. Im Stadtrat vor knapp einer Woche bildete sich zumindest formal einhelliger Widerstand. Geschlossen verurteilten alle anwesenden Fraktionen das demokratiefeindliche Projekt gegen Rat, Verwaltung und Bürgerschaft.

Ein CDU-Stadtrat rechnete derweil vor: Bei einem Platzregen in der asphaltierten Kaserne in Beverau, schon mit 50 Litern pro Quadratmeter, müssen fast 15 Millionen Liter Regenwasser irgendwohin. Sie würden über den Beverbach durch den Tierpark in die Stadt schießen. „Das Problem kann man nicht wegwägen“, sagte er trocken. Beim Eifel-Hochwasser 2021 war Aachen nur teilbetroffen, trotzdem wurden genau über diese Wasserfront einzelne Stadtbereiche kurzzeitig überflutet. OB Ziemons, der nach einem Jahr Amtszeit als kundiger Fähnchendreher gilt, kündigte für November Gespräche mit den Militärs an.

Derweil schwellen Bürgerproteste an: Die ersten Tausend haben sich in einer Gruppe im Messenger Signal zusammengeschlossen. Seit Anfang des Monats gibt es wöchentlich Strategietreffen – und viel Zulauf. Weil die Beverau über den Eselsweg bewandert und durchjoggt wird, hat sich die Initiative plakativ „Eselsweg retten“ genannt. Und weil Aachen exemplarisch für künftige Landraubzüge der Bundeswehr anderswo steht, wollen die BürgerInnen Petitionsausschüsse und Umweltministerien warnen und informieren. „Die Militarisierung der Gesellschaft darf nicht über alles gehen“, sagt ein Initiator.

Am Freitag nun wollen sich Hunderte Eselsweg-RetterInnen zur Kundgebung am Aachener Neumarkt versammeln. Spätere Besetzungen sind nicht ausgeschlossen. Ein junger Mann hat schon angekündigt, als Erster mit dem Zelt auf die Beverau-Wiesen zu ziehen.

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