piwik no script img

Künst­le­r:in­nen bei GlücksgefühleDas Festival des politischen Liedes

Beim Glücksgefühle-Festival protestieren zahlreiche Künst­le­r:in­nen gegen die Ausladung der Band „Alphaville“. Deren Sänger warnt vor rechten Tendenzen.

dpa/taz | Die vorübergehende Ausladung der Band Alphaville vom Glücksgefühle-Festival geht für die Veranstalter komplett nach hinten los. Zahlreiche Künst­le­r:in­nen haben am ersten Tag ihre Auftritte bei dem Festival am Hockenheimring für klare politische Statements gegen rechts und für die ausgeladene Band genutzt.

So hat sich der Rapper Ski Aggu für die Freiheit von Künstlern starkgemacht. „Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie euch niemals verbieten“, sagte er bei seinem Auftritt auf dem Musik-Event.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Rapper Ski Aggu beim Glücksgefühle Festival

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Es sei „absolut selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit“, sagte der Musiker. „Ich finde auch, als Künstler sollte man Haltung zeigen können und dürfen. Man sollte für die Dinge einstehen können, für die man steht.“ Er finde es „absolut cool, wenn Künstler das machen“. Und: „Solange ich auf einer Bühne stehe, werde ich immer für eine offene Gesellschaft stehen. Und ich will, und ich wünsche mir, dass wir alle zusammenhalten.“

Noch weiter ging die Rapperin Nura. „Fickt die AfD und fickt jeden, der was damit zu tun hat“, rief sie unter dem Jubel des Publikums. Besonders echauffierte sie sich darüber, dass die Band Alphaville ausgeladen werde, aber nicht der Schlagersänger Andreas Gabalier, der seit Jahren wegen rechte Tendenzen in der Kritik steht.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Nura beim Glückgefühle.Festival

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Alphaville-Sänger warnt vor rechten Tendenzen

Auslöser der Debatte war die Bitte der Veranstalter, bei Auftritten auf dem Hockenheimring nicht über Politik zu sprechen. Die Band Alphaville war daraufhin zunächst ausgeladen und nach zahlreichen Medienberichten über den Vorgang wieder eingeladen worden – sie blieb dennoch fern.

„Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung“, sagte Gold dem Spiegel. „Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.“

Der 72-jährige Gold warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland: Es sei höchste Zeit, „sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen, bevor es zu spät ist“, sagte Gold.

Lukas Podolski warnt die Künst­le­r:in­nen

Das Festival wird seit 2023 von dem ehemaligen Fußballprofi Lukas Podolski und Markus Krampe organisiert. Krampe hatte bereits am Freitag seine ursprüngliche Entscheidung, Alphaville auszuladen, als Fehler bezeichnet: „Das ist superdämlich gewesen.“ Er hätte es begrüßt, wenn die Band nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre – „dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können“.

Ex-Fußballstar und Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter seinen Partner: „Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben.“

Zugleich warnte er Kritiker vor Beleidigungen in sozialen Medien. Er lasse sich nicht beleidigen oder in irgendeine Ecke stellen, sagt Podolski in einem vom Mannheimer Morgen verbreiteten Videostatement. Er warnte Künst­le­r:in­nen und Fans davor, unvorsichtig zu sein, „weil ein Lukas Podolski kann auch anders.“

„Forever Young“ in allen Lagen

Zumindest auf den Bühnen des Festivals waren die Künst­le­r:in­nen alles andere als vorsichtig. Mehrere Künstler reagierten mit Solidaritätsbekundungen für Alphaville: Sänger Tom Gregory eröffnete sein Set mit „Forever Young“, Rapperin Nura spielte den Alphaville-Klassiker an. Auch Ski Aggu spielte den Song. Die Mallorca-Hit-Sängerin Mia Julia sagte: „Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen.“ DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt ab.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Grüngürtelrosen beim Glücksgefühle-Festival

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Auch der Kölner Männerchor Die Grüngürtelrosen sang mit Unterstützung des Publikums „Forever Young“. Und ein Sänger des Chors rief laut und deutlich: „Gerade an diesem Wochenende: „Scheiß AfD! Alle Hände hoch für Alphaville!“

DJ Felix Jaehn kündigte für seinen Auftritt am Samstag eine politische Botschaft von der Bühne an. Die Band Culcha Candela will sich auf dem Festival „notfalls mit Megaphonen“ positionieren. Auch ihr Auftritt ist für Samstag vorgesehen.

Das Festival dauert bis Sonntag und ist nach Angaben der Veranstalter mit 250.000 Zuschauern ausverkauft. Lukas Podolski und Krampe organisieren es seit 2023.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

3 Kommentare

 / 
  • Philippo1000

    So hat es auch sein Gutes!



    Die Message sowohl von Alphaville, als auch der Anderen hat angesichts der Situation viel mehr Aufmerksamkeit erhalten.



    Lukas Podolski rechte Tendenzen zu unterstellen finde ich übrigens weit hergeholt.



    Ich freue mich, dass sich so Viele gegen Rechts positionieren.



    Liebe Sachsen Anhalter*Innen,



    Lasst uns nicht im Regen stehen!



    Es wäre schon sehr schön, wenn Grüne und SPD rein gewählt würden und somit eine absolute Mehrheit der „afd“ verhindert würde.



    Das Gute an der Tatsache, dass Sachsen Anhalt nicht so riesig ist, ist, dass wirklich jede Stimme zählt!



    Macht doch einfach was Großes draus!



    Deutschland schaut auf Euch und es würde Viele glücklich machen, wenn Ihr die „afd“ alt aussehen lasst.



    Danke an Alle Demokrat*Innen an der Saale, die mutig für die Freiheit kämpfen ‚



    Und danke an alle Demokrat*Innen, die vielleicht nicht ganz so mutig sind und trotzdem das Richtige tun!



    JedE*r hat sein Kreuz zu tragen, morgen gilt es eins an der richtigen Stelle zu machen.



    Ich bin da echt nicht wählerisch, ich freue mich über Jede und Jeden, die Ihr Kreuz nicht bei den Rechten machen!



    Danke dafür!

  • Jochen Laun

    Ist das nicht ein bisschen viel Drama? Solidaritätsbekundungen? Als hätte man Alphaville nicht vorübergehend ausgeladen, sondern verhaftet.

    • Warim Wilke

      @Jochen Laun:

      Dass Künstler werden ausgeladen werden, weil sie sich kritisch gegenüber einer faschistischen Partei äußern könnten ist eine Grenzüberschreitung.

      Der Trend, dass nicht mehr Unmenschlichkeit diskreditiert wird (was in einer zivilisierten Gesellschaft zwingend notwendig ist), sondern der Protest dagegen, ist nicht neu, setzt sich aber fort - Stück für Stück, Mosaikstein für Mosaikstein. Erst wird unsagbares sagbar, dann richtiges unsagbar.