Sanierte Kölner Oper: Eine Blaupause für die vielen Kulturbauten
Umstritten, teuer und lang verlief die Sanierung der Kölner Oper. Zur Wiedereröffnung zeigte sich, wie sehr die Institution auf Öffentlichkeit setzt.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Bis die Kölner Oper endlich fertig saniert war, blieb es spannend bis zum Schluss. Noch in der vergangenen Woche, wenige Stunden vor der „Rosenkavalier“-Premiere, hörte man von massiven Problemen mit der Bühnentechnik. Die wurde zwar bereits 2017 eingebaut und ist nun auch bald schon zehn Jahre alt. Offensichtlich wird es noch dauern, bis die hochkomplexen Anlagen rund laufen, daher musste Regisseurin Marie-Ève Signeyrole ihre Inszenierung kurzfristig abrüsten, um Pannen zu vermeiden.
Die Kölner Oper reiht sich ein in eine Serie von ambitionierten Kultur-Großbauten in Deutschland, die einfach nicht fertig werden wollen und deren Kosten ein Vielfaches der ursprünglich kalkuierten Summe verschlungen haben. Plangemäß sollte die Kölner Oper eigentlich im November 2015 wiedereröffnet haben, ihre Sanierung dauerte satte elf Jahre länger. Die dafür kalkulierten Kosten sprangen von zunächst 253 auf zuletzt 798 Millionen Euro, mit Finanzierung und Aufwand für die Ausweich-Spielstätten summiert sich das Debakel auf insgesamt etwa 1,5 Milliarden Euro.
Das von Wilhelm Riphahn (1889-1963) im Sinne einer aufgelockerten Nachkriegsmoderne entworfene Ensemble aus Opern- und Schauspielhaus zählte einmal zu den architektonisch fortschrittlichsten Bühnenbauten der jungen Bundesrepublik. Besonders die Oper aber, mit ihren imposanten Ateliertürmen, war nach Jahren systematischer Vernachlässigung kaum mehr wiederzuerkennen.
Demokratische Offenheit
Nun ist alles zurück auf Anfang. Und auf verblüffende Weise wirkt der Bau wieder modern: Die breite Eingangsfront mit ihren stufenlosen Eingängen, das luftige Foyer, dessen klare Architektur in dezent abgestuften Pastell-Farbtönen gestrichen ist. Ein tiefes Mitternachtsblau leuchtet am Himmel über den Foyers mit ihren schlanken Murano-Glasleuchten. Der skandinavisch inspirierte Purismus und die demokratische Offenheit der Gebäude treffen heute wieder den Nerv der Zeit.
Das Ensemble wurde außerdem funktional erweitert. Neben Opern- und Schauspielhaus gibt es nun auch ein „Kleines Haus“, Werkstätten und den unterirdischen, mit gold schimmernder Majolikakeramik verkleideten Saal für die Kinder-Oper. Die Gesamtfläche des gewaltigen Theaterkomplexes ist um 17.000 auf 66.000 Quadratmeter gewachsen und auf insgesamt 2.280 Räume, an deren Sanierung und Planung 58 Unternehmen und 22 Planungsbüros beteiligt waren.
Fatale Fehler
Im Laufe der Sanierungsjahre wurden auch fatale Fehler gemacht. Die und der Lernprozess daraus könnten zum Exempel, zur Blaupause werden für die vielen Häuser, die ihre Sanierung noch vor der Nase haben.
Am Kölner Offenbachplatz geht es nun endlich wieder um Kunst. Das Haus muss jetzt liefern. Es wurden bereits drei Mal mehr Abos verkauft als in der letzten Interims-Spielzeit. Trotz allgemeiner Hochstimmung im Saal will Richard Strauss’ süffigste Oper aber nicht zünden, wobei man sich schon fragen kann, warum ausgerechnet dieses Werk zur Wiedereröffnung gewählt wurde und nicht etwa mit einer Offenbach-Operette ein Bezug zu Kölns Musikgeschichte gesucht wurde.
Der Dirigent Andrés Orozco-Estrada geht im Graben eher grobschlächtig vor, es wirkt durchweg zu laut. Aber der Saal klingt prachtvoll leuchtend und transparent. Vielleicht muss das Orchester auch erst wieder lernen, in einer guten Akustik zu spielen? Die Kölner feierten den Abend trotzdem.
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