Gespräche zwischen BSW und AfD : Schmerzgrenze gesucht
Das Bündnis Sahra Wagenknecht und die AfD haben viele Schnittmengen. Das erleichtert die Zusammenarbeit. Interessanter ist die Frage, was sie trennt.
Foto: Stefan Sauer/dpa
E s ist keine Überraschung, dass das BSW in Sachsen-Anhalt Gespräche mit der AfD über eine Zusammenarbeit führen will. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat schon vor der Landtagswahl verkündet, dass sie die Brandmauer für unsinnig hält. In ihrer Partei sind nur noch ihr treue Gefolgsleute geblieben, die ihrem AfD-Kuschelkurs folgen. Widerstand ist nicht zu erwarten, alle anderen haben die Partei verlassen.
Eine Koalition mit der AfD schließt auch das BSW aus. Am wahrscheinlichsten dürfte es sein, dass es eine Minderheitsregierung der AfD toleriert – damit könnten beide Seiten ihr Gesicht wahren. Ob sich die AfD darauf einlässt und das BSW mit seinen Stimmen am Ende dafür sorgt, dass AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt wird, ist offen. Über die Details werden beide Parteien jetzt sicher sprechen. Die Alternative wären Neuwahlen, oder die alte Regierung bleibt kommissarisch noch lange im Amt. Das wollen beide Parteien nicht.
Inhaltlich gibt es ohnehin viele Schnittmengen. Beide Parteien sind etwa für Energie-Deals mit Russland. Wagenknecht hat schon angekündigt, das BSW könnte im neuen Magdeburger Landtag beantragen, die Pipeline Nord Stream wieder zu öffnen und die deutschen Gasspeicher mit russischem Gas zu füllen. Ihr geht es um Publicity. Außerdem will Wagenknecht – wie die AfD – den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schwächen. Darüber ist bereits in Brandenburg das BSW und dessen Koalition mit der SPD zerbrochen. Dabei kommen die Öffentlich-Rechtlichen Wagenknecht gerade entgegen. Seit das BSW wieder auf der Erfolgsspur ist, sitzt ihre Gründerin erneut in öffentlich-rechtlichen Talkshows.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Die Frage ist, welche Schmerzgrenze es für Wagenknecht und ihre Leute gibt. Der offene Rassismus und Rechtsextremismus der AfD scheint sie nicht zu stören. Wird sich ihr Gewissen regen, wenn es Flüchtlingen und – in den Augen der AfD – „kulturfremden“ Migranten in Sachsen-Anhalt an den Kragen geht? Diese Hoffnung muss man haben. Sie ist aber gering.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert