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Zuwanderung von Fachkräften Verlorene Zeit

Frederik Eikmanns

Kommentar von

Frederik Eikmanns

Deutschland braucht dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Selbst die Bundesregierung beteuert das oft – aber sie tut nichts dafür.

B ei manchen Texten weiß man als Redakteur schon vorher, dass nur wenige Leute sie lesen werden. Alle Berichte, Analysen und Kommentare, die mit Fachkräftemigration zu tun haben, sind dafür ganz heiße Kandidaten. Wenn Sie das hier lesen, dann sind Sie also etwas ganz Besonderes!

Aber im Ernst: Es ist verständlich, dass die Aufmerksamkeit der breiten Massen nicht auf der Einwanderung von Fachkräften liegt. Am Ende geht es um bürokratische Abläufe, Visaregelungen, Agenturen. Nicht so sexy, finden viele Leute – und das ist okay. Überhaupt nicht okay ist dagegen, dass auch die Bundesregierung sich nicht für das Thema interessiert. Denn Fachkräfteeinwanderung ist wichtig. Für die deutschen Unternehmen etwa, die dringend qualifizierte Arbeitskräfte suchen. Für die deutschen Sozialsysteme, die neue Beitragszahlende brauchen, es werden ja immer weniger Kinder in Deutschland geboren. Und natürlich besonders für die Menschen selbst, die kommen und sich hier ein Leben aufbauen (wollen).

Aber Schwarz-Rot scheint kaum Ambitionen zu haben, daran etwas zu ändern, obwohl Wirtschaftswachstum und funktionierende Sozialsysteme der Regierung Merz doch angeblich ein Herzensanliegen sind. Wo die Ampelkoalition wenigstens noch kleinere Reformen in dem Bereich angepackt hat, etwa das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, tut Schwarz-Rot fast nichts. Gerade einmal Eckpunkte hat das Arbeits- und Sozialministerium bisher vorgelegt für die geplante Work-and-Stay-Agentur, die die Anwerbeprozesse beschleunigen und vereinfachen soll.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Weitere Ziele haben sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag nicht einmal gesetzt. Und die Anwerbung von Arbeitskräften aus den Staaten des westlichen Balkans haben sie zuletzt sogar wieder deutlich stärker begrenzt. Dass sich an dieser Gleichgültigkeit der Regierung noch etwas ändert, darf man hoffen, muss es aber bezweifeln. Wenn es so weitergeht, dürfte das Vermächtnis dieser Bundesregierung in der Fachkräftepolitik vor allem in einem bestehen: verlorener Zeit.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Frederik Eikmanns

Frederik Eikmanns

Fachredakteur für Innere Sicherheit und Migration
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3 Kommentare

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  • DiMa

    Mit dem Thema kann man als Politiker kaum Punkte gewinnen und höchst verwaltungsintensiv.



    Es bringt recht wenig, wenn Pflegekräfte angeworben werden, die kurz nach Ankunft dann im Restaurant arbeiten, daher bräuchte es eine durchsetzbare Verpflichtung, dass der Beruf nicht gewechselt wird.



    Ferner müsste ein bestimmtes Mindesteinkommen vorliegen, denn bei einem geringen Einkommen reicht dieses nicht für eine Mindestrente.



    So richtig lohnt sich das für alle Beteiligten (Staat, Arbeitneher, Wirtschaft) erst ab einem jährlichen Einkommen von 100.000 Euro.

  • Astrid Sehnefeld

    Fachkräfteeinwanderung wäre in der Tat sehr wichtig.



    Vor allem da sie im Gegensatz zur Armutsmigration uns 'fertige' Arbeitskräfte bringt, die theoretisch direkt auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden können und nicht erst jahrelang beschult und/oder ausgebildet werden müssen.



    Gegen die Fachkräfteabwerbung aus dem Ausland gibt es allerdings auch das Argument, dass dadurch den Entwicklungsländern die klügsten Köpfe geklaut werden. Sozusagen Kolonialismus 2.0 - nur diesmal Hirn statt Rohstoffe.



    Es gibt aber auch kritische Stimmen aus der Wirtschaft. Ein syrischer Automechaniker ist auf dem Papier ein Facharbeiter, in der Wirklichkeit allerdings selten. Ich bringe das Beispiel, da ich einen Bekannten mit Autowerkstatt habe. Der hat die letzten Jahre insgesamt 3 'Facharbeiter' ergattern können, von denen er 2 nochmal komplett zur Berufsschule geschickt hat, weil die mit modernen Motoren, etc nullkommanull anfangen konnten.



    Facharbeiter ist halt nicht Facharbeiter.



    In der Pflege kenne ich das wesentlich bessere Beispiel, da bildet eine Agentur in Mazedonien vor Ort Kräfte nach deutschen Standards aus - und wer besteht darf kommen 🤷👍



    Das sollte in allen Branchen so gemacht werden.

  • pumble

    "Am Ende geht es um bürokratische Abläufe, Visaregelungen, Agenturen. "



    Nicht nur um das. Sondern auch um so Sachen wie gute Löhne, bezahlbaren Wohnraum, attraktive Lebensbedingungen. Dinge, die man der breiten Masse gut verkaufen kann, die aber keine Priorität haben.