Debatte über Rapper Macklemore : Finale Schwundstufe von Protest
Überall grassieren Texte über Ed Sheerans geskippten Aufwärmprogrammkünstler Macklemore. Dabei propagiert der seit Jahren deutlich Antisemitismus.
Foto: Abdalhkem Abu Riash/Anadolou/imago
W er das Geschwurbel von Sahra Wagenknecht und Teilen der Berliner Linkspartei zum Thema Israel braucht, kommt an Macklemore sicher nicht vorbei. Denn der US-Künstler ist schon seit rund 15 Jahren auf die Rolle des Antisemiten abonniert.
Immer wieder drückt er seine tiefe Verachtung gegen Israel in Songs und Ansagen bei Konzerten aus. Er benutzt dafür klar judenfeindliche Stereotype, wie sie bereits die Nazis in Propagandafilmen und Karikaturen in den 1930ern verwendet haben. Darüber hat mein Kollege Alexander Diehl 2025 bereits ein kritisches Interview geführt. Alles, was zu diesem traurigen Fall gesagt werden musste, wurde damals gesagt.
Die überbordende aktuelle Berichterstattung darüber steht jedenfalls in keinem Verhältnis zur untergeordneten künstlerischen Bedeutung von Macklemore und des Auslösers.
Der Weichspül-Brite Ed Sheeran kippte Macklemore aus dem Vorprogramm eines Konzerts in den USA. Das ist, wenn man ernsthaft an die Sache herangeht, nicht mehr als ein öder PR-Gag aus einer Stadionrock-Parallelwelt. Denn die grauenvolle musikalische Heimsuchung, der moralische und ästhetische Bankrott, die aus Macklemores trister Inszenierung als Rapper dringen, haben mit HipHop als glaubwürdiger Protestmusik nichts zu tun.
Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.
Macklemores tendenziöse Haltung ist nur das Symbol für eine ganz andere, weit schlimmere Krise: die der US-Linken. Die hat es auch in der zweiten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident bisher nicht vermocht, das Land auch nur halbwegs zu organisieren und im täglichen, auch zermürbenden Widerstand gegen den erratischen Staatenlenker und seine Fremdenpolizei ICE zu einen.
Wo sind die erinnerungswürdigen Aktionen, die großen Tourneen gegen Trump und die bizarre MAGA-Welt? Wo bleibt die landesweite Solidarität mit HaitianerInnen und allen anderen Migrantengruppen, die ohne Rechtslage von ICE-Schergen festgenommen und illegal aus den USA zum Beispiel wahllos in die Zentralafrikanische Republik ausgeschafft werden?
Es ist fast so, als liefere der Nahostkonflikt die willkommene Ablenkung von den hausgemachten Problemen. Dr. Freud, bitte übernehmen Sie! Wie bei vielen anderen KünstlerInnen, so ist das „Free Palestine“ auch bei Macklemore nur noch die finale Schwundstufe von Protest, eine folgenlose Parole.
Nur mühsam maskiert sie die Machtlosigkeit und Resignation im eigenen Land. Niemandem im Westjordanland geht es besser, wenn Macklemore wieder auf der Bühne skandiert. Und niemand wird von einseitigen Texten über ihn schlauer.
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