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Korruption in der UkraineTeurer Schmuck und viel Bargeld

Der Generalstaatsanwalt und sein Vize treten zurück. Ein hochrangiger Vertreter der Behörde und seine Lebensgefährtin werden festgenommen.

Bernhard Clasen

Aus Kyjiw

Bernhard Clasen

Die ukrainische Justiz sorgt derzeit für Schlagzeilen: Nach dem Rücktritt des Generalstaatsanwaltes Ruslan Krawtschenko am Montagabend folgte 24 Stunden später der Rücktritt seiner Stellvertreterin, Marija Wdowytschenko. Zuvor waren Serhij Kropywa, ein hochrangiger Angehöriger der Generalstaatsanwaltschaft, sowie seine Weggefährtin Elisabeta Iwachnenko von den ukrainischen Antikorruptionsbehörden Nabu (Nationales Antikorruptionsbüro) und Sapo (Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft) festgenommen worden.

Bei Hausdurchsuchungen in den Räumen der Generalstaatsanwaltschaft hatten die Antikorruptionsbehörden teuren Schmuck und erhebliche Bargeldsummen gefunden. Kropywa, stellvertretender Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit im Büro des Generalstaatsanwalts, wird die Annahme von Bestechungsgeldern für den Schutz betrügerischer Callcenter vorgeworfen.

Ungefähr 2 Millionen Euro hätte Serhij Kropywa unter Mitwirkung von Iwachnenko, so der Staatsanwalt der Sonderermittlungsbehörde (SAP), bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungen zufolge gewaschen. Mit diesen Geldern hätten sie unter anderem Immobilien in Kyjiw und Odessa erworben. Darüber hinaus wird Iwachnenko vorgeworfen, Kropywa geholfen zu haben, mit aus kriminellen Quellen stammenden Geldern einen Mercedes-Benz zu kaufen.

In einem mitgeschnittenen Telefonat wird sie von ihrem Gesprächspartner, offensichtlich Kropywa, angewiesen, Fotos von ihrem teuren Schmuck auf Instagram zu löschen. Gegen beide ordnete das Gericht eine zweimonatige Untersuchungshaft an. Iwachnenko wird nicht beschuldigt, Callcenter betrieben oder deren Schutz organisiert zu haben.

Bis zu 3.000 Euro

Sie und Kropywa bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Gegenüber dem vom US-amerikanischen Kongress finanzierten Sender Svoboda geht Volodymyr Fomitschow, Redakteur der Ukrajinska Prawda, von derzeit rund 2.000 illegalen Callcentern in der Ukraine aus. Die Zentren beschäftigten seinen Informationen zufolge jeweils zwischen 40 und 200 Menschen. Diese verdienten im Durchschnitt zwischen 2.000 und 3.000 Euro pro Monat, so Fomitschow.

Die Ukrainska Pravda schätzt unter Berufung auf eigene Quellen, dass die Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft monatlich etwa 7.000 Dollar von jedem illegalen Callcenter erhalten hätten.

Wenn man davon ausgehe, dass die Generalstaatsanwaltschaft 100 illegale Callcenter unter ihre Fittiche genommen habe, komme man auf die stolze Summe von 700.000 Dollar monatlich, rechnet die Ukrajinska Pravda vor. Möglicherweise waren es 2026 gar 500 Callcenter, denen Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft Schutz angeboten hätten. Dann, so rechnet die Ukrajinska Prawda weiter, hätten sich pro Monat 3,5 Millionen Dollar illegal erwirtschaften lassen.

Noch wirft man Ex-Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko und seiner ehemaligen Stellvertreterin Marija Wdowytschenko keine Beteiligung an diesen Machenschaften vor. Doch es dürfte ihnen schwerfallen, den Antikorruptionsbehörden zu erklären, von all dem nichts gewusst zu haben.

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