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50 Jahre Biene Maja Mehr Maja wagen

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Die Zeichentrickfigur Biene Maja aus dem Kinderfernsehen ist ein Symbol der offenen Gesellschaft – gerade weil sie sich von ihrer NS-Vergangenheit befreit hat.

E s gibt gerade nicht wirklich viel, über das man sich nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt freuen kann. Zum Glück können manchmal Vorbilder Halt geben, vor allem wenn sie auch noch gerade Geburtstag feiern. Zum Beispiel eine Biene.

Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja. Klein. Frech. Schlau. Vor genau 50 Jahren wurde sie erstmals als Zeichentrickfigur im TV gezeigt. Und seit genau 50 Jahren propagiert sie ein ungestümes Savoir-vivre, ganz nach dem alten Sponti-Motto „Her mit dem schönen Leben!“. Sie ist eine Insekt gewordene Pipi Langstrumpf, die sich nichts sagen lässt und uns zeigt, was ihr gefällt.

Aber hat nicht ausgerechnet diese freche Biene eine NS-Vergangenheit? Stimmt. Der Autor des der Trickfilmserie zugrunde liegenden Buchs aus dem Jahr 1912 war glühender Antisemit und später Nationalsozialist. Aber kann man das Maja anlasten?

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Auch sie ist nicht schuld daran, dass die Welt ist, wie sie ist – wie Die Ärzte einst zu singen wussten. Sie wäre es nur, wenn sich nichts daran ändern würde. Und da ist Maja im Wortsinne ein Vorbild für die heranwachsenden Kinder im TV-Zeitalter – auch weil sie sich anders als im Originalbuch am Ende nicht wieder reumütig dem verstockten Bienenstaat unterwirft, um gegen die angeblich drohenden Feinde von außen zu kämpfen. Sondern draußen bleibt. Flügge.

Die figurative Verkörperung des Aufstands der 68er

Gerade wegen ihrer Vergangenheit darf man die TV-Biene durchaus als figurative Verkörperung des Aufstands der 68er-Generation gegen die ihrer Eltern lesen. Deshalb kann auch heute nur ein Motto gelten: Mehr Biene Maja wagen!

Die Biene Maja im ZDF

Zum 50. Jahrestag der Erstsendung hat das ZDF eine ganze Reihe der Originalsendungen aus den 1970er Jahren wieder in seine Mediathek gestellt - beginnend mit der ersten Folge "Maja wird geboren". Daneben finden sich auch später erstellte Staffeln und Kinofilme.

Denn sie lebt und predigt die Toleranz gegenüber allen anderen Tieren, Multikulti auf der Klatschmohnwiese. Sie rettet ihre Freun­d:in­nen bei einem – zeitgemäßer geht es ja gar nicht – von Menschen verursachten Waldbrand. Sie hilft kleinen Raupen, deren Familien im Chemokrieg der Menschen ums Leben kamen – ganz so als wäre sie Kapitänin auf der „Sea-Watch“. Und ist somit Sinnbild einer offenen Gesellschaft. Biene Maja, Antifa, summ, summ, summ und immer da.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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