Zuwanderung von Fachkräften : Verlorene Zeit
Deutschland braucht dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Selbst die Bundesregierung beteuert das oft – aber sie tut nichts dafür.
B ei manchen Texten weiß man als Redakteur schon vorher, dass nur wenige Leute sie lesen werden. Alle Berichte, Analysen und Kommentare, die mit Fachkräftemigration zu tun haben, sind dafür ganz heiße Kandidaten. Wenn Sie das hier lesen, dann sind Sie also etwas ganz Besonderes!
Aber im Ernst: Es ist verständlich, dass die Aufmerksamkeit der breiten Massen nicht auf der Einwanderung von Fachkräften liegt. Am Ende geht es um bürokratische Abläufe, Visaregelungen, Agenturen. Nicht so sexy, finden viele Leute – und das ist okay. Überhaupt nicht okay ist dagegen, dass auch die Bundesregierung sich nicht für das Thema interessiert. Denn Fachkräfteeinwanderung ist wichtig. Für die deutschen Unternehmen etwa, die dringend qualifizierte Arbeitskräfte suchen. Für die deutschen Sozialsysteme, die neue Beitragszahlende brauchen, es werden ja immer weniger Kinder in Deutschland geboren. Und natürlich besonders für die Menschen selbst, die kommen und sich hier ein Leben aufbauen (wollen).
Aber Schwarz-Rot scheint kaum Ambitionen zu haben, daran etwas zu ändern, obwohl Wirtschaftswachstum und funktionierende Sozialsysteme der Regierung Merz doch angeblich ein Herzensanliegen sind. Wo die Ampelkoalition wenigstens noch kleinere Reformen in dem Bereich angepackt hat, etwa das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, tut Schwarz-Rot fast nichts. Gerade einmal Eckpunkte hat das Arbeits- und Sozialministerium bisher vorgelegt für die geplante Work-and-Stay-Agentur, die die Anwerbeprozesse beschleunigen und vereinfachen soll.
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Weitere Ziele haben sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag nicht einmal gesetzt. Und die Anwerbung von Arbeitskräften aus den Staaten des westlichen Balkans haben sie zuletzt sogar wieder deutlich stärker begrenzt. Dass sich an dieser Gleichgültigkeit der Regierung noch etwas ändert, darf man hoffen, muss es aber bezweifeln. Wenn es so weitergeht, dürfte das Vermächtnis dieser Bundesregierung in der Fachkräftepolitik vor allem in einem bestehen: verlorener Zeit.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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